Zum Welttag des Stotterns - „Lieber stottern als schweigen!“

Foto: WAZ FotoPool
Prominente rufen zum Welttag des Stotterns dazu auf: „Lieber stottern als schweigen!“ Claudia Bündgen ist seit ihrer Kindheit betroffen und erklärt, wieso das allerdings leichter gesagt als getan ist.

Essen.. Auch wenn es für manche überraschend klingt, aus ihrem Stottern machen sie kein Geheimnis: Schauspieler Bruce Willis, Moderator Dieter Thomas Heck und der Sänger der deutschen Band „Unheilig“. Der „Graf“ ruft anlässlich des Welttags des Stotterns zu dem Leitsatz auf: „Lieber stottern als schweigen!“ Dass das aber leichter gesagt als getan ist, ob die Gesellschaft dazu überhaupt beiträgt und warum sie das Stottern gar nicht mehr loswerden will, erzählt die Betroffene Claudia Bündgen.

„Stottern ist das, was man tut, wenn man versucht, nicht zu stottern“, versucht sie zu erklären. Oder: „Denken Sie jetzt einmal nicht an einen rosa Elefanten.“ Die Symptome sind bekannt, die Ursachen nicht exakt erforscht. Von Vererbung bis hin zur psychischen Störung nach traumatischen Erlebnissen gingen die Theorien, so Bündgen. Ihre Mutter stottert ebenfalls. „Ich vermute eine vererbbare Störung im Sprachzentrum des Gehirns,“ sagt die 45-Jährige. Es habe mit Beginn der Schulzeit angefangen, „aber das merkt man meist nicht selbst, sondern anhand der Reaktionen“, erinnert sich die geborene Münsterländerin.

„Wenn man dran glaubt, kann das klappen, kurzfristig“

„Stottern tut nicht weh, es stört einfach nur“, so Claudia Bündgen, „und die Ausprägung ist stark abhängig vom Gegenüber.“ Angestarrt zu werden, oder die Worte aus dem Mund genommen zu bekommen, sei schlicht kontraproduktiv. Vorurteile seien auch heute noch an der Tagesordnung: „Fange ich an einer Kasse an zu stottern, wechselt meist direkt der Tonfall – man wird behandelt wie ein Kind.“ Als solches hatte sie bereits begonnen, dagegen anzugehen: Die besorgten Eltern schickten sie zum Sprechunterricht an die Schauspielschule, der Lehrer legte ihr Bücher auf den Bauch, später ging sie zur Logopädin und zur Stottertherapie. Viel geholfen habe alles nicht. Bei der Berufsberatung riet man ihr: „Werden Sie doch Bibliothekarin, da müssen Sie nicht sprechen.“ Das war für Bündgen keine Option: „Ich wollte nie Tagesschausprecherin werden, aber mich auch sicher nicht verstecken müssen.“ Sie macht ihr Abitur, studiert und arbeitet heute als Sozialarbeiterin bei der Stadt Duisburg. Die Stotterselbsthilfe, die sie seit 25 Jahren regelmäßig besucht, habe ihr persönlich am meisten geholfen: gegenseitiges Verständnis und der Austausch über Therapiemethoden. Bündgen rät allen Betroffenen und Eltern betroffener Kinder: „Scham ist kontraproduktiv, man soll sich nicht verstecken!“

Was sie von Hypnose hält? „Wenn man dran glaubt, kann das klappen, kurzfristig,“ lacht die 45-Jährige. Sie rät von selbsternannten Heilern a la „Stottern weg in zehn Tagen – 3000 Euro“ dringend ab. Die Frage sei auch, ob sie überhaupt noch weiter dagegen angehen wolle: „Stottern gehört zu mir, man kann Menschen auch mal so nehmen, wie sie sind.“

 
 

EURE FAVORITEN