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Nach #wirsindmehr-Demo in Essen: Essener SPD-Poliker erklärt, warum er die Demonstration nicht besucht hat

Nach #wirsindmehr-Demo in Essen: Essener SPD-Poliker erklärt, warum er die Demonstration nicht besucht hat

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Foto: Peter Sieben / DER WESTEN
  • Essener #wirsindmehr Demo lockte 5000 Teilnehmern in die Innenstadt – nur sieben nahmen an der Gegendemonstration teil
  • Jetzt äußern sich Essener Politiker zu den Vorkommnissen: Nicht alle Lokal-Politiker halten viel von der friedlichen Demo
  • „Linke Ränder und rechte Ränder schaukeln sich immer weiter hoch“

Essen. 

Die Essener #wirsindmehr-Demo mit rund 5000 Teilnehmern und lediglich 7 Gegendemonstranten hat am Donnerstagabend mit diesen Zahlen ein eindeutiges Bild abgegeben. Trotzdem stehen nicht alle Politiker der Demo positiv gegenüber.

SPD-Politiker Karlheinz Endruschat kritisiert Äußerungen des Demo-Organisators Max Adelmann. Sein Vorwurf: Der Organisator der Demo wehre sich nicht deutlich genug gegen Linksextremismus. Ganz anders sieht der Essener Grünen-Politiker Ahmad Omeirat die Demonstration.

Er hat am Donnerstag selbst eine Rede bei der Demo gehalten und ist begeistert von dem Zeichen, das die Essener gesetzt haben.

„Das war eine sensationelle Demo“

Der Grünen-Politiker äußert sich begeistert über die Stimmung unter den #wirsindmehr-Demonstranten. „Das war eine sensationelle Demo“, so der Politiker.

„Die Menschen haben sich abgefeiert, alle haben gelächelt, egal in welches Gesicht ich geschaut habe.“ Nachdem der Politiker in den letzten Wochen üble Drohbriefe erhalten hat, war die Zustimmung für ihn auf der Demo eine gelungene Abwechslung, wie er im Gespräch mit DER WESTEN erzählt.

„Solche Auftritte motivieren mich“, so Omeirat.

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„Mehr als Partei-Politik: Diese Demo gehörte Essenerinnen und Essenern“

Omeirats Ziel: „Ein klares Zeichen gegen Rassismus setzen.“ Mit Blick nach Chemnitz möchte er nicht Rechten die Stadt überlassen. Er will sich wehren.

Die #wirsindmehr-Demo habe in der Stadt eine neue Stimmung entfacht, losgelöst von Hass und Hetze.

„Seit 1985 lebe ich im Essener Bahnhofsviertel, ich habe so schon einige Demos von Parteien und Gewerkschaften mitbekommen, doch das gestern war mehr als Partei-Politik: Diese Demo gehörte Essenerinnen und Essenern und war wichtig für das Miteinander“, so der 33-Jährige.

SPD-Politiker Karlheinz Endruschat sieht Demo kritisch

Etwas anders hat SPD-Politiker Karlheinz Endruschat die #wirsindmehr-Demo wahrgenommen: Er sieht die Demonstration weiter kritisch.

Für ihn stärke Demo-Veranstalter Max Adelmann mit bestimmten Äußerungen und einer Nähe zu Antifa-Gruppen den linken Rand – das würde er als genauso problematisch empfinden, wie das Aufkeimen rechter Kräfte.

Veranstalter Max Adelmann hatte in einem Interview gesagt, dass er eine generelle Distanzierung von Linksextremisten nicht für erforderlich halte. Für eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen war Max Adelmann am Freitag nicht zu erreichen.

„Linke Ränder und rechte Ränder schaukeln sich immer weiter hoch“

„Nachdem was ich gehört habe, soll der schwarze Block kaum bis gar nicht aufgetaucht sein, das begrüße ich“, sagt Karlheinz Endruschat. „Linke Ränder und rechte Ränder schaukeln sich immer weiter hoch, das merke ich auch an den Nazi-Schmierereien an den A40-Leitplanken“, so der SPD-Politiker.

„Wir müssen diese Demokratie-Krise aus der Mitte bekämpfen“, so Karlheinz Endruschat. So viel wie er gehört habe, habe es bei der #wirsindmehr-Demo vor allem Demonstranten aus der Mitte gegeben.

„Das waren Leute, mit denen ich auch demonstrieren würde“, so der Politiker abschließend. Doch einer Demonstration unter dem jetzigen Veranstalter würde er weiterhin nicht beiwohnen wollen.