Essen

„Wir haben kein Recht, das zu entschuldigen“: Essener Sikh-Gemeinde äußert sich zum Anschlag der „Tempelbomber“

Mitglieder der Sikh-Gemeinde bei einer Prozession im April: Wenige Tage zuvor war ein Sprengsatz auf ihr Gemeindehaus geworfen worden.
Mitglieder der Sikh-Gemeinde bei einer Prozession im April: Wenige Tage zuvor war ein Sprengsatz auf ihr Gemeindehaus geworfen worden.
Foto: Roland Weihrauch / dpa
Was wir bereits wissen
  • Im April hatten zwei Jugendliche einen Sprengsatz auf das Haus der Essener Sikh-Gemeinde geworfen
  • Einer der mutmaßlichen Täter entschuldigte sich später in einem Brief
  • Jetzt spricht ein Vorstand der Gemeinde zu dem Vorfall

Essen. Als die Bombe explodierte, feierten die Mitglieder der Sikh-Gemeinde gerade Hochzeit.

Zwei Jugendliche hatten im April 2016 einen Sprengsatz auf das Gemeindehaus geworfen. Drei Menschen wurden verletzt, ein Priester schwer.

Einer der beiden Verdächtigen ist der Gelsenkirchener Yusuf T. Der junge Mann war innerhalb weniger Jahre zum radikalen Salafisten geworfen.

„Yusuf bereut die Tat“

Ab dem 7. Dezember muss er sich vor dem Landgericht Essen für die Tat verantworten. Der Priester, der beim Anschlag verletzt wurde, wird am 7. Dezember als Nebenkläger auftreten.

Yusuf T.s Anwalt Burkhard Benecken sagt: „Yusuf bereut die Tat zutiefst.“

Der 17-Jährige hatte einige Wochen nach der Tat einen Entschuldigungsbrief an den schwerverletzten Priester und die Gemeinde geschickt.

„Wir sind geschockt“

Jetzt äußert sich ein Vertreter der Sikh-Gemeinde gegenüber DER WESTEN zu dem Brief. Der Anschlag belastet die Menschen dort noch immer: „Wir sind geschockt“, sagt Mohinder Singh Nagpal. Er ist ein Vorstandsmitglied der Essener Sikh-Gemeinde. Das Schreiben von Yusuf T. habe man zur Kenntnis genommen, sagt er.

Kann die Gemeinde die Tat vergeben? Seine Antwort fällt theologisch aus: „Wir haben kein Recht, etwas zu entschuldigen. Das liegt bei Gott.“

Schwerverletzter wird als Nebenkläger auftreten

Ob jemand eine Tat böse gemeint habe und „gut oder schlecht im Herzen ist“, das wisse eben nur Gott.

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