Umbenennung: Weiter über Hindenburg stolpern

Der Hindenburghain. Mitte der 1920-erJahre wurde der Park angelegt. 1933 wurde er in Hindenburghain umbenannt, weil sich Hindenburg, so erklärt Stadtarchivar von Nathusius, sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute.
Der Hindenburghain. Mitte der 1920-erJahre wurde der Park angelegt. 1933 wurde er in Hindenburghain umbenannt, weil sich Hindenburg, so erklärt Stadtarchivar von Nathusius, sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute.
Foto: WP

Fröndenberg.  Im Vergleich zum Hindenburgdamm, der das Festland mit der Insel Sylt verbindet, ist der Fröndenberger Hindenburghain ein wenig frequentiertes Örtchen. Und doch steht der Park zurzeit im Mittelpunkt einer Diskussion. Einer Namens-Diskussion.

Die Grünen hatten jüngst gefordert, den Hindenburghain wieder in seinen ursprünglichen Namen „Ruhrpark“ umzubenennen. So hieß er bei seiner Anlagung Mitte der 1920-er Jahre, als der Stadtteil Westick bebaut wurde. Die FDP positionierte sich am Wochenende gegen eine Umbenennung des Parks. Eine Haltung, die Stadtarchivar Jochen von Nathusius nicht unsympathisch ist.

„Ohne ein Freund Hindenburgs zu sein“, sagt von Nathusius: „Durch das Wegradieren des Namens wird nicht das Problem gelöst.“ Er ist davon überzeugt, dass man mit einer Umbenennung einen Lernort verlieren würde. „Wir brauchen solche Stolpersteine in Gedanken, die uns auf historische Fehlentscheidungen der Politik hinweisen“, begründet der Stadtarchivar, warum für ihn der Name Bestand haben sollte. Es handele sich auch um keinen stadtbeherrschenden Platz. Nathusius selbst hat in seiner Diplomarbeit beschrieben, wie im Zuge der Straßenentnazifizierung zahlreiche Umbenennungen vorgenommen wurden. Unter anderem wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz der Marktplatz.

Demnächst wird sich die Fröndenberger Politik mit dem Thema befassen. SPD-Fraktionschef Herbert Ziegenbein sagt schon jetzt auf Anfrage: „Der Argumentation der FDP, dass die Benennung historisch gewachsen ist, kann man sich anschließen.“ Die FWG will sich mit einer Namensänderung „nicht anfreunden“ (Matthias Büscher), auch die CDU sieht sie mit Skepsis: „Und wenn es eine Umbenennung geben soll, dann muss man die Bürger fragen, was sie wollen“, sagt Fraktionsvorsitzender Gerd Greczka. „Ruhrpark erinnert uns zu stark an Bochum.“

Stadtarchivar von Nathusius schlägt unterdessen vor, am Hindenburghain eine Erklärungstafel zur Person anzubringen, um zum Nachdenken anzuregen. „Und mit einer Umbenennung wird die Zahl der dort ausgeführten Hunde auch nicht größer“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

 
 

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