Essen

Essener Tafel nimmt keine Ausländer mehr auf – Tafel-Chef weist Merkels Kritik zurück: „Konsequenz ihrer Politik“

Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel.
Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel.
Foto: dpa

Essen. „Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik.“

Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, hat sich in die Debatte um den Aufnahmestopp für Ausländer eingeschaltet, den die Essener Tafel seit dem 10. Januar testet.

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) wies er Kritik von seiten Angela Merkels an der Entscheidung der Tafel in Essen strikt zurück. Merkel hatte am Montag dem Fernsehsender RTL gesagt: „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut.“

Tafel-Chef: „Deutschland hat ein enormes Armutsproblem“

Brühl reagiert – und spielt den Ball zurück ins Feld der Bundeskanzlerin: „Die politischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, das ist nicht die Aufgabe der Tafel. Das ist Aufgabe des Staates.“

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Deutschland habe ein enormes Armutsproblem. Deshalb sei der eigentliche Skandal nicht, dass die Essener Tafel bis auf Weiteres keine neuen Ausländer mehr aufnehmen möchte. Der Skandal sei vielmehr, „dass es uns seit 25 Jahren gibt, dass wir mittlerweile 1,5 Millionen Bedürftige unterstützen, dass es 250.000 Tonnen Lebensmittelüberschüsse gibt, dass es in diesem reichen Land Menschen gibt, denen es am Nötigste mangelt“, so Brühl im Interview mit der NOZ.

„Unfassbarer Niedriglohnsektor, unausgegorene Zuwanderungspolitik“

Er möchte von Angela Merkel keine Kritik, sondern vielmehr Lob für den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen bei den Tafeln: „Ich erwarte von einer Bundeskanzlerin, sich deutlich vor die Tafeln, ihre Arbeit und die Ehrenamtlichen zu stellen.“

Brühl erwartet auch, dass die Politik endlich Lösungen anbietet für das Armutsproblem in Deutschland: „Es kann nicht sein, dass Rentner nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben zu wenig Rente haben. Wir haben einen unfassbaren Niedriglohnsektor, deren Löhne nicht ausreichen. Wir haben eine unzureichende Grundsicherung. Wir haben eine unausgegorene Zuwanderungspolitik. Hartz IV wurde nie weiter entwickelt.“ Für alle diese Probleme müssten nachhaltige Strategien entwickelt werden.

Der Vorsitzende fordert auch die Bürger dazu auf, sich nicht nur zu beschweren: „Die Verantwortlichkeit liegt bei jedem Einzelnen, sich für etwas einzusetzen und nicht immer gegen etwas zu sein. Aus dem betroffenen Bürger sollte ein handelnder, beteiligter Bürger werden.“

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