Wie Schauspieler Axel Holst zum Frankenstein-Monster wird

Martina Schürmann
Die Frankenstein-Kreatur ausnahmsweise mal in Nahaufnahme: Schauspieler Axel Holst  in der Maske des Schauspiel Essen, ziemlich gruselig
Die Frankenstein-Kreatur ausnahmsweise mal in Nahaufnahme: Schauspieler Axel Holst in der Maske des Schauspiel Essen, ziemlich gruselig
Foto: FUNKE Foto Services
  • Axel Holst spielt im Grillo-Theater die Frankenstein-Kreatur
  • Zwei Stunden dauert die Verwandlung zum Monster in der Maske
  • Schon als Kind hat Holst das Verkleiden geliebt

Essen. Die Monsterwerdung des Axel Holst beginnt mit einer Trockenrasur. Einmal Komplettglatze bitte, bevor die Verwandlung startet! Bis der Schauspieler zur geschundenen Kreatur wird, hat die Maske im Schauspiel Essen zwei Stunden lang alle Hände voll zu tun. Axel Holst ist das Geschöpf in der aktuellen „Frankenstein“-Produktion am Schauspiel Essen. Am Karnevalssamstag wird er wieder auf den Bühnenboden plumpsen, zitternd, nackt, urtümlich. Von dieser gelbglibbernden Epidermis gleichsam gefangen und geschützt, die die aufgearbeiteten Nähte und Narben am Körper überzieht. Ein starker Auftritt in einer der aufwendigsten Masken, die das Essener Theater derzeit zu bieten hat.

Für spontane Nachahmer-Auftritte am Rosenmontag sei der Gruselschocker-Look aus dem Grillo allerdings nicht empfohlen. Schon das ziepende Klebeband ist eine Tortur, das sich Holst im Laufe des Abends buchstäblich im Schweiße seines Angesichts vom Körper spielt, bis er sich Hemd, Hose, Sprache und andere zivilisatorische Eigenheiten zulegt. Es gibt viele Extremsituationen, denen sich ein Schauspieler aussetzt, selten sind die Herausforderungen so offensichtlich wie hier. „Eine Rolle mit so einer Entwicklung spielen zu dürfen, ist schon selten. Da leckt man sich als Schauspieler die Finger nach“, sagt der 48-Jährige.

Das Spiel jenseits der Komfortzone

Holst gehört zu den Künstlern, die das Spiel jenseits der Komfortzone des Bühnenbetriebes durchaus mögen. Wo es weht tut, wo der gesamte Körpereinsatz gefordert ist, da schreckt er nicht zurück. Schon als Kind hat er das Verkleiden geliebt, er war Außerirdischer, eine Frau oder auch ein Penner. Und noch heute hält er es für ein besonderes Berufs-Privileg, dass man in all diese fremden Häute schlüpfen kann „und so viele Erfahrungen machen darf“. Jede neue Maske sei auch der Startschuss für eine neue Erfahrung. Eine Unterstützung, aber auch ein Schutz vor den Blicken der Zuschauer, die ihm zusehen, wie er nicht nur alle Zärtlichkeit und Scheußlichkeit, alle Einsamkeit und Grausamkeit der menschlichen Natur offenlegt, sondern auch seinen bloßen, gemarterten Körper, der ja das eigentliche Kostüm ist. Ein gewisser Exhibitionismus sei ihm als Schauspieler gegeben, sagt Holst, „mit Nacktheit habe ich keine Probleme“.

Die Maske ist für ihn heute Teil des Abenteuers Theater. Als junger Schauspieler hat er sie als Qual empfunden, damals sah er sich „zum Stillhalten verdammt“, von der energetischen Vorbereitung auf den Abend abgehalten. Heute habe er den Schalter umgelegt: „Ich genieße, dass man sich um mich kümmert.“ Beim nächsten Stück wird er weniger Zuwendung bekommen. Dann spielt er einen Manager in „Top Dogs“, als Kostüm reicht da ein Anzug. „Heute das Monster, morgen Topmanager, das sind schon Abenteuerreisen“, grinst Holst und knibbelt am Klebeband.