Kalender aus Dellwig steckt voller Anekdoten

Jugendchor Angels Crossing mit den Kalendern, die für den Förderverein des Freibades auch noch beim Adventsfenster dort autreten werden.
Jugendchor Angels Crossing mit den Kalendern, die für den Förderverein des Freibades auch noch beim Adventsfenster dort autreten werden.
Foto: Alexander Lück
Die Dellwiger bieten zum Jahreswechsel wieder ihren Kalender an. Er steckt voller Fotos und Anekdoten. Eine Menge Herzblut ist auch dabei.

Dellwig.  Den Tag der Saisoneröffnung 2017 mit dem ersten Sprung ins kühle Nass könnte man hier schon mal dick anstreichen: Der Förderverein des Dellwiger Freibades verkauft ab sofort wieder die beliebten Jahreskalender mit Motiven aus dem Fröndenberger Westen. Diese werden mittlerweile in so erfreulich großer Zahl geliefert, dass das Bürgerbad selbst nur noch eine einzige Seite abbekommt.

Zwei Mädchen wollten mit aufs Foto

Blättern muss man für die Collage bis in den Juni – ein Monat, der normalerweise zum Eintauchen in die Fluten einlädt. Dr. Annette Reeske-Manthey, Vorstandsmitglied des Fördervereins und engagierte Mitgestalterin des Kalenders, verbindet mit einem konkreten Bild aus dem Bad eine besonders liebevolle Erinnerung: „Beim Kids & Sports-Day kamen zwei Mädchen, vielleicht acht Jahre, zu meinem Vater, der Fotos schoss, und baten ihn, auch sie beide zu knipsen. Sie wollten jetzt aber bitte auch mal in den Freibadkalender.“ Gesagt, getan, die beiden Wasserratten sind mit abgedruckt, zusammen mit weiteren Impressionen von Liegewiese, aufblasbarer Riesenrutsche, Wasserspielplatz, Schwimmbecken oder dem Hundeschwimmen nach der Badesaison.

Ein Familien-Drama anno 1869

Fast alle anderen der insgesamt über 50 Bilder – in der Regel sind mehrere auf einer Monatsseite zusammengestellt – sind deutlich älteren Ursprungs. Sie erzählen etwa, ergänzt durch informative Texte, vom Bau des Ruhrwasserwerks in Langschede Ende des 19. Jahrhunderts. Es geht auch um den angeschlossenen Wasserbehälter auf der Wilhelmshöhe zur Versorgung Unnas. Die Geschichten erzählen von alten Hofstellen und Handwerksbetrieben im Westen, der Schnallen- und Hakenfabrik Berkenhoff in Dellwig, der alten Dorfschule in Altendorf oder von dem tragischen Schicksal der Pfarrerfamilie von Bodelschwingh in Dellwig. Die Familie velor 1869 innerhalb von zwölf Tagen durch Keuchhusten und Lungenentzündung alle vier Kinder.

Zu sehen ist auch das sogenannte Spott-Tuch aus dem Heimatmuseum, früher in Haus Schoppe beheimatet, das den Streit zweier Gutsbesitzer darstellt, die sich gegenseitig mit Klagen überzogen. Kurzum: eine Fundgrube für Geschichten und Kuriositäten aus dem Fröndenberger Westen. Das hat sich übrigens so weit herumgesprochen, dass die Kalendermacher stets mit Aufnahmen und Informationen versorgt werden. „Irgendjemand kennt immer jemanden, der was weiß“, schmunzelt Reeske-Manthey.

Hilfe kommt auch via Facebook

Ihr Vater Hans Peter Reeske trägt einen Großteil der Arbeit, auch die Ortsheimatpfleger Dr. Heinz-Josef Horstschäfer (Altendorf), Fred Bachmann (Dellwig), Reeske-Manthey selbst als Ortsheimatpflegerin Strickherdickes sowie Jutta Henschker beteiligten sich.

Und manchmal halfen auch Zufall und soziale Medien, so Reeske-Manthey: „Ich suchte ein Foto von der Langscheder Mühle und habe den Aufruf dafür über eine Facebook-Gruppe gestartet. Nach drei Minuten hatte ich das Bild.“

Bislang konnte der Verein immer gut 200 Kalender verkaufen, über 1000 Euro blieben im letzten Jahr für den guten Zweck hängen. Jetzt wollen die Dellwiger ein bisschen Geld fürs Bad einsammeln. „In den nächsten Wochen haben wir einiges zu tun“, erzählt Dr. Annette Reeske-Manthey von der Arbeit in den Wintermonaten.

Im gemütlichen Rahmen öffnet sich am vierten Advent, 18. Dezember, das Adventsfenster im Freibad. Trotz eines prall gefüllten Terminkalenders in der vor- und nachweihnachtlichen Zeit, unterstützt an diesem Tag auch der Fröndenberger Jugendchor Angels Crossing das Vorhaben des Vereins mit seinem Gesang.

 
 

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