Alles Müller, oder was?

Foto: WAZ FotoPool

Paart sich da Schildbürgerstreich mit Schilderfrevel? Fast kommt es einem so vor: Just, als in diesen Tagen der Hasseler Heimatforscher Egon Kopatz einer falschen Straßenbeschilderung in Bergmannsglück auf die Schliche kam, verschwand am vergangenen Wochenende das monierte Straßenschild.

Und Kopatz fand es am Sonntag einige Schritte weiter im Gras liegend wieder. Nun soll die Be-schilderung richtig erfolgen.

Aber der Reihe nach: Zwischen dem alten Zechengelände und dem AWo-Seniorenzentrum Haus Uhlenbrock verläuft der Heinrich-Müller-Weg zur Körnerstraße (einst unbefestigter Kumpelweg). Und zwar zu Ehren des Baumeisters der Hasseler Kolonie, wie Kopatz fest überzeugt ist. Doch zum Erstaunen des Heimatforschers befand sich an dem Straßenschild bis jetzt ein Zusatzschild, das auf den evangelischen Theologen Heinrich Müller aus dem 17. Jahrhundert hinwies. Kopatz: „Hier hat sich die zuständige Abteilung für Straßenbenennung der Stadt offenbar einen Scherz erlaubt.“ Er könne, so der Heimatforscher weiter, keinen Bezug des Lübecker Theologen zu Buer finden. Auch wenn das Haus Uhlenbrock, das einst genau in diesem Teil Hassels stand, sich 1582 öffentlich von der katholischen Kirche lossagte und der Aufsitzer, Gebhard von Uhlenbrock, eine Stiftsdame evangelischen Glaubens heiratete und daraufhin von Papst Gregor 1583 sogar exkommuniziert worden ist.

Naheliegender sei mit der Beschilderung „Heinrich-Müller-Weg“ eine Erinnerung an den Baumeister der Zechenkolonie, wie es auch eine Bronzeplatte auf einem Findling unweit der Straße tut, so Kopatz. Heinrich Müller, 1873 in Bad Sassendorf geboren, hatte 1904 eine Baumeister-Stelle in der Verwaltung der königlichen Steinkohlenbergwerke im Vest Recklinghausen angetreten. Zwei Jahre später kam er nach Buer als Baumeister und „Oberer Werkbeamter 1. Klasse“, weiß der Hasseler Heimatforscher. Gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Wall habe er den Bau der Tagesanlagen der Zechen Bergmannsglück, Scholven und Westerholt verantwortet. Darüberhinaus habe er die Gartenstadt-Baupläne von Konrad Bartels in den Kolonien umgesetzt, dabei auch eigene Akzente gesetzt, so Kopatz. Zwanzig Jahr lang bis zu seiner Versetzung nach Recklinghausen habe Müller Planung und Bauausführung eines ganzen Stadtteils gestaltet. Bis 1945 sei er im Amt geblieben, im Januar 1953 verstorben. Es sei doch naheliegend, dass an diesen Mann in Hassel und nicht an den evangelischen Theologen und Erbauungsschriftsteller Müller, der nie in Buer war, erinnert werden solle.

Dem ist auch so, wie die Verwaltung zugibt: Bis Ende der Woche, vielleicht schon am heutigen Dienstag, werde es ein neues Zusatzschild geben, Aufschrift: „Heinrich Wilhelm Christoph Müller, Baumeister der preußischen Bergwerksdirektion Recklinghausen bei der Errichtung der Bergarbeitersiedlungen der Zechen Bergmannsglück, Scholven und Westerholt.“ Warum es zum „falschen Müller“ kam, sei unklar. „Das kann sich keiner mehr erklären“, so Stadtsprecher Martin Schulmann. Immerhin sei die Beschilderung zwischen 1992 und 1994 erfolgt. Was so nicht stimme, widerspricht Kopatz und belegt dies mit Fotos: Schild ohne Zusatzbeschilderung. Die sei Jahre später erfolgt.

 
 

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