Zollverein-Kokerei wird zum Rockpalast

Martin Spletter
Tatsächlich findet hier bald ein Rockkonzert statt: Die Band „Placebo“ spielt auf Zollverein in einem ehemaligen Kohlebunker. Wo auf der „Trichterebene“ (Bild) die Bühne stehen soll, ohne dass sich die Musiker die Köpfe stoßen, ist noch unklar.
Tatsächlich findet hier bald ein Rockkonzert statt: Die Band „Placebo“ spielt auf Zollverein in einem ehemaligen Kohlebunker. Wo auf der „Trichterebene“ (Bild) die Bühne stehen soll, ohne dass sich die Musiker die Köpfe stoßen, ist noch unklar.
Foto: WAZ FotoPool
Einer der ungewöhnlichsten Orte der Stadt wird zum ersten Mal Schauplatz für ein Rockkonzert. Im November spielt die Band „Placebo“ in der Mischanlage der Kokerei Zollverein. Wegen einer Sanierung ist es jetzt möglich, dass 500 statt wie bislang 199 Gäste Einlass finden können.

Essen. Teile der Zollverein-Kokerei sind zuletzt saniert worden, dabei sehen sie jetzt so aus wie vorher. „Das ist typisch“, sagt Gabriele Heidner, die Leiterin der Abteilung „Standort-Entwicklung“ auf Zollverein, „hier werden oft Arbeiten durchgeführt, die man später nicht sieht.“

Im Fall der Kokerei hat das aber entscheidende Konsequenzen, die jetzt erstmals publik wurden: Zollverein überraschte in dieser Woche mit der Nachricht, dass die britische Rockband „Placebo“ ein Konzert in der Mischanlage der Kokerei abhalten wird. Karten kann man nicht kaufen, sie sind nur zu gewinnen über ein Portal des Netzanbieters Telekom. 500 Gäste werden eingelassen, Termin: 26. November 2013.

„Die Arbeiten fanden vor allem im Bereich Brandschutz und Strom statt. Deshalb dürfen wir jetzt erstmals 500 Leute einlassen und nicht mehr 199 wie bislang“, sagt Sonja Kuthning vom Zollverein-Veranstaltungs-Management. „Das schreibt das Versammlungsgesetz vor. Wir sind froh, dass Zollverein jetzt Veranstaltungen anbieten kann in diesem mittleren Format.“ Denn große Hallen gibt es auf Zollverein genug – Halle fünf zum Beispiel fasst 1200 Gäste.

Regelmäßige Kunstmessen

Die Kokerei jedenfalls sieht aus wie vorher, bloß, dass hier und da Anschlüsse an den Wänden sind, die vorher nicht da waren, oder Rohre irgendwo entlanglaufen, die es vorher nicht gab; Stichwort: Entrauchung im Notfall.

Bei der Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne“ im Jahr 1999 hatte die Kokerei ihren ersten großen Auftritt, und jetzt, bald 15 Jahre später, ist nach dem „Placebo“-Konzert der nächste große Wurf geplant: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und das Ruhr Museum machen die Ausstellung „1914“, die im Frühjahr hier startet. In den Jahren dazwischen war die Mischanlage eher Kunst-Insidern vorbehalten: Ausstellungen, regelmäßige Kunst-Messen und Installationen gab es.

„Ganz wichtig für uns sind auch kommerzielle Nutzungen“, berichtet Sonja Kuthning; „Mode-Shootings und Produkt-Präsentationen — alles hat es schon gegeben. Vom Charme des Betons ist so gut wie jeder ergriffen – schließlich ist das hier ein Bunker, in dem in zwölf Schächten verschiedene Sorten Kohle gelagert wurden, die unten durch große Trichter fallen. Die hochformatigen Durchgangslöcher, die Zwischenböden aus Holz – das alles wurde erst nach Stilllegung angelegt, um das gesamte Monstrum überhaupt nutzbar zu machen und so einen Ort zu schaffen, der zu den monumentalsten der Stadt zählt.