Genuss und geistiger Nährwert bei „Fröndenberger Weinlese“

2.Fröndenberger Weinlese in Kulturschmiede
2.Fröndenberger Weinlese in Kulturschmiede
Foto: Martina Dinslage
Reinen Wein schenkten die Veranstalter der „Zweiten Fröndenberger Weinlese“ ihrem Publikum ein. Kultur ergänzte Sinnesfreuden.

Fröndenberg/Menden. Lange schon ausverkauft die „Zweite Fröndenberger Weinlese“ in der Kulturschmiede am Südhang des Ruhrtals. Über 80 Weinliebende hatten sich am Freitagabend zusammengefunden, um die von Gott Bacchus und Göttin Demeter geweihten Köstlichkeiten näher kennen zu lernen. Vermittler zwischen Erde und Göttern waren Weinhändler Ulf Nilson aus Hagen, waschechter Schwede, und der waschechte Sauerländer und Kochkünstler Franz Lenze mit Wurzeln in Lendringsen. Gewürzt wurde der Abend von „Frau Bauer“ und „Herrn Neuhaus“, die im Ping-Pong-Dialog Humoriges mal als Lyrik, mal als Prosa vom Nordhang des Sauerlandes, aus dem Mendener Scaramouche, importierten.

Rot, Weiß, Rosé

„Drei Farben Wein“ hieß das Programm von Janina Bauer und Peter Neuhaus, das den Abend genussvoll anreicherte und den Wein, der manchmal recht trocken das Zahnfleisch adstringierte, versüßte „Ich komme aus Schweden, und unsere Weine sind hell und haben meistens 40 Prozent“, erklärte der schwedische Weinfachmann die Trinkgewohnheiten seiner Heimat. Drei Flaschen gab es für fünf Personen in der vierstündigen Verkostung.

Als erstes Gärprodukt kam nach vielen Worten ein spanischer Cava ins Glas. „Eigentlich ein Erfrischungsgetränk“, so Ulf Nilson. und empfahl es zur Belebung und zur Belustigung. Er erklärte die Grundregeln: „Auge, Nase, Mund – dies ist die Abfolge des Genusses.“ Und weiter: „Je kürzer die Nase, umso näher muss man mit dem Riechorgan ans Glas, um die Aromen aufzunehmen.“ Der Luft komme eine besondere Aufgabe zu. Man müsse schlürfen mit Geräuschen wie beim Zahnarzt. Und dann solle ein langer Abgang folgen, das sei ein Qualitätsmerkmal. Man erfuhr viel über Rot, Weiß und Rosé, über Reben und Lagen.

Gemüse vom Demeterhof

Nach einem knappen Achtel kam dann der Appetit. Kochkünstler Franz Lenze, begeisterter Minigolfer mit vielen Pokalen, hatte gezaubert und seine erste Kreation auf den Tisch gebracht. „Alles Gemüse vom Gärtnerhof nach Demeterregeln angebaut.Wildkräuter mit Gemüse, vorher drei Tage eingelegt und vakuumiert, dazu Limonensauerrahm“, kündigte er an.

Frau Bauer und Herr Neuhaus parlierten derweil über Käse mit einem Gedicht von Fritz Eckenga, der zu dem weisen Schluss kam: „Käse ist ein Stück Natur.“ Während dessen füllten sich die Gläser auf den Tischen der beiden mit Eau de Vie, Lebenswasser, oder wie der Sauerländer sagt, mit Schnappes. Doch die beiden entpuppten sich als Scheintrinker. Trotz voller Gläser blieb das Duo auf dem Trockendock.

Ein bärtige Weinkönigin und ein dreifaches „Edel Süß“

Nach der Entthronisierung der bärtigen Weinkönigin des Vorjahres schritt man dann zur Neuwahl. „Wir wären ja sonst ein führerloses Volk“, bemerkte Frau Bauer im Look des Berghofes. Dann wählte der Scheinwerfer die neue Weinkönigin des Ruhrtals aus, die dieses Mal vom Nordhang, aus Menden, kam. Wieder wurde es ein Kerl, der mit blonder Perücke und Pappkrönchen das Geschlecht wechselte. Mit einem dreifachen „Edel Süß“ wurde Franziska I. in die noch kleine Runde der Ruhrtalköniginnen aufgenommen.

Nicht ohne ein modernes Thermo-Küchengerät anzupreisen. „In meiner Küche schlagen sich die Köche darum“, brachte Franz Lenze das Bürgermeisterstück mit Jus und Süßkartoffelpüree auf den Tisch, nachdem das Maronensüppchen aufgeschürft war.

 
 

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