Der Deutschlandexpress dreht seine letzten Runden

Jens Kürvers hat einen Entschluss getroffen: Nach fast 20 Jahren will er den Betrieb einer der größten Modelleisenbahnanlagen einstellen.
Jens Kürvers hat einen Entschluss getroffen: Nach fast 20 Jahren will er den Betrieb einer der größten Modelleisenbahnanlagen einstellen.
Foto: FUNKE FotoServices
Der Deutschlandexpress, mit 700 Quadratmetern eine der größten Modellbahnanlagen, stellt nach den Ferien seinen Betrieb im Nordsternpark ein.

Gelsenkirchen-Horst.. Das Freundschaftsspiel zwischen Schalke und Dortmund in einer Sportanlage an der Küste ist mit 2:1 zugunsten der Knappen ausgegangen, über dem Zechenpanorama weiter südlich steigen gelbe Schachtzeichen-Ballone auf, selbst die Doppelbogenbrücke, deren realistisches Vorbild nebenan über den Rhein-Herne-Kanal führt, findet sich in der Miniaturwelt wieder.

Seit fast 20 Jahren nimmt der Deutschlandexpress im Nordsternpark seine Besucher mit auf eine Reise, die von der Nordsee bis in die Schweizer Alpen führt. Dazwischen drehen, computerunterstützt, über 250 Züge ihre Runden. Zum Ende der Sommerferien steuern sie ihre letzte Fahrt in Richtung Abstellgleis an. Dann werden alle Signale der Anlage auf Rot gestellt, die Trafo auf 0 gedreht. So rational Jens Kürvers als Geschäftsmann diese Entscheidung treffen musste, so emotional ist der Diplom-Ingenieur dann doch: „Da blutet einem das Herz“, sagt der 58-Jährige.

Der Essener Unternehmer nennt ein ganzes Bündel an Gründen, die zu diesem Entschluss geführt haben. Kürvers: „Da ist zum einen der immense Anstieg der Nebenkosten. Früher reichte ein Hausmeister, seit einiger Zeit werden Kosten für drei Hausmeister berechnet.“ Als Pächter der ehemaligen Waschkaue der Zeche Nordstern, die in der Verwaltung der Stadttochter Nordstern GmbH liegt, sei er vertraglich verpflichtet, den Strom vom örtlichen Energielieferanten ELE zu beziehen. So bestehe keine Möglichkeit, nach einem Mitbewerber mit günstigeren Konditionen Ausschau zu halten. Kürvers: „Da findet kein Wettbewerb statt.“

Ausgerichtet auf die Bedürfnisse eines Gewächshauses

Ein anderer Kritikpunkt sind die Wärmekosten: „Die Anlage ist ausgerichtet auf die Bedürfnisse, als die Waschkaue zur Zeit der Bundesgartenschau ein Gewächshaus war.“ Ganz besonders ärgert er sich darüber, dass sich weder im Stadtgebiet, noch im engeren Nordstern-Umfeld Hinweisschilder auf den Deutschlandexpress aufmerksam machen. In der Tat: Wer die Adresse Am Buga-Park 1c gefunden hat, muss weiter Ausschau halten: nach dem wohl kleinsten Hinweisschild auf „eine der größten Modelleisenbahnen“ oder auf die Eigenwerbung am Eingang, die vom Wintergarten der benachbarten Gastronomie fast vollständig bedeckt wird.

Stadt zeigt sich weiter gesprächsbereit

Wie Martin Schulmann, Sprecher der Stadtverwaltung bestätigt, habe es in der Vergangenheit mehrfach Gespräche gegeben mit der Nordstern GmbH: „Aber eine Kündigung des Pachtvertrages liegt nicht vor.“ Es wäre traurig, wenn die Modellbahnanlage geschlossen werde. Grundsätzlich sei man nach wie vor gesprächsbereit, auch darüber, wie man ein Gesamtkonzept erarbeiten könne. Ergänzende Hinweisschilder im Nordsternpark aufzustellen, sei, so Schulmann, sicherlich machbar.

 
 

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