Wie Taxi-Chefs in Essen den Mindestlohn dreist umfahren

Janet Lindgens
Taxistand am Hauptbahnhof in Essen. Einige Unternehmen scheinen ihren Mitarbeitern den Mindestlohn vorzuenthalten.
Taxistand am Hauptbahnhof in Essen. Einige Unternehmen scheinen ihren Mitarbeitern den Mindestlohn vorzuenthalten.
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Gewerkschaft Verdi gibt es erste Hinweise auf Verstöße gegen den Mindestlohn im Essener Taxi-Gewerbe. Demnach sollen Unternehmer tricksen.

Essen. Taxiunternehmen tricksen offenbar beim Mindestlohn. Bei der Gewerkschaft Verdi in Essen mehrten sich zuletzt entsprechende Hinweise. Dabei hatte auch in Essen die Branche wegen des Mindestlohnes deutlich höhere Taxitarife durchgesetzt, die die Kunden seit Anfang des Jahres zahlen müssen.

Das Taxigewerbe spricht von Gerüchten und Einzelfällen. Doch die Gewerkschaft hält dagegen. Es gehe nicht um Einzelfälle, sagt Rainer Sauer, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei Verdi. In den vergangenen vier Wochen meldeten sich rund 20 Taxifahrer bei ihm. „Viele wollten wissen, ob der Mindestlohn auch für sie gilt“, sagt Sauer.

Offensichtlich lassen die Chefs ihre Angestellten darüber im Ungewissen oder verunsichern sie. Auffallend bei allen, die bei Sauer anriefen: In keinem Fall entsprach der gezahlte Lohn im Abgleich mit der Arbeitszeit dem vorgeschriebenen Mindestlohn von 8,50 Euro, sondern er lag teilweise weit darunter.

Taxifahrer verdient 1200 Euro für 260 Stunden Arbeit

Viele Betroffene trauen sich aber bislang nicht, den Mindestlohn bei ihrem Chef einzufordern oder notfalls auch vor Gericht einzuklagen – wohl aus Angst um ihren Arbeitsplatz, vermutet Sauer. Zumindest ein konkreter Fall liegt dem Gewerkschafter jetzt auf dem Tisch, bei dem sich ein Taxifahrer gegen die kreativen Abrechnungsmethoden seines Chefs zur Wehr setzt.

Dieser Taxifahrer verdient 1200 Euro brutto im Monat für insgesamt rund 260 Stunden Arbeit. Der Chef habe dem Mitarbeiter erklärt, dass es beim Mindestlohn für die Taxibranche eine Übergangszeit gebe. Eine Falschaussage, so Sauer.

Gewerkschaft liegt Protokoll zur Arbeitszeit vor

Das Protokoll zur Arbeitszeit, das ihm vorliegt, ist unvollständig. An manchen Tagen hat der Chef nur eine Anfangszeit aber keine Endzeit eingetragen. Ganze Arbeitstage fehlen. Pausen sind herausgerechnet, obwohl der Mitarbeiter keine Pause gemacht hat und ihm dafür auch kein Zeitfenster eingeräumt wurde. Des Weiteren gehören Tätigkeiten am Anfang des Dienstes und am Ende plötzlich nicht mehr zum regulären Dienst. So drückt der Chef die Arbeitszeit seines Mitarbeiters.

Andere Taxifahrer berichten auch darüber, dass Unternehmer die Standzeiten aus der Arbeitszeit herausrechnen würden. Gewerkschafter Sauer kennt diese Gerüchte, hat dafür aber keinen Beleg. „Wenn das so wäre, wäre es gegen das Gesetz.“

Die größte Essener Taxizentrale Taxi Essen kennt in den eigenen Reihen keine Verstöße. „Wir haben selbst großes Interesse daran, dass der Mindestlohn gezahlt wird“, sagt Geschäftsführer Michael Rosmanek. Nur so gebe es gleiche Wettbewerbschancen in der Branche.