Wie sich Rapper weltweit für mehr Menschenrechte einsetzen

Der ägyptische Rapper Mohamed El Deeb gilt als eine der Stimmen des Widerstands.
Der ägyptische Rapper Mohamed El Deeb gilt als eine der Stimmen des Widerstands.
Foto: Sascha Kraus
Mit seinem Band „Forthright“ stellt der Essener Fotograf Sascha Kraus 43 Rapper aus 13 Ländern vor, die mit ihren Texten Widerstand leisten.

Essen. Sechs Jahre, Reisen in 13 Länder, vor allem aber jede Menge Herzblut stecken in dem 444 Seiten starken Werk „Forthright – Stronger than a Weapon“, das der Fotograf Sascha Kraus nun veröffentlicht hat. Ein bildgewaltiger Band samt Interviews und Songtexten, der 43 unterschiedliche Hip-Hop-Künstler vorstellt, die eine Botschaft eint: Wörter sind stärker als Waffen.

„Das Buch war gar nicht geplant. Die Idee dazu entstand 2010 bei einer Reise nach Kambodscha. Damals traf ich Streetart-Künstler und Rapper, die sich mit ihrer Kunst für mehr Menschenrechte eingesetzt haben“, erinnert sich der 37-Jährige, der mit seiner Familie im Südviertel lebt. Der Mut, besonders aber die Art und Weise, wie der Widerstand auf die Straße gebracht wurde, beeindruckten den musikbegeisterten Fotografen derart, dass er sich weltweit auf die Suche nach Rappern machte, die wirklich etwas zu sagen haben.

Viele Reisen führten nach Afrika

Fündig wurde er an vielen Orten, an denen die Menschen für mehr Freiheit und ein besseres Leben kämpfen: In Ägypten etwa, wo Sascha Kraus den Hip-Hop-Künstler Mohamed El Deeb begleitete. Der Rapper trat während des arabischen Frühlings auf dem Tahrir-Platz auf, verleiht bis heute der weltoffenen Jugend des Landes eine Stimme.

Die meisten Reisen unternahm Sascha Kraus in Afrika: Im Senegal und in Guinea begleitete er die Rapperin Sister Fa während ihrer Tournee. Die Sängerin, die Kraus 2013 sogar für eine Benefizkonzert im Rüttenscheider Katakombentheater gewinnen konnte, macht sich mit ihrer eigenen Geschichte, die sie in ihrer Musik verarbeitet, für das „Orchid Project“ stark: Die britische Hilfsorganisation kämpft gegen die Beschneidung junger Mädchen. „Die Musiker setzen sich für ganz unterschiedliche Ziele ein, um die Lebenssituation in ihrer Heimat zu verbessern“, sagt Sascha Kraus, der bei seinen Reisen zwar nie Angst hatte, aber immer wachsam war.

Polizeischutz in Bogotá

Bei der letzten Station für das Buch in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wurden er und die Rapperin Diana Avella von einer Polizei-Eskorte beschützt: Die Musikerin ist ein Star in Kolumbien, kämpft mit ihren Texten für mehr Gleichberechtigung in einer männerdominierten Gesellschaft. „Sie hatte mir für das Interview unbedingt das Viertel zeigen wollen, aus dem sie stammt. Dafür war die Polizei notwendig“, erklärt Sascha Kraus, der mit seiner Idee bei vielen Musikern offene Türen einrannte, als er per E-Mail Kontakt zu ihnen suchte.

Manche interviewte er nur kurz, andere begleitete er über Tage und Wochen. Herausgekommen ist ein Werk purer Schwarz-Weiß-Aufnahmen, das auch die Grundidee des Hip-Hop vermittelt. „Die Großmutter meiner Frau hat ein Wochenende lang sämtliche Interviews in dem Buch gelesen, obwohl sie nur ein wenig Englisch spricht. Am Ende sagte sie mir, dass sie nun endlich begriffen habe, was es mit diesem Hip-Hop auf sich hat. Das hat mich sehr gerührt“, sagt Sascha Kraus, der es nicht allein bei dem Buch belassen will. „Forthright“ ist mittlerweile ein eingetragener Verein, der die Musiker in ihrem Kampf für mehr Menschenrechte unterstützt. „Ich wünsche mir“, sagt Sascha Kraus, „dass die Künstler mehr Gehör und Unterstützung finden – auch jenseits ihrer Ländergrenzen.“

Das englischsprachige Buch „Forthright“ ist im Eigenverlag in einer Auflage von 1000 Stück erschienen. Kosten: 99 Euro; die limitierte Special-Edition inklusive zweier Schallplatten mit den Tracks der Künstler kostet 219 Euro. Eine Bestellung ist hier möglich.

 
 

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