Wie Kioske mit "Export“-Dosen beim Pfand tricksen

In vielen Kiosks zu kaufen: importierte Getränkedosen mit Export-Aufdruck.
In vielen Kiosks zu kaufen: importierte Getränkedosen mit Export-Aufdruck.
Foto: WAZ FotoPool
Im Essener Stadtteil Bergeborbeck hat ein Kiosk mit unlauteren Mitteln beim Dosenverkauf getrickst: Warum Getränkemärkte die dort verkauften Dosen nicht annehmen, wie Dosenmacher und Ordnungshüter die Masche beurteilen und worauf Käufer beim Dosenpfand achten müssen.

Essen-Bergeborbeck.. Besuch in einem Kiosk in Essen-Bergeborbeck. Der wirbt draußen für allerhand Dienstleistungen – vom Paketdienst bis zum Internetservice. Drinnen gibt es die üblichen Kleinigkeiten auf die Hand. Gesehen, gekauft: zwei Dosen mit süßen Softdrinks und einen Schokoriegel.

„Drei Euro“, sagt der Besitzer. Das Geld wird über die Theke gereicht. Einen Kassenbon mit der Warenübersicht gibt es – wie üblich – nicht. Das soll sich wenige Tage später rächen. Als der Käufer die zwei leeren Dosen in seinem Getränkemarkt abgeben will, schüttelt der dortige Pfand-Beauftragte den Kopf. „Nehmen wir nicht.“

Dosen-Getränke ohne Pfandlogo

Die Erklärung folgt: Auf der einen Dose prangt der Schriftzug „Export“. Sie ist offenbar für den dosenpfandfreien Markt in Österreich bestimmt. Auch auf der zweiten Dose fehlt das Pfandsymbol. Sie wurde, so lässt sich bei genauerem Hinsehen feststellen, bei einem dänischen Getränkekonzern abgefüllt. Deutschsprachige Angaben zu Zutaten und Nährwerten sucht man vergeblich.

„Uns ist bekannt, dass in einigen Fällen Kioske oder andere kleinere Verkaufsstellen Getränke, die der Pfandpflicht unterliegen, in Verpackungen ohne Pfandlogo verkaufen“, teilt der Europäische Dachverband der Dosenmacher auf Anfrage mit. Auch bei der Stadt Essen weiß man von diesen unlauteren Mitteln. Solche Fälle werden, so die Auskunft, immer wieder gemeldet.

Reich wird man mit dem Pfandbetrug nicht

Die Kioskhändler behalten die bezahlten 25 Cent Pfand ein und rechnen damit, dass die Dose weggeworfen wird. Die Käufer kommen selten an den Ort des Einkaufs zurück. Belege gibt es in Büdchen zudem so gut wie nie. Reich wird damit niemand. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Und das Vorgehen ist natürlich ein Vergehen am Rande des Betrugs, heißt es aus dem Rathaus. Es ist auch nicht erlaubt, dass der Verkäufer kein Pfandgeld berechnet und die leere Dose später so zurücknimmt.

Bei der Stadt Essen ist die Untere Abfallwirtschaftsbehörde im Umweltamt für das Dosenpfand zuständig. Hier ist das immer wieder auftretende Problem bekannt. Mit Stichproben und vor allem nach Hinweisen von Bürgern gehen die Beamten gegen die Verstöße vor und sammeln die illegen Getränkedosen ein. Auch der Kiosk in Bergeborbeck dürfte in den nächsten Tagen Besuch aus dem Rathaus bekommen.

 
 

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