Wie zwei Frauen einem niedergestochenen Wachmann halfen

Gerd Niewerth
Am 14. März wurde in der Rathaus-Galerie ein Wachmann niedergestochen. Leonie Krombholz (Mitte) war mit ihrer Freundin zufällig zugegen und stoppte die starke Blutung des Schwerverletzten.
Am 14. März wurde in der Rathaus-Galerie ein Wachmann niedergestochen. Leonie Krombholz (Mitte) war mit ihrer Freundin zufällig zugegen und stoppte die starke Blutung des Schwerverletzten.
Foto: Stefan Witte
Leonie Krombholz (20) und ihre Freundin Katrijn Butenhoff aus Ratingen hatten sich in der Essener Rathaus Galerie Mitte März eigentlich zu einem Einkaufsbummel verabredet. Doch dann wurde ein Wachmann niedergestochen und die beiden Schutzengel von den Johannitern griffen beherzt ein. Lob vom Leiter der Einsatzdienste.

Essen. Tatort Rathaus-Galerie: Die Essenerin Leonie Krombholz und ihre Freundin Katrijn Butenhoff aus Ratingen haben sich an diesem Freitagnachmittag Mitte März zum Shoppen in der „Einkaufsstadt“ verabredet. Doch um kurz nach fünf nimmt der entspannte Bummel durch die Ladenpassage ein jähes Ende. „Wir sahen eine Menschentraube und eine Person, die auf dem Boden lag“, erinnert sich die 20-Jährige.

Die „Person“ ist ein 39 Jahre alter Wachmann von Issa-Security. Er ist schwer - vielleicht sogar lebensgefährlich - verletzt. Ein 36-Jähriger, der später festgenommen wird, hat ihn niedergestochen. Die tiefen Stiche haben eine klaffende Wunde im Oberarm verursacht.

„Wir sahen, dass der Wachmann sehr viel Blut verlor“, berichtet die Essenerin. Dass die Freundinnen in diesem Augenblick ohne zu Zögern beherzt zupacken und dem Blutenden möglicherweise sogar das Leben retten werden, lässt sie als „Heldinnen des Alltags“ erscheinen. Doch Leonie Krombholz, eine bescheidene junge Frau mit Bodenhaftung, will von solchen Lorbeeren gar nichts wissen. „Wir kamen und haben geholfen, mehr nicht“, wiegelt sie ab, und fügt hinzu: „Anderen helfen - das sollte doch für jeden die normalste Sache der Welt sein.“

"Wachmann blieb die ganze Zeit ruhig"

Dass die jungen Frauen dem Wachmann so geistesgegenwärtig und so resolut Erste Hilfe leisten (können), ist kein Zufall. Schließlich sind sie professionell ausgebildete Schutzengel. Katrijn arbeitet in Ratingen als Rettungssanitäterin und Leonie absolviert - ebenfalls bei der Johanniter Unfallhilfe - zurzeit ihren Bundesfreiwilligendienst. Bei einem Rettungshelfer-Lehrgang haben sie sich kennengelernt. Leonie, in Stoppenberg aufgewachsen, hat sich schon auf dem Bischöflichen Gymnasium als Schulsanitäterin engagiert.

Zusammen mit einer dritten Helferin gelingt es schnell, die starke Blutung in den Griff zu bekommen. „Katrijn hat zuerst ihre Lederjacke ausgezogen und sie auf den Arm gedrückt, danach reichten sie uns aus einem Ladenlokal einen Erste-Hilfe-Koffer herüber.“ Darin finden sie alles, was sie jetzt so dringend benötigen: Handschuhe und Scheren, Mullbinden und Pflaster. Als der Druckverband endlich gelegt ist, binden sie einen Ledergürtel um den Arm und ziehen kraftvoll zu. „Der Wachmann ließ sich im Sitzen behandeln und blieb die ganze Zeit ruhig.“

Helfen statt weggucken

Auch über die anderen, unbekannten Helfer in der Ladenpassage ist Leonie Krombholz voll des Lobes. „Alles klappte prima, einer hat den Rettungswagen der Feuerwehr eingewiesen, andere haben Schaulustige weggeschickt.“

Helfen statt weggucken, betont Leonie Krombholz immer wieder, das sei für sie selbstverständlich. Trotzdem hat sie sich jetzt gefreut, als der Einsatzdienst-Leiter der Essener Johanniter-Unfallhilfe ihr offiziell gratuliert. Patrick Arndt: „Wir sind stolz auf ihr beherztes Eingreifen.“

Dem Wachmann geht’s inzwischen wieder besser. „Er musste einige Tage ins Krankenhaus und ist noch krankgeschrieben“, sagt sein Chef Mohamed Issa. Über die gute Tat sagt er: „Dankeschön.“