Die Exotin unter den Streichinstrumenten

verbringt viele Abende in seiner kleinen Werkstatt.
verbringt viele Abende in seiner kleinen Werkstatt.
Foto: WP

Frömern.  Rund 3000 Handwerksbetriebe stellen in Deutschland Musikinstrumente her. Gunnar Dahlhaus hat zwar keinen Betrieb, wohl aber ist er Instrumentenmacher. Und was für einer: Der 29-Jährige aus Frömern ist einer der ganz wenigen Nyckelharpabauer im Land.

Nyckelharpa – was ist das denn? Bei der Exotin unter den Streichinstrumenten handelt es sich um eine Mischung aus Drehleier und Bratsche. „Und gehalten wird sie wie eine Gitarre“, beschreibt Gunnar Dahlhaus das Musizieren auf dem Instrument, das auch als „Schlüsselfidel“ bekannt ist. Wenn der Frömerner diese Details erklärt, begibt er sich gern auf einen kleinen Exkurs in die Welt der Rechtschreibung. „Sie wird Fidel und nicht Fiedel geschrieben“, sagt Dahlhaus. Denn Fiedel sei eine abwertende Bezeichnung für die Geige, Fidel dagegen die frühmittelalterliche Urform aller Streichinstrumente.

Orchester und Big-Band

Auf solche Details legt Dahlhaus Wert, wenn es um seine Liebe zur Musik geht. Und die begann bereits im sechsten Lebensjahr, als er Trompete lernte. Neun Jahre lang spielte er im Jugendorchester und in einer Jazz-Big-Band. Dann entdeckte er sein Faible für mittelalterliche Musik und damit die Nyckelharpa.

In den Orchestergräben sucht man die Nyckelharpa vergebens. Dort, wo Nyckelharpa gespielt wird, geht es meistens etwas rustikaler zu. Auf Mittelaltermärkten ist sie genauso präsent wie im Irish-Folk-Bereich. Und in der schwedischen traditionellen Musik erklingt die Nyckelharpa auch heute noch häufig. Für diese Musik schlägt inzwischen auch Gunnar Dahlhaus’ Herz. „Im Mittelalterbereich ist das Repertoire doch arg begrenzt.“ Überliefert seien nicht gerade viele Lieder. „Und das Meiste wird in a-moll gespielt.“ Deshalb bevorzugt Dahlhaus, der fünf Jahre in der Mittelalterband „Frendskopp“ spielte und sich die Technik autodidaktisch beibrachte, das schwedische Liedgut. Dass Mittelalter-Gruppen nach wie vor boomen, findet aber auch Gunnar Dahlhaus klasse. Schließlich kurbelt das den Absatz der kostbaren Instrumente an.

In seiner winzigen Werkstatt arbeitet Dahlhaus zurzeit an seinem neunten Stück. Hauptberuflich ist er Zahntechniker, und da seine Freundin in der Freizeit auch noch etwas von dem jungen Mann haben möchte, fertigt er in kleiner Zahl. Fast jedes kleine Teil ist Handarbeit. 37 Tasten, 37 Tangenten – das sind die Fähnchen auf den Tasten, die die Saiten abgreifen – Boden, Decke, Hals, Steg, Sattel und so fort werden mit Liebe zum Detail hergestellt und zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Fichtenholz ist der Haupt-Baustoff. Es ist ein leichtes Holz, das das Instrument zum perfekten Reise-Begleiter macht. Wetter-Kapriolen schaden der Nyckelharpa übrigens nicht: Gunnar Dahlhaus verwendet als Überzug einen sehr robusten und witterungsbeständigen Nitrocelluloselack.

Arbeit zahlt sich aus

„Wenn ich jeden Tag daran arbeiten würde, bräuchte ich etwa ein bis zwei Monate, um eine Nyckelharpa zu bauen“, gibt Dahlhaus einen Anhaltspunkt für den zeitlichen Aufwand seines Hobbys. Der zahlt sich immerhin aus: 1800 Euro werden durchaus für eine handgemachte Nyckelharpa bezahlt. Jedes Instrument ein Unikat. Für die 3000 Handwerksbetriebe, die in Deutschland Musikinstrumente herstellen, würde sich diese Prozedur nicht lohnen.

Für Gunnar Dahlhaus lohnt es sich. Schon allein wegen der Liebe zur Musik.

 
 

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