Essen

„#Wirsindmehr“-Demo in Essen: Tausende Menschen setzen ein Zeichen gegen Rassismus und demonstrieren gegen rechte Hetze

Essen. Unter dem Motto „Wir sind mehr“ demonstrierten Tausende Menschen am Donnerstagabend seit 18 Uhr friedlich in der Essener Innenstadt, um in der Ruhrgebietsstadt ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Die Demo startete am Willy-Brandt-Platz.

Das Aktionsbündnis „Essen stellt sich quer“ hatte die Veranstaltung für den 13. September mit 2.000 Teilnehmern angemeldet. Die Veranstalter sprachen im Laufe der Veranstaltung dann aber von etwa 6.000 Teilnehmern! Auch die Polizei bestätigt das und spricht von mehr als 2.000 Menschen. Die Demo verlief entspannt. Pressesprecherin Annika Koenig teilte auf Nachfrage von DER WESTEN mit: „Es ist ein unglaublich großer bürgerlicher Zulauf: viele junge Menschen und Familien sind vor Ort.“

Nur sieben Menschen haben an der Gegendemonstration, einer Mahnwache, teilgenommen.

Das ist die Route, die die Demonstranten in etwa zwei Stunden in einem Rundgang zurücklegen werden:

+++21.04+++

Jetzt spielt die Essener Ska-Band Banda Senderos live auf der Bühne am Willy-Brandt-Platz. Nach rund zwei Stunden endet die Demonstration friedlich.

+++20.45Uhr+++

Ahmad Omeirat, Ratvertreter der Grünen, hält auch eine Rede am Willy-Brandt-Platz und spricht über die Drohbriefe, die er bekommen hat. An seinem Migrationshintergrund stoßen sich zahlreiche Menschen. Bei Facebook hatte der Politiker mit libanesischen Wurzeln einen Hassbrief präsentiert, der mit den Worten „Heil Hitler“ unterschrieben war. Doch Tausende Menschen haben sich mit ihm solidarisiert.

+++Essener Politiker erhält geschmacklose Hassbotschaft: Tausende solidarisieren sich mit ihm+++

+++19.42 Uhr+++

Nach rund einer Stunde machen die Demonstrierenden eine Pause am Kennedyplatz. Der Platz ist gut gefüllt. Dort startet gleich die Zwischenkundgebung.

+++19.28 Uhr+++

Der Demonstrationszug hat mittlerweile den Kopstadtplatz erreicht. Die Veranstalter sprechen davon, dass der Demo-Zug wohl mindestens einen Kilometer lang ist.

+++18.56Uhr+++

Nach 10 Minuten haben die Demonstranten den Dom erreicht. Auf dem Weg durch die Innenstadt zum Dom rufen viele Demonstranten immer wieder „Nazis raus!“

Ein Paar in den 50ern erklärt ihre Motivation: „Wir sind hier, weil man was tun muss. Man muss aufstehen gegen die Rechten.“ Eine Mutter erklärt ihren kleinen Sohn: „Nein, das sind nicht Nazis, das sind Leute, die wehren sich dagegen.“

+++18.46 Uhr+++

Der Demonstrations-Zug setzt sich in Bewegung. Immer mehr Menschen kommen spontan vom Straßenrand dazu, um mitzudemonstrieren. Auch zwei ältere Damen entscheiden sich spontan mitzulaufen, obwohl sie eigentlich nur einkaufen gehen wollten.

+++#Wirsindmehr: Auch in Essen soll eine große Demo gegen Rassismus und Hetze steigen+++

+++18.25Uhr+++ Sehr viele Familien mit kleinen Kindern bei der #wirsindmehr-Demo in Essen

Das Publikum ist gemischt: sehr viele Eltern mit Kindern, viele ältere Menschen, aber auch sehr junge, augenscheinlich Linke. Zum Auftakt sagte ein Redner auf der Bühne: „Im beschaulichen Steele ziehen rechte Hooligans durch die Straßen. Das darf nicht sein. Sie nennen sich: die Steeler Jungs“ Laute, sogar sehr laute Buhrufe sind aus dem Publikum zu hören.

Die Demo setzt sich in Bewegung

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Oberbürgermeister Thomas Kufen nimmt an Friedensgebet zu #wirsindmehr teil

Vor der Demo haben die evangelische und katholische Kirche zu einem ökumenischen Friedensgebet in die Marktkirche eingeladen. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen nahm auf Einladung der Superintendentin Marion Greve an dem Friedensgebet teil. „Ich bin stolz darauf, dass sich so viele Menschen auf den Weg in die Innenstadt machen wollen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus zu setzen", so der Oberbürgermeister."

"Damit stehen die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt einmal mehr zusammen und zeigen: Essen ist eine tolerante Stadt und Heimat für viele Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur. Jeder muss wissen, wir dulden keine Gewalt und treten ihr an jeder Stelle entschieden entgegen!"

Die Lokalmatadore Banda Senderos spielen ein Überraschungskonzert

Gegen 20.30 wird die Essener Band Banda Senderos am Willy-Brandt-Platz auftreten und der Menge mit Ska-Dancehall einheizen. Die Organisatoren hatten die Band angefragt, die sofort zugesagt hat. „Wir sind keine politische Band, aber es war klar, dass wir mitmachen. Unsere Band besteht aus Mitgliedern aus 5 Nationen, das reicht ja schon mal“, erklärt die Band auf Nachfrage von DER WESTEN.

Anlass waren die fremdenfeindlichen Aufmärsche in Chemnitz Ende August. «Gemeinsam stehen wir für Weltoffenheit, Demokratie, Humanismus und Toleranz. Wir überlassen die Straße nicht den Rechten», hieß es im Demonstrationsaufruf.

Die Demo wurde unter anderem von den Kirchen, der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Gewerkschaftsbund unterstützt. Vor Beginn hatten die Kirchen zu einem ökumenischen Friedensgebet eingeladen.

An der Gegenveranstaltung nahmen nur sieben Menschen teil

An einer Gegenveranstaltung, einer «Mahnwache für Daniel H.», beteiligten sich nach Polizeiangaben sieben Personen. Der 35 Jahre alte Daniel H. war in der Nacht zum 26. August am Rande des Chemnitzer Stadtfestes erstochen worden. Tatverdächtig sind ein Syrer und zwei Iraker. Rechte Gruppen hatten dies zum Anlass für mehrere, teils aggressive, Demonstrationen und Kundgebungen genommen. (pen, js, ms, jgi, dpa)

 
 

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