Gemeindehaus Ardey: Trauerfeier für eine Kirche

Hängende Köpfe, große Emotionen, leichter Nieselregen: Der Abschiedsgottesdienst hatte am Sonntag den Charakter einer Trauerfeier. Foto: Pieper
Hängende Köpfe, große Emotionen, leichter Nieselregen: Der Abschiedsgottesdienst hatte am Sonntag den Charakter einer Trauerfeier. Foto: Pieper

Ardey.. Sonntag, 10.49 Uhr: Die kirchliche Geschichte des Gemeindehauses Ardey ist beendet. Nach einem Entwidmungsgottesdienst trugen Pfarrer Schiewer, Pfarrer Müller und Superintendentin Muhr-Nelson Bibel, Kreuz und Opferschale aus dem Gottesdienstraum des Hauses – das traurige Ende einer langen Geschichte.

Es hatte etwas von einer Trauerfeier, als knapp 50 Besucher zum Entwidmungsgottesdienst kamen. Vor der Tür des Gemeindehauses standen Kerzen, ein Holzkreuz zierte den Weg. Auf einem Schild stand: „Wir trauern um unsere Kirche“. In der Tat: Ardey hat gestern Vormittag Abschied von seiner Kirche genommen. „Wir sind enttäuscht und fassungslos“, hatte Schwester Hannelore zu Beginn des Gottesdienstes formuliert, was viele Ardeyer dachten. Sie war es, die von Beginn an die Entwicklung des Gemeindehauses und dessen Gottesdienstraum begleitet hat. Dass die Kirchengemeinde sparen müsse, sehe man ein. Dass man aber den Ardeyern ihre Kirche nehme, sei ein Armutszeugnis, sagte Schwester Hannelore – und sie machte aus ihrem Herzen dabei keine Mördergrube.

Dass man sie und alle Gemeindemitglieder vor vollendete Tatsachen gestellt habe, sei schon ein starkes Stück. Dass sich in ihren Augen die Seelsorger der Gemeinde dann aber nach vielen Protesten und Offenbarungen nicht einsichtig gezeigt hätten, sei einfach nur enttäuschend. Und dass zum Schluss auch noch überlegt werde, in Dellwig ein neues Gemeindehaus zu bauen, schüre Wut und Unverständnis. Die Kirche dürfe nicht auseinander fallen, schließlich brauche man ein-ander, sagte Schwester Hannelore.

Gänzlich ohne Gottesdienst werde Ardey künftig nicht sein, hofft zumindest auch Pfarrer Dieter Schiewer. Die Entwidmung bedeute, dass es keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in diesem Raum geben werde. Dass es gar keine mehr geben wird, sei nicht das Ziel. Superintendentin Muhr-Nelson lud die Gemeinde ein, in Dellwig und Billmerich eine neue kirchliche Heimat zu finden. Doch den Gesichtern der Besucher sah man gestern an, dass sie dieser Einladung ausschließlich kritisch gegenüberstehen. Manche schüttelten den Kopf, ein Mann verließ den Gottesdienst mittendrin. „Ich kann das hier nicht mehr ertragen“, sagte er beim Herauslaufen.

Die Abhängigkeit vom Geld sei es, die zur der Entscheidung getrieben habe, erläuterte die Superintendentin während ihrer Predigt. Dieses reiche vorne und hinten nicht – und in dieser Situation habe das Presbyterium die einzig richtige Entscheidung getroffen. Auch die Bibel sage, dass man in bestimmten Situationen bestimmte Entscheidungen treffen müsse – dass die Entscheidung gegen das Gemeindehaus Ardey eine richtige sei, das glaube sie fest. Bei allem Verständnis für die Trauer der Ardeyer: Der Glaube lebe weiter – und den könne, dürfe und wolle man den Menschen nicht nehmen.

Wie das Kapitel des Gemeindehauses weitergeschrieben werde, will die Gemeindeführung am 2. Februar mitteilen. Dann soll eine Versammlung in Ardey stattfinden – bis zu diesem Zeitpunkt hoffe man auf ein verbindliches Ergebnis der UKBS, wie und was in Sachen Folgenutzung beschlossen ist. Den Ardeyern, die gestern Abschied von ihrer Kirche nahmen, half das nicht wirklich weiter. Kreuz, Bibel und Opferschale standen draußen vor dem Haus. Es regnete leicht – ja, für viele war es eine Beerdigung.

 
 

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