Wut auf sture Taxifahrer am Hauptbahnhof in Essen

Der Essener Hauptbahnhof Dienstagmittag: Dutzende Reisende stehen hinter Flatterband in der brütenden Hitze Schlange, um ein Taxi zu ergattern.
Der Essener Hauptbahnhof Dienstagmittag: Dutzende Reisende stehen hinter Flatterband in der brütenden Hitze Schlange, um ein Taxi zu ergattern.
Foto: WAZ Fotopool
Weil am Hauptbahnhof in Essen die Züge ausfielen, verteilte die Deutsche Bahn Taxischeine an Reisende. Sie standen in der brütenden Hitze stundenlang Schlange. Doch viele Chauffeure ließen sie absichtlich stehen, weil das Stoßgeschäft im Stadtgebiet offenbar mehr Geld abwirft.

Essen.. Die Servicemanagerin der Deutschen Bahn (DB) ist eigentlich eine höfliche Frau, doch jetzt platzt ihr der Kragen. „Die Taxifahrer hier machen totale Zicken“, schimpft sie. Hinterm rot-weißen Flatterband an der Nordseite des Hauptbahnhofs stehen gut vierzig Zugreisende in der brütenden Mittagshitze Schlange und wedeln schon seit Stunden vergeblich mit den Taxischeinen, die ihnen die DB in allergrößter Korrektheit ausgestellt hat. Doch nur hin und wieder rollt ein cremefarbener Mercedes vor.

„Die Taxifahrer sehen genau, was hier los ist. Deshalb lassen sie die Leute da hinten an der Ecke raus und fahren schnell weiter“, sagt die DB-Frau. Ihre Erklärung: „Die Taxifahrer wollen nicht nach Duisburg oder Düsseldorf fahren, weil sie dann fürchten im Stau zu landen. Wer in Essen bleibt, verdient heute ja viel besser.“ Eine beliebte Ausrede der Droschkenkutscher, wenn ein Fahrgast den DB-Taxischein zückt: „Entschuldigung, ich habe gerade Feierabend gemacht.“

Privat-Chauffeur kassiert 10 Euro pro Person

Andrea Lohoff, am Dienstag um 6.20 Uhr in Hannover aufgebrochen, um ihren Arbeitsplatz in Duisburg zu erreichen, ist um kurz vor 8 Uhr in Hamm jäh ausgebremst worden und erst gegen 11 Uhr in Essen gestrandet. „In Dortmund hat uns ein Privat-Chauffeur aufgelesen, der von jedem Mitfahrer 10 Euro kassiert hat.“ Eine schnelles Geschäft mit der Not. Und in Essen? „Entweder verlangten die Taxifahrer Bargeld oder gab an, nur im Stadtgebiet zu fahren, den DB-Taxischein haben sie abgelehnt“, sagt sie. Aus ihrer Wut macht sie kein Hehl. „Ich bin stinksauer auf solche Taxifahrer.“

Der Bahn-Verkehrsknotenpunkt Essen ist vom Orkan mit am stärksten betroffen. Der Nahverkehr (S-Bahn, Regionalexpress, Regionalbahn) steht still. Fernzüge? Fehlanzeige. Auch in den nächsten Tagen sei mit „erheblichen Beeinträchtigungen“ zu rechnen, so eine Bahnsprecherin.

Bahn-Serviceteam verteilt Wasser

Um die genervten Fahrgäste bei fast 30 Grad im Schatten einigermaßen bei Laune zu halten, verteilt das rührige Serviceteam pausenlos Mineralwasser. Auch ein Team der Bahnhofsmission hat in der Halle einen Stand aufgeschlagen. Im Angebot: Kaffee und Selters. „Wir wollen insbesondere schwangere Frauen sowie ältere Menschen mit Kreislaufproblemen versorgen“, sagt Mitarbeiter Steffen Fröhlich. So mancher Jugendlicher, dem beim Pfingstfestival in Werden das Kleingeld ausgegangen ist und der im Hauptbahnhof übernachten musste, nimmt die Wasserspende ebenfalls gerne in Anspruch.

Um kurz vor 14 Uhr rollt Taxifahrer Wilhelm Skopp vors Flatterband. Eine Servicemanagerin ruft das Fahrziel aus. „Köln!“. Sofort treten drei Fahrgäste erleichtert vor. „Ich habe Bahnkunden heute schon nach Düsseldorf, Herne und innerhalb Essens gefahren“, erzählt Wilhelm Skopp, „das lohnt sich doch.“

 
 

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