Auf Südstaatenveranda wie Clapton den Blues bekommen

Blue Thumb brachte Samstagabend den Blues in die Kulturschmiede.
Blue Thumb brachte Samstagabend den Blues in die Kulturschmiede.
Foto: WP

Fröndenberg,.  Eine Südstaatenveranda, darauf ein Schaukelstuhl und darin ein tiefenentspannter Eric Clapton, der den Blues hat und singt und spielt: „Old rockin’ chair’s got me / Cane by my side / Fetch me my gin, son / ‘Fore I tan your hide…“ Den ältesten Song des Abends, „Rocking Chair“, machte Clapton bekannt, doch geschrieben wurde er schon viel früher, im Jahr 1929.

In der Version von Blue Thumb mit der ausdrucksstarken Sängerin Marita Beiderbeck konnte die Jazz- und Bluesgemeinde in der Kulturschmiede am Samstagabend schwelgerisch mitwippen im virtuellen „Schaukelstuhl“, und da sage noch mal einer, Jazz „ginge nicht“ in Fröndenberg. Es kommt eben immer darauf an, wer dabei auf der Bühne steht, und „Blue Thumb“ mit ihrer regionalen Musikerbesetzung aus Unna zählt zu den beliebtesten Hausbands der Schmiede. „Sie fühlen sich bei uns wie im Wohnzimmer“, erklärte Kultur für Uns-Vorstand Frank Schröer nicht ohne Stolz und kündigte als ersten Song gleich folgerichtig „Comin’ home“ an. Vor zwei Jahren nahm die Band ihre zweite Live-CD in Fröndenberg auf: „Und da das so toll geklappt hat, wollen sie das auch heute wieder tun“, kündigte Schröer an - auf dass das Publikum im besten Sinn den Blues bekommt.

Geboten wurde Bluesiges und Jazziges aus den späten 20er Jahren bis zum Hier und Heute. Gitarrist Jürgen Lichte und kündigte als weiteres Jazzstück „ein Klagelied aus den 50ern“ an, „das hat es damals sogar in die Charts geschafft – man glaubt es nicht, die Leute hatten Geschmack“. Heute nicht mehr, schwang stumm mit, was Jazzfreunde im Publikum eifrig mit Kopfnicken quittierten.

Gesungen hat den eindringlichen, unter die Haut gehenden Klagesong unter anderen Karrin Allyson, „Grammy Nominated Jazz Artist“ aus den Staaten. In Blue-Thumbs -Version kommt das Lied kraftvoll rüber, toll – nicht perfekt, denn das macht eben immer den Charme einer Liveband mit Profibesetzung aus, dass z. B. zwischendurch immer mal wieder die empfindlichen Instrumente nachgestimmt werden müssen. Wirklich klasse klingt alles, was die bestens aufgelegten Musiker bei ihrem zweistündigen „Comin’ home“ in Fröndenberg auf die Bühne legen, vom swingenden Lousiana-Blues des Blind Willie Mc Tell bis zu jenem treibenden Blues von Allen Touissant, der (augenzwinkernde Jürgen-Lichte-Übersetzung) launig so viel bedeutet wie: „Wer hilft unserem Bruder wieder aufs Fahrrad.“ Entsprechend macht er Laune – und zwar schwer!

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