ZDF drehte Vermisstenfall Pierre P. für Aktenzeichen XY nach

Gerd Niewerth
Der vermisste Pierre Pahlke war Schalke-Fan. Philipp Kornalewski, Student aus Erkrath, spielt für „Aktenzeichen XY“ (ZDF) den vermissten geistig behinderten. Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
Der vermisste Pierre Pahlke war Schalke-Fan. Philipp Kornalewski, Student aus Erkrath, spielt für „Aktenzeichen XY“ (ZDF) den vermissten geistig behinderten. Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
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Seit dem 17. September 2013 fehlt von dem geistig behinderten Pierre Pahlke jede Spur. Die „Aktenzeichen XY“-Sondersendung „Wo ist mein Kind?“ greift den erschütternden Kriminalfall am 21. Mai auf. Ein Team drehte für die Sendung eine Woche lang in Essen – und hofft auf neue Hinweise.

Essen. Schon seit bald sieben Monaten suchen sie fieberhaft nach Pierre Pahlke. Nach dem sympathischen Blondschopf, der spurlos verschwunden ist und schlimmstenfalls Opfer eines schrecklichen Kapitalverbrechens geworden ist. Hubschrauber haben sie an den Himmel und Hundertschaften in Büsche geschickt, Spürhunde schnüffelten sogar im Amsterdamer Rotlichtviertel, doch die ersehnte heiße Spur fanden sie nicht. Die letzte Hoffnung der Eltern und der Fahnder ist jetzt die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“, die am 21. Mai das Spezial „Wo ist mein Kind?“ ausstrahlt und den erschütternden Kriminalfall Pierre aufgreift.

Donnerstagabend, der „Klosterberghof“ des Franz-Sales-Hauses: Es ist der vierte und vorletzte Drehtag des Aktenzeichen-Teams in Essen. „Wir hoffen, neue Hinweise und Ermittlungsansätze im Fall Pierre Pahlke zu erhalten“, sagt Bianka Schneider, die Autorin des aufwändigen 10-Minuten-Films.

„Wo ist eigentlich Pierre?“, fragt Markus beim Abendessen

Eigentlich müssten sie in der „Heimstatt Engelbert“ drehen, in jenem Haus, in dem der geistig behinderte 21-Jährige bis zum 17. September 2013 lebte. Doch um erneute Unruhe unter den Bewohnern zu vermeiden, haben sie den Dreh in eine Wohngruppe in Horst verlegt. „Wo ist eigentlich Pierre?“, fragt Markus, der in Wirklichkeit Christian Holthaus heißt, kaufmännischer Angestellter ist und Pierres Betreuer spielt. Er fragt in die Runde, die gerade das Abendessen einnimmt. Denn an dem großen Tisch fehlt an diesem Abend einer.

Um Pierres Verschwinden so detailgenau wie möglich zu inszenieren, hat die TV-Journalistin wochenlang akribisch und einfühlsam recherchiert. Hat in die Techno-CDs hineingehört, die Pierre so sehr liebt. Hat an seinen Lieblingsparfüms gerochen und private Videofilme angeschaut. „Karneval 2011 hat er sich als Affe verkleidet“, berichtet Bianka Schneider. Ausschnitte daraus werden im ZDF zu sehen sein.

Kraftakt: Pierres Eltern im Interview bei Aktenzeichen XY 

Weil Pierres Eltern und seine Großmutter nur zu genau wissen, dass jetzt jede kleinste Detailschilderung wichtig sein kann, haben sie dem Aktenzeichen-Team ausnahmsweise die Türen daheim geöffnet. Auch in der Sendung werden sie – ein unglaublicher Kraftakt – live vor Millionen-Publikum Rede und Antwort stehen. „Die Eltern und die Großeltern leiden wahnsinnig“, berichtet die Autorin.

Unfassbares Leid der Familie: Pierres Mutter starb bei der Geburt

Pierre ist geistig behindert, Diagnose: Unterversorgung des Gehirns bei der Geburt. Eine komplizierte Geburt, bei der seine Mutter stirbt. Dieser Schicksalsschlag erklärt mit das unfassbare Leid des Vaters und der Großeltern. Dem einen wird die geliebte Frau genommen und den anderen die Tochter entrissen. Das einzige, was ihnen von ihr bleibt, ist Pierre, ihr Sonnenschein, den sie – der Vater, seine zweite Frau und die Großeltern – so liebevoll verwöhnen und großziehen werden. Und nun, 21 Jahre später, haben sie ihnen auch noch Pierre, diesen verwundbaren Jungen, genommen.

„Wo ist eigentlich Pierre?“, fragt Markus in die Runde. Noch einmal drehen sie diese Szene, und schon ist sie im Kasten. „Die Darsteller sind phantastisch“, lobt Regisseur Rudolf Schweiger insbesondere das Ensemble der Franz-Sales-TheaterGruppe „Makiba“, in der auch Behinderte mitspielen.

Pierre, genauer gesagt sein Darsteller Philipp Kornalewski (22), ein Student aus Erkrath, sitzt nebenan in einem Zimmer der Wohngruppe. Das Wendler-Poster haben sie abgehängt und das Bett mit Schalke-Bettwäsche bezogen. Er formuliert so minimalistisch wie der echte Pierre Pahlke, ist genauso frisiert und gekleidet. „Philipp spielt sehr einfühlsam“, sagt Bianka Schneider. Die echten Betreuer geben dem „Aktenzeichen“-Team noch eine eindringliche Bitte mit auf den Weg: „Bringt uns unseren Pierre zurück!“