Schenkelbrand ist heißes Eisen

Die Fohlenschau am Donnerstagnachmittag auf dem Hof Plaas-Beisemann.
Die Fohlenschau am Donnerstagnachmittag auf dem Hof Plaas-Beisemann.
Foto: WP

Strickherdicke.  Wilfried Wilking weiß, dass er auch im übertragenen Sinne ein heißes Eisen anfasst. Der Brennbeauftragte des Hannoveraner Verbandes hat gestern Nachmittag auf dem Anlage des Reitervereins „Fritz Sümmermann“ in Strickherdicke einigen Fohlen einen elektronischen Chip verpasst – und das traditionelle Brandzeichen.

Doch wahrscheinlich wird er Letzteres nicht mehr lange tun. Bundes-Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) will den Schenkelbrand verbieten. Doch der Gesetzesentwurf stößt auf Widerstand – nicht nur bei dem Pferdesport verbundenen Ministern aus der Koalition wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Auch in Fröndenberg wollen die Züchter am Schenkelbrand festhalten. Das wurde am Rande der Fohlenschau des Hannoveraner Pferdezuchtvereins Westfalen deutlich.

Was fürs Fohlen schmerzhafter ist, lässt sich nicht unterscheiden. Ein Chip, der mit einer relativ dicken Kanüle unter der Haut platziert wird oder ein glühend heißes Eisen, das auf die Haut gedrückt wird. Beides sicher unangenehm, beides aber auch innerhalb des Bruchteils einer Sekunde erledigt. „Wer das Brennen noch nicht gesehen hat, stellt sich etwas Martialisches darunter vor“, sagt Dr. Werner Schade, Zuchtleiter und Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes, der gestern zur Beurteilung der Fohlen in Fröndenberg war. „Aber das Chippen ist auch keine reine Freude.“

Das Ende Mai geborene Fohlen von Heike und Henrik Plaas-Beisemann aus Fröndenberg jedenfalls ließ beides recht gelassen über sich ergehen. Ein kurzes Scheuen, ein kleiner Sprung in die Höhe. Heike Plaas-Beisemann ist dafür, den Schenkelbrand beizubehalten. „Es hat sich bewährt.“

Dr. Werner Schade warnt: Elektronische Chips seien leichter zu manipulieren. „Es hat schon Pferde mit mehreren Chips gegeben. Und es besteht die Gefahr, dass der Chip im Körper wandert oder zerstört wird.“ Der Schenkelbrand sei nicht nur verlässliche Kennzeichnung, sondern auch für jedermann zu sehen. „Das ist ein Stück unserer Kultur, damit identifizieren sich unsere Züchter.“ Tierschützer wenden ein, dass das Brandzeichen in erster Linie als Werbezweck für den jeweiligen Zuchtverband diene und den Fohlen hochgradige Verbrennungen zugefügt würden. Mehr als die Hälfte der Brandzeichen könnten nach ein paar Jahren nicht mehr gelesen werden. Heinrich Plaas-Beisemann, 2. Vorsitzender des Reitvereins „Fritz Sümmermann“ Fröndenberg, findet die Diskussion überflüssig. „Da suchen Tierschützer nach einem neuen Aufhänger, sich zu profilieren.“

 
 

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