Fröndenberg muss 250 000 Euro mehr an Kreis zahlen

Ramona Jakobs-Teichert (Mitte) vom „Treffpunkt Windmühle“ organisierte mit Kindern ein Projekt zur Neugestaltung des Wohngebietes Löhnbach. Die „Windmühle“ wird vom Kreis getragen.
Ramona Jakobs-Teichert (Mitte) vom „Treffpunkt Windmühle“ organisierte mit Kindern ein Projekt zur Neugestaltung des Wohngebietes Löhnbach. Die „Windmühle“ wird vom Kreis getragen.
Foto: privat
Die Sozialkosten explodieren. Fröndenberg zahlt 2017 vermutlich 6,1 Millionen an den Kreis. Ein teures Projekt ist die Kinderbetreuung.

Fröndenberg/Unna.  Die Stadt Fröndenberg muss sich darauf einstellen, im kommenden Jahr 250 000 Euro mehr als bisher an den Kreis Unna zu überweisen. Damit wären im Rahmen der differenzierten Kreisumlage rund 6,1 Millionen Euro fällig. Der Kreis erbringt im Gegenzug für die Stadt Fröndenberg – wie für Bönen und Holzwickede, die beiden anderen kleinen Städte im Kreis -- Leistungen für Kinder und Familien. Am Mittwoch beriet der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises über den Haushaltsentwurf.

Differenzierte Kreisumlage

Die differenzierte Kreisumlage kennt seit fünf Jahren nur eine Richtung: Die Summen gehen nach oben. Immerhin sinken die Zuwachsraten seit geraumer Zeit. 2016 betrug das Plus für Fröndenberg noch 4,8 Prozent. Im kommenden Jahr sollen es lediglich 4,34 Prozent mehr sein. Dennoch drückt die Kreisumlage die Stadt Fröndenberg. Sie unterliegt einem Haushaltssicherungskonzept. Im kommenden Jahr will sie erstmals seit Jahren mit einer schwarzen Null abschließen. Kreis-Jugendamtschefin Sandra Waßen zeigte im Gespräch mit der WP Verständnis für die Finanzlast der drei Städte, die eine differenzierte Kreisumlage stemmen müssen. Zugleich verwies sie auf eine Vielzahl an Leistungen für die drei kleinen Städte im Kreis.

Kindertagesstätten

Der Kreis will knapp 23,8 Millionen Euro für Familie und Jugend ausschütten. Ein Schwerpunkt liegt auf Kindertagesbetreuung. „Das ist der dickste Brocken“, sagte Waßen. Kinder, die mindestens ein Jahr alt sind, haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung. „In Fröndenberg werden aktuell 125 Kinder unter drei Jahren betreut“, fügte Waßen hinzu, „und 493 Kinder, die älter sind als drei.“ Der Bedarf sei groß: „Wir sind am absoluten Limit.“ In nackten Zahlen drückt sich das so aus: Der Kreis plant mit Betriebskosten-Zuschüssen von knapp 13,7 Millionen Euro.

Zuschüsse für freie Träger

Die freien Träger – egal ob Kirchen, Verbände oder Elterninitiativen – kommen mit dem Geld dennoch nicht hin. Dabei übernimmt der Kreis schon jetzt freiwillig einen Teil der Träger-Kosten. So müssen die Kirchen für die Betreuungseinrichtungen nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, zwölf, sondern nur neun Prozent zahlen. „Die Kirchen haben jetzt den Antrag gestellt, dass der Kreis vorübergehend weitere drei Prozent übernimmt“, sagte Waßen. Damit ist die Zeit bis 2020 gemeint. Dann soll landesweit ein neues Finanzierungsmodell gelten.

Tagespflege

Auch die Kosten für die Tagespflege explodieren. Der Aufwand steigt binnen eines Jahres um 150 Millionen auf 750 Millionen. Landeszuschüsse und Elternbeiträge decken die Kosten bei weitem nicht. Dem Kreis bleibt ein Betrag von knapp 560 Millionen Euro.

Hilfe zur Erziehung

Ein weiterer Batzen im Jugend-Etat sind Gelder für die sogenannten Hilfen zur Erziehung. Es geht um 8,38 Millionen Euro. Dieser Betrag wird verwendet für Kinder und Jugendhilfe mit seelischen Problemen – von stationärer Unterbringung bis zu Eingliederungshilfen.

Offene Jugendarbeit

Die offene Jugendarbeit von Kreis und Kirchen macht demgegenüber nur einen winzigen Teil der Ausgaben aus. Der Kreis bezuschusst Einrichtungen wie den „Treffpunkt Windmühle“ oder die Jugendarbeit der Evangelischen Gemeinde Frömern mit gerade mal 267 000 Euro.

 
 

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