Zuwanderer heuert mit Hilfe aus Essen als Skipper an

Mit Hilfe der Neuen Arbeit der Diakonie Essen starten Rumen Lipovanski und seine Frau Stefka Popova aus Bulgarien jetzt ein neues Leben auf Rügen.
Mit Hilfe der Neuen Arbeit der Diakonie Essen starten Rumen Lipovanski und seine Frau Stefka Popova aus Bulgarien jetzt ein neues Leben auf Rügen.
Foto: Funke Foto Services
Ohne Sprachkenntnisse kam Rumen Lipovanski aus Bulgarien nach Essen. Mit Hilfe der Diakonie fand er nun einen Traumjob als Skipper – auf Rügen.

Essen.. Er hat eine reiche Schweizer Familie bewacht, als Rettungsschwimmer auf Zypern gearbeitet und im heimischen Bulgarien mit seiner Frau ein Kunstgeschäft betrieben: Als Rumen Lipovanski vor anderthalb Jahren nach Essen kam, hatte er eine bewegte Lebensgeschichte im Gepäck, sprach aber kein Deutsch. Dass er jetzt trotzdem eine Stelle gefunden hat, ist seinem großen Willen zu verdanken – und einer passgenauen Unterstützung.

Die fand er bei der Neuen Arbeit der Diakonie, die in Essen das Projekt „Migranten in Arbeit“ (MiA) mitträgt. Das richtet sich an bulgarische Zuwanderer, die wie Lipovanski und seine Familie wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ihrer Heimat nach Deutschland kommen. Zwei Aufenthalte auf Zypern hatten sie da schon hinter sich, wo Lipovanski auch als Bootsführer und Schwimmlehrer arbeitete.

„Das Meer ist für mich Leben“

Rumen Lipovanski stammt aus Varna an der bulgarischen Schwarzmeerküste, und er sagt: „Das Meer ist für mich Leben!“ Doch als Lebensgrundlage für die Familie taugte die Saisonarbeit langfristig nicht. Darum ging er allein ins schweizerische Gstaad, nun als Sicherheitsmann, der seinen Arbeitgeber auch auf Reisen begleitete. „Es war eine schwere Zeit, weil ich allein mit den Kindern in Bulgarien blieb“, sagt Lipovanskis Ehefrau Stefka Popova.

Ende 2013 verschlug es Lipovanski dann nach Essen, wo er eine Perspektive für die ganze Familie suchen wollte: „Meine Frau ist Künstlerin, und Essen war ja mal Kulturhauptstadt.“ Bei seiner Ankunft beschränkte sich sein Wortschatz auf Guten Tag, Danke, Auf Wiedersehen, sein Wille aber war unbegrenzt. Er fand eine Wohnung, klapperte Beratungsstellen ab, meldete sich bei der Agentur für Arbeit und verkündete: „Ich will keine Hilfe, ich möchte Arbeit!“ Weil das nun nicht so einfach lief, zahlte er den Sprachkurs für sich und seine Frau selbst. Die Ersparnisse aus der Schweiz schwanden, die Hoffnungen der Familie auch.

"Sonst wäre alles kaputtgegangen“

„In diesem schwierigen Moment fand ich die Neue Arbeit – sonst wäre alles kaputtgegangen“, sagt Rumen Lipovanski. „Sie haben auch super mitgemacht!“, sagt Christian Riemann von der Neuen Arbeit. „Er arbeitete ein Dreivierteljahr als Briefzusteller in Teilzeit. Davon kann man keine Familie ernähren, aber es war ein Einstieg.“ Ein betreuter Einstieg: Riemann und seine Kollegen halfen bei Behördengängen, klärten Fragen von Kita bis Krankenversicherung, halfen beim Spracherwerb. Der kleinen Tochter (3) und dem Sohn (6) fiel der naturgemäß leicht, doch auch die Eltern sprechen längst flüssig Deutsch.

Auch fand Rumen Lipovanski mit Hilfe der Neuen Arbeit einen Job, bei dem all seine bunten Qualifikationen gefragt sind: Seit einer Woche arbeitet er in einem Fünf-Sterne-Hotel in Binz auf Rügen, dessen Gäste Ausflüge mit der hauseigenen Yacht unternehmen können. Seine Erfahrungen in Tourismus- und Sicherheitsbranche, der Bootsführerschein, dazu die Englisch- und Russischkenntnisse – all das hat dem Inhaber gefallen, er heuerte Lipovanski als Skipper und Haustechniker an. Seine Frau kann sich vorstellen, Schmuck für Touristen herzustellen oder selbst im Hotel zu arbeiten.

„Er hatte dort einen guten Start und hat eine Wohnung gefunden, seine Familie kommt im Juli nach“, erzählt Christian Riemann. Klingt nach einem Happy End für Rumen Lipovanski, der ja nie unterwegs war, weil er das Abenteuer suchte – sondern ein Auskommen.

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