Spitzenkonzert in mäßig gefüllter Kulturschmiede

Fröndenberg Kulturschmiede Jule Malischke feat.Stephan Borman
Fröndenberg Kulturschmiede Jule Malischke feat.Stephan Borman
Foto: Martina Dinslage
Gegen diese Konkurrenz kamen Jule Malische und Stephan Bormann nicht an: Der BVB-Kick raubte dem Duo Zuschauer. Das Konzert selbst war spitze.

Fröndenberg.  Wie ein Himmel voller Gitarren: Luftig und außerirdisch schön schwebten am Samstagabend die Songs von Jule Malischke – virtuos begleitet von Stephan Bormann – durch die Kulturschmiede. Ein bisschen luftig waren leider aber auch die Sitzreihen gefüllt.

„Kultur für Uns“-Chef Frank Schröer hat den naheliegenden und doch wohl richtigen Schuldigen in der Pause des Konzertes ausgemacht: König Fußball mit dem vielbeachteten Topspiel des BVB gegen die Bayern. Fast hätte diese „Konkurrenz“ sogar noch einen Musiker gekostet, wie Jule Malischke augenzwinkernd den immerhin doch gut 50 Zuhörern erzählte: „Stephan wollte eigentlich auch ins Stadion fahren, wo wir gerade schon mal hier in der Nähe sind. Ich konnte ihn dann aber doch auf die Bühne zerren.“

Anschließend feierte sie ein bisschen den schwarz-gelben Erfolg und erzählte, dass ihre schwäbische Heimatstadt Heidenheim dank eines erfolgreichen Fußball-Zweitligisten nun auch deutlich bekannter ist. Das sollte es dann aber gewesen sein vom runden Leder, denn die Zuhörer in der Schmiede hatten ihre Priorität ja durch Abstimmung mit den Füßen ausgedrückt.

Unterschiedliche Biografien

Stattdessen hing der Himmel voller Gitarren. Symmetrisch ganz in Schwarz gekleidet, jeweils mit Akustikgitarre in der Hand und einer weiteren Auswahl dieser Instrumente sowie dem Verstärker hinter sich, saßen auf der Bühne die beiden in ihrer Biografie so unterschiedlichen Künstler: die 30-jähriger Songwriterin, frischgebackene Master-Absolventin und mit einer ersten eigenen CD, die nach Dresden gezogen ist um bei ihrem musikalischen Partner Stephan Bormann Meisterkurse zu besuchen.

Selbiger mit zwei Jahrzehnten mehr an Lebenserfahrung, beteiligt an vielen Projekten und als Gitarrist zur Weltklasse zählend. Dass er das am Samstagabend nicht so plakativ raushängen lässt, macht ihn noch vielmehr zu einem großen Künstler. „Er hält sich noch zurück und lässt Jule Malischke das Rampenlicht“, haben KfU-Chef Schröer und Konzertbesucher Jochen Hänel im lockeren Pausen-Plausch unisono festgestellt. Und erinnern sich noch an den ersten Auftritt Bormanns in der Ruhrstadt, noch vor dem Umbau zur Kulturschmiede und direkt am lodernden Schmiedefeuer.

Dieser Umbau jährt sich 2017 zum zehnten Mal und wird von dem engagierten Verein auch mit einem Programm aus musikalischen „Dauerbrennern“ dieses Ortes gewürdigt werden. Ihre Premiere hier feierte hingegen Malischke, lobte die Zuhörer für eine „sehr schöne Atmosphäre“ und den Kulturverein. Der Saal bedankte sich wohlwollend für diese Worte.

Positiv eigensinnig

Was den Abend aber zu einem überzeugenden Konzerterlebnis machte, war zuerst die Musik: intensive Kommunikation zweier Persönlichkeiten vorwiegend über ihre Gitarren sowie ausdrucksstarke und im positiven Sinne eigenwillige und eigenständige Songs. Songs, die ihre Wurzeln im Singer/Songwriter-Genre haben und sicher aber kein Pop sind – zumindest kein Pop im Sinne von „konsequent auf Eingängigkeit direkt beim ersten Hördurchgang gebürstet.“ Vielmehr fordern die Kompositionen genaues Hinhören ein, drücken die meist sehr persönlichen Inhalte mit eindringlicher und wandlungsfähiger Stimme unmittelbar aus und lassen den Song deshalb manchmal auch viel früher enden als gedacht.

Wenn alles gesagt ist, braucht es keine Soli-Leistungsschau an den sechs Saiten. Trotzdem finden sich passende Anleihen aus dem Blues - bei Malischke aber nicht dreckig, sondern luftig schwebend – oder ein Flamenco-Solo Bormanns. Und eine fast unscheinbar eingebundene Pippi-Langstrumpf-Melodie. Keine zwei Stunden inklusive Pause dauert dieser Abend, weil das Repertoire mit einem Album eben noch überschaubar ist. Für die Zukunft darf man noch einiges erwarten.

 
 

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