„Wir haben uns nichts vorzuwerfen“

Barbara Rörig (re.) und Reinhard Paß (li.) bei der Eröffnung des Stadions im August 2012.
Barbara Rörig (re.) und Reinhard Paß (li.) bei der Eröffnung des Stadions im August 2012.
Foto: WAZ FotoPool
Die Aufsichtsratschefin der städtischen Grundstücksverwaltung GVE, Barbara Rörig, weist Rufe nach weiteren Konsequenzen zurück.

Essen.. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – fast jedenfalls. Während Stadt und Politik gerade die Weichen stellen, um die städtische Grundstücksverwaltung GVE vor der Insolvenz zu bewahren, hat die Suche nach den (Mit-)Schuldigen eingesetzt. Die Grünen fragen, ob OB Reinhard Paß und Kämmerer Lars Martin Klieve mitverantwortlich sind, und der Oberbürgermeister stichelte am Mittwochabend prompt zurück: Der Aufsichtsrat der GVE müsse selbstkritisch prüfen, „ob noch weitere Konsequenzen zu ziehen sind“ – ein kaum verhohlener Vorwurf, den die Aufsichtsratschefin Barbara Rörig (CDU) gestern im NRZ-Gespräch entschieden zurückwies: „Wir haben die richtigen Fragen gestellt – und uns nichts vorzuwerfen.“

Der Umgang mit Zahlen ist Barbara Rörig alles andere als fremd: Als Mitarbeiterin einer Bank weiß die Aufsichtsrats-Chefin der städtischen Grundstücksverwaltung GVE sehr wohl, wann die Alarmglocken in einem Unternehmen schrillen – und bei der GVE scheint es fünf vor zwölf: Die Schieflage ist so beängstigend, dass die Wirtschaftsprüfer ihr Testat für den Jahresabschluss 2013 weiter verweigern, „es steht ziemlich eng“, räumt Christdemokratin Rörig gegenüber der NRZ ein.

Schnell muss es gehen

Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Schon am Freitag gesellt sich Allbau-Chef Dirk Miklikowski an die Seite von GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand, binnen einer Woche soll eine minutiöse Liquiditäts-Planung erstellt sein. Wie viel Geld da mobilisiert werden muss, durch die GVE selbst oder durch die Stadt, etwa als Darlehen, mag derzeit niemand sagen: „Eine feste Zahl zu greifen, wäre unlauter“, gibt Rörig zu bedenken, aber einen Beitrag um zwölf Millionen Euro – die aufzufüllende Instandhaltungsrücklage fürs Museum Folkwang eingerechnet – dementiert sie nicht.

Hätte sie, hätte der gesamte Aufsichtsrat nicht früher aktiv werden müssen? Nein, sagt Rörig da, die Aufsicht habe ja gerade funktioniert: Erst Anfang Dezember 2014 erfuhr das Gremium demnach von den drohenden Zahlungsschwierigkeiten und der extremen Inanspruchnahme des städtischen Cash-Pools: Von da an jagte eine Aufsichtsrats-Sitzung die andere, „wir haben die richtigen Fragen gestellt, das lässt sich in den Protokollen auch nachlesen“.

„Haltet den Dieb!“

Man könne aber eben auch „keine Liquidität herbeizaubern“. Den Finger in die Wunde legen, dazu war die Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfer gedacht, mit dem bekannten erschreckenden Ergebnis. Ob nicht auch sie den Appell des OB zur selbstkritischen Gewissenserforschung des Aufsichtsrates als verklausulierte Rücktrittsforderung aufgefasst hat, darüber mag die GVE-Chefaufseherin kein Wort verlieren: „Ich nehme das erstmal so hin.“

Die Linken sind da schon gesprächiger: „Wir halten es für unfair, wenn Oberbürgermeister Paß die Verantwortung für die Vorfälle jetzt in Richtung des ehrenamtlich tätigen Aufsichtsrates der GVE schiebt“, merkte gestern Wolfgang Freye an, der dem Gremium selbst angehört: „Da ruft der Dieb ,Haltet den Dieb!’“ Den Reigen gegenseitiger Schuldvermutungen ergänzte die SPD gestern um die Frage, warum die Grünen zwar OB und Kämmerer, nicht aber die Baudezernentin ins Spiel gebracht hätten oder ihre eigenen Aufsichtsrats-Vertreter. Dabei gelte es, „ohne Vorverurteilungen, persönliche Anwürfen und Unterstellungen“ die Sachlage aufzuklären.

EURE FAVORITEN