Wie sich ein Essener Altenheim auf muslimische Bewohner einstellt

Meryan Arat ist Pflegerin im Gerhard-Kersting-Haus.
Meryan Arat ist Pflegerin im Gerhard-Kersting-Haus.
Foto: WAZ
Das Gerhard-Kersting-Haus in Essen hat sich auf Migranten eingestellt. Es gibt einen Gebetsraum für Muslime, türkisches TV und auch das Essen ist religiösen Vorschriften angepasst.

Essen. Kultursensible Seniorenpflege ist ein etwas sperriges Wort für das, was im Gerhard-Kersting-Haus umgesetzt wird. Tatsächlich ist das Alten- und Pflegeheim der Gesellschaft für soziale Dienstleistungen Essen (GSE) in der Stadt das erste seiner Art, das ausdrücklich auf die Wünsche türkischer Bewohner eingeht, also auf deren Kultur und Glauben Rücksicht nimmt. Was nicht heißt, dass im Haus, das direkt am neu erbauten Univiertel liegt, nicht auch alle anderen Religionen berücksichtigt werden.

„Wir haben einen nach Osten ausgerichteten Gebetsraum für Muslime, aber auch einen Andachtsraum für Christen“, sagt der Heimleiter Antonio Beckmann und betont, dass im Gerhard-Kersting-Haus der Integrationsgedanke im Vordergrund stehe: So gibt es keinen separaten Wohnbereich für Muslime, sondern die Bewohner leben gemeinsam.

Bereits beim Bau des Pflegeheimes vor sechs Jahren stand das Multikulti-Konzept fest. „Wir haben uns vom damaligen Hoca der Essener Moschee beraten lassen“, sagt GSE-Geschäftsführer Heribert Piel, „seitdem besteht ein guter Kontakt zur islamischen Gemeinde, bei der wir uns regelmäßig vorstellen“.

GSE - Konzept mit Zukunft

Es versteht sich von selbst, dass in der hauseigenen Küche Halal, also ohne Schweinefleisch, gekocht wird, dass der Koran so selbstverständlich wie die Bibel ausliegt, dass es deutsche und türkischsprachige Zeitungen gibt, dass ein türkischsprachiger Fernsehsender empfangen werden kann und das unter dem Pflegepersonal zweisprachige Muslime zu finden sind.

Allerdings wird ihre Zweisprachigkeit bislang eher selten gebraucht. „Derzeit haben wir nur zwei Bewohner muslimischen Glaubens bei uns“, so Beckmann. Nichtsdestoweniger ist man bei der GSE überzeugt, dass ihr spezielles Angebot Zukunft haben wird. Bislang sei es zwar in vielen türkischen Familien noch gang und gäbe, die Eltern und Großeltern zuhause zu pflegen, „aber auch bei ihnen verändern sich allmählich die Strukturen“, glaubt Piel daran, dass kultursensible Pflege immer wichtiger wird.

Auch in Hinblick auf alte Menschen, die unter Demenz leiden. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass demente Bewohner dann nur noch in ihrer Muttersprache sprechen“, so Beckmann, „und wir sind froh, dass wir Mitarbeiter haben, die sie verstehen.“

 
 

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