Wie Trickbetrüger Immobilienkäufer im Netz abzocken wollen

Betrüger bieten Essener Immobilien im Netz unter wert an und verlangen vor der Besichtigung vorab Pfand für Schlüssel. Die Immobilie wird als traumhaft beschrieben und unter Wert angeboten. Im Bild: die Essener Skyline (vor der Halde Haniel), vorne Heisingen.
Betrüger bieten Essener Immobilien im Netz unter wert an und verlangen vor der Besichtigung vorab Pfand für Schlüssel. Die Immobilie wird als traumhaft beschrieben und unter Wert angeboten. Im Bild: die Essener Skyline (vor der Halde Haniel), vorne Heisingen.
Foto: Oliver Multhaup
Es ist der Enkeltrick für Immobilienkäufer: Mit Lockangeboten bei Immobilienscout wollen Betrüger in Essen Geld abzocken. Sie verlangen vor der Besichtigung eine hohe Reservierungsgebühr.

Essen. Der Immobilienmarkt boomt. Die Zinsen sind niedrig – und sinken weiter. Häuser und Eigentumswohnungen sind somit günstig zu finanzieren. Kein Wunder, dass so viel Geld in Bewegung auch Betrüger in die Immobilienbranche zieht.

Oliver Freymark aus Rüttenscheid hat gerade Eigentum in Stadtwald gekauft. Der 45-Jährige beobachtet weiter interessiert den Markt. Mehrfach ist er dabei in den letzten Wochen im stark frequentierten Internet-Portal „Immobilienscout“ auf Mogel-Anzeigen gestoßen. „Mal war es ein Haus in Fischlaken, dann eines in Heisingen“, erinnert er sich. Das Prinzip: Die Immobilie wird als traumhaft beschrieben und unter Wert angeboten. „Bis zu 50 Prozent weniger als das, was man erwartet. Da springt man drauf an. Da kann man schnell reinfallen“, warnt Oliver Freymark. Die Tücke lauert im Detail: Der Verkäufer, der nur per E-Mail erreichbar ist, will den Schlüssel zur Besichtigung nur gegen Pfand herausgeben: Eine vierstellige Summe, die überwiesen werden soll, und die auch mal als Reservierungsgebühr genannt wird. Es ist in Wahrheit der Enkeltrick für Immobilienkäufer.

100-qm-Loft-Wohnung in Stadtwald für nur 100. 000 Euro

Eine Immobilieninteressentin aus Huttrop machte die gleiche Erfahrung. Sie fand in Stadtwald eine 100-Quadratmeter-Loft-Wohnung bei Immobilienscout, für die nur 100. 000 Euro verlangt wurde. Auf Anfrage per E-Mail gab die vermeintliche Vorbesitzerin an, berufsbedingt kurzfristig ins Ausland verzogen zu sein. Eine Maklerbüro aus London meldete sich und wollte 4000 Euro Schlüssel-Pfand. „Da habe ich die Finger davon gelassen“, sagt die Huttroperin.

„Die Vorgehensweise ist uns bekannt. Ich habe auch schon von entsprechenden Fällen gehört“, bestätigt Stefan Pásztor, Vorsitzender des Bezirksverbands Essen im Ring Deutscher Makler. „Es gibt eine gewisse Gier und Jagdlust bei Immobilien, die so etwas befeuern“, erklärt der erfahrene Makler. Er warnt vor entsprechenden Lockangeboten im Internet und weist auf die technischen Möglichkeiten der Betrüger hin. „Leider gehen immer mehr Menschen laienhaft mit ihren Daten um“, sagt Pásztor. So können die Bauernfänger gezielt Objekte an potenzielle Käufer verschicken, die sich beispielsweise für Immobilien in Rüttenscheid, Stadtwald oder Bredeney interessieren. „Außerdem werden Fotos und Beschreibungen von Objekten kopiert und dann in neuen Anzeigen präsentiert.“

Die eigene Wohnung im Newsletter als Verkaufsangebot entdeckt

Genau das ist auch Oliver Freymark passiert. In einem Newsletter wurde ihm vor einiger Zeit die Wohnung angeboten, die er in Rüttenscheid selbst bewohnte. „Da war sogar von Sauna und Dachterrasse die Rede, die es in der Wohnung aber gar nicht gab.“ Versicherungsmakler Freymark hat Konsequenzen gezogen: „Ich melde die Anzeigen bei Immobilienscout, die sind dann schnell verschwunden.“

Das Berliner Unternehmen ist bemüht, betrügerische Anzeigen zu lokalisieren, was bei aktuell 1000 Kaufangeboten allein in Essen allerdings schwer fällt. Ausschließen lässt sich ergo nicht, dass vor dem Löschen bereits Interessenten auf den Enkeltrick für Immobilienkäufer hereingefallen sind.