Wortwitz und wilde Töne beim WAZ-Ruhrpottabend

Der Bochumer „Junge“ Hennes Bender sinnierte über Redewendungen.
Der Bochumer „Junge“ Hennes Bender sinnierte über Redewendungen.
Foto: WAZ
Comedians und Musiker machten den WAZ-Ruhrpottabend zu einem Erlebnis der Extraklasse für 1200 Zuschauer im Grugapark. Spenden für den guten Zweck

Essen.. Es war frisch am Sonntagabend unter dem Dach des ausverkauften Musikpavillons im Grugapark. Doch den 1200 Zuschauern wurde schnell warm ums Herz. In Outdoorjacken und Decken gehüllt harrten sie bei zunehmend in die Knochen kriechender Kälte aus und hatten Spaß ohne Ende. Dreieinhalb Stunden heizten ihnen zwölf Künstler mit Wortwitz und gewitzter Musik ordentlich ein. Ohne Kohle. Ein Teil des Kartenerlöses geht an die Christiane-Weber-Stiftung zur Förderung guter Kindermusik. Die Essener Sängerin und Musikkabarettistin hatte bis zu ihrem Tod vor drei Jahren mit ihren Liedern Maßstäbe gesetzt.

Sicher wurde aufgeklärt über Sinn und Zweck der Benefizveranstaltung und ganz nonchalant zu Spenden aufgerufen. Dennoch wurde es kein wehmütiger Erinnerungsabend. Dafür sorgte allein schon Carmela de Feo, die eine Naturgewalt auf der Bühne ist. Mit kesser Lippe hatte sie den WAZ-Ruhrpottabend im Griff. Dem ersten Lacher folgte gleich eine Lawine und das Publikum tobte. Ein guter Einstieg für das Trio Wildes Holz, das mit „Highway To Hell“ auf Blockflöte, Gitarre und Kontrabass begeisterte. Klatschen steigert auf jeden Fall die Blutzirkulation.

Im Schlagabtausch folgten Matthias Reuter, der laut übers NRW-Abi nachdachte und mit La Signora über die Kulturhauptstadt fünf Jahre danach, das Energiebündel Sascha Korf mit Kreuzfahrtgedanken und der lang ersehnte Torsten Sträter. Er brauchte wie immer etwas länger, um auf den Punkt zu kommen, was die trockene Pointe nicht schmälerte. Deutliche Worte fand er zum Kauf eines Fernsehers mit 84-Zoll-Bildschirm und zur Fremdenfeindlichkeit. „Ein grauer Porsche fährt so gut wie ein weißer - unabhängig von der Farbe“, sagte er, um gleich darauf von seiner Bahnstreik-Odyssee zu berichten, die trampend am Straßenrand nach Stunden mit abgezogener Mütze in Mitleid endet: „Komm Opa, steig ein. Es regnet gleich.“

Die Mischung machte diesen Abend so großartig. Eigenwillige Liebeslied-Interpretationen von FrauContraBass trafen auf Hennes Benders humorige Kostproben aus dem Programm „Klein/ Laut“. Der Nachhall guter alter Zeiten mündete bei ihm in kollektives Vergnügen. Zudem boten sezierte Redewendungen Anlass zur Freude, die von dem Duo pro:c-dur in einem donnernden Schlafliedmedley aufgefangen wurden. Die Klassik-Rocker Timm Beckmann und Tobias Janssen brachen noch die Arie der Carmen mit „La Paloma“-Tönen auf und schlossen mit Christiane Webers „Aschenbrödel“, das auch am Ende ihrer Konzerte gespielt wurde. Das alles hätte ihr mit Sicherheit gefallen.

 

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