„Wir haben gezeigt, dass wir den Titel verdient haben“

Simone Raskob. Jetzt ist es amtlich: Die Stadt Essen darf sich im Jahr 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“ nennen. Dem Team um Oberbürgermeister Reinhard Paß und Umweltdezernentin Simone Raskob ist es am Mittwoch mit einer emotionalen Präsentation gelungen, eine internationale Jury davon zu überzeugen, dass Essen den Titel verdient. Im Gespräch mit Tobias Appelt blickt zurück auf die Zeit der Vorbereitung und wagt einen Ausblick in Essens grüne Zukunft.

Frau Raskob, herzlichen Glückwunsch. Essen wird „Grüne Hauptstadt“. Für Sie und Ihr Team war es ein Erfolg im zweiten Anlauf. Hatten Sie vorab Zweifel?

Wir sind in diesem Jahr zwar als Favorit ins Rennen gegangen, doch letztlich war alles offen. Im Vorfeld lässt sich nie mit Gewissheit sagen, wie die Jury entscheidet. Da hängt alles von der Präsentation und der anschließenden Fragerunde ab.

Offenbar haben Sie sich da ganz gut geschlagen...

Ja, wir konnten unsere Botschaft sehr gut rüberbringen. Wir haben dabei weniger auf Multimedia gesetzt – dafür mehr auf Emotionen. Offenbar war es auch eine gute Idee, dass wir bei unserer Präsentation die Menschen unseres Team stark in den Vordergrund gestellt haben. Dadurch haben wir sehr authentisch gewirkt – und das ist es ja, was die Jury sehen will. Die Juroren wollen kein einstudiertes Theaterstück vorgespielt bekommen.

Hatten Sie Lampenfieber?

Na ja, vergangenes Jahr waren wir alle sehr aufgeregt, weil wir vorab nicht wussten, was auf uns zukommt. In diesem Jahr war es hilfreich, dass wir wussten, was uns erwartet. So konnten wir die Sache etwas gelassener angehen. Außerdem hat die Jury offenbar beeindruckt, dass wir fortgesetzt haben, was wir vergangenes Jahr bei unserem ersten Anlauf bereits vorgestellt haben.

Zum Beispiel?

Etwa der Emscherumbau, das Radwegenetz und das Schwimmen in unseren Gewässern. Die Themen haben wir das ganze Jahr über verfolgt. Gerade erst haben wir die Interessengemeinschaft „Baden in der Ruhr“ gegründet. Und 2017, wenn die „Grüne Hauptstadt“-Besucher kommen, sind auch für sie die Gewässer offen.

Hoffen Sie auf positive wirtschaftliche Auswirkungen des errungenen Titels?

Natürlich. Die Stadt wird durch die „Grüne Hauptstadt“ international bekannter. Und es steigen unsere Chancen, von den Fördertöpfen der EU zu profitieren. Jetzt haben wir schließlich bewiesen, dass Essen eine Stadt von europäischem Format ist – und nicht nur eine Stadt, in der ein paar Bäume gepflanzt wurden.

Auch wenn das nach Sturm „Ela“ nötig war.

Ja, aber Essen ist trotzdem noch die grünste Stadt NRWs und die drittgrünste Stadt Deutschlands. Durch „Ela“ haben wir gelernt, wie man mit solch einer Krise umgehen kann. Tausende Bürger haben uns mit „Essen packt an“ unterstützt. Da „Ela“ ganz sicher nicht das letzte Sturm-, Hitze- oder Starkregen-Ereignis war, konnten wir der Jury zeigen, dass wir wissen, wie man mit solch einer Krise umgeht, und dass wir ein Vorbild für andere europäische Städte sein können. Kurzum: Wir haben gezeigt, dass wir es können, dass wir den Titel verdient haben, und dass wir ihn brauchen.

Angesichts des klammen Haushalts?

Künftig wird jeder fünfte Euro von der EU im Bereich Klimaschutz ausgegeben. Da müssen wir auf uns aufmerksam machen, wenn wir einen Teil des Geldes abbekommen möchten. Und Essen ist aufgrund der angespannten Haushaltslage darauf angewiesen.

Wird es denn genug Geld geben, um für Bürger und Besucher ein ansprechendes „Grüne Hauptstadt“-Programm auf die Beine zu stellen?

Ja, wir haben schon Gespräche mit möglichen Partnern geführt, und etwa 40 Unternehmen haben uns bereits ihre Unterstützung zugesagt. Dennoch: Mit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 wird die „Grüne Hauptstadt“ nicht zu vergleichen sein. Das muss ich sagen, um bei den Bürgern keine falschen Erwartungen zu wecken. Alles wird zehn Nummern kleiner ausfallen – allein schon wegen des Budgets.

Was für Veranstaltungen könnte es denn im „Grüne Hauptstadt“-Jahr geben?

Wir planen eine ähnliche Veranstaltung wie das 2010er-„Stillleben“ auf der A40. Denkbar wäre es 2017, die Schützenbahn oder die Gladbecker Straße für einen Tag zu sperren und dort ein großes Fest zu veranstalten. Außerdem möchten wir die Straßenbahn 105 verstärkt als „Naturlinie“ bekannt machen. Ideen haben wir viele. Aber es ist noch etwas früh, um Details bekanntzugeben. In zwei, drei Monaten kann ich mehr verraten. Jetzt freuen wir uns erst einmal über den Titelgewinn.

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