Wieder Asylunterkunft am Kutel?

Henrik Stan

Fischlaken. „Die Verwaltung prüft die Errichtung von Wohncontainern auf dem Grundstück Overhammshof“. Sie lässt aufhorchen, die Beschlussvorlage, über die der Rat am kommenden Mittwoch abstimmen wird. Weil 2010 wieder mehr Menschen einen Asylantrag stellten, steht die Stadt unter Zugzwang. Wegen der ungeklärten Unterbringungsfrage prüfte die städtische Immobilienwirtschaft aufgegebene Standorte, darunter auch das ehemalige Kutel-Gelände.

Ungute Erinnerungen
an das „Roma-Lager“

Dass neben den mit relativ geringem sowohl zeitlichen als auch finanziellen Aufwand für den Bezug herzurichtenden Standorten Auf’m Bögel in Haarzopf und Sartoriusstraße (Rellinghausen) auch der Overhammshof zu den drei erstgenannten Objekten in der Verwaltungsvorlage gehört, hat bereits Pro Asyl und die Linke auf den Plan gerufen. In Werden ist das ehemalige „Roma-Lager“ noch in lebhafter, unguter Erinnerung. Hinter Stacheldraht und von Videokameras überwacht waren bis 2004 dort bis zu 700 Personen untergebracht.

Schon damals sprachen Pro Asyl und Flüchtlingsrat von „menschenunwürdigen Verhältnissen“. Kritikpunkte: die Lage fern anderer Wohngebiete und Infrastruktur.

Augenfällig ist der zumeist desolate Zustand der 13 vom Stadtamt 60 untersuchten Immobilien. So wird auch die seit vier Jahren leerstehende Unterkunft an der Bernhardstraße als marode beschrieben. Im gesamten Objekt existiert kein einziger Heizkörper mehr, die Stromversorgung ist laut Bestandsaufnahme stark beschädigt. Etwa acht Monate würden Sanierung und Reparatur dauern, schätzen die Experten. Kostenpunkt: 150000 Euro. Eine Reaktivierung dürfte sich somit erledigt haben.

Die Kapazität des aus Fertigbauteilen errichteten Übergangswohnheims im Werdener Löwental ist übrigens völlig ausgeschöpft. Derzeit leben hier rund 35 Personen, denen jeweils durchschnittlich acht Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das ist der geringste Wert unter allen elf gegenwärtig genutzten Unterkünften.

Erreichten im Januar 2010 noch 244 Flüchtlinge Essen, waren es im Oktober 2010 bereits 458. Die Stadt muss also rasch handeln. Zumal die Zahl derer, die nach dem Wegfall der Visumspflicht weiterer Balkanstaaten wie Albanien um Asyl nachsuchen werden, in den kommenden Monaten steigen dürfte.