Wie es im geheimnisvollen Bunker unter dem Essener Arbeitsamt aussieht

Oliver Rahn steht im besonders geschützten Bereich des Bunkers unter der Arbeitsagentur.
Oliver Rahn steht im besonders geschützten Bereich des Bunkers unter der Arbeitsagentur.
Foto: WAZ
Mit dem Neubau des Arbeitsamtes am Berliner Platz entstand Ende der 1980er Jahre auch eine Bunkeranlage. War sie für die Krupp-Oberen bestimmt?

Essen.. Es war lange ein gut gehütetes Geheimnis, was sich unter dem Gebäude der Arbeitsagentur am Berliner Platz befindet. Von der Bunkeranlage im Keller wissen selbst viele Mitarbeiter bis heute nicht. Oliver Rahn, Leiter Infrastruktur im Haus, dagegen kennt sie genau und hütet sie wie einen Schatz. „Meine Hausmeister dürfen hier nichts abstellen. Da passe ich auf.“

Er steht im hinteren Teil des Parkhauses im Untergeschoss. Für Außenstehende ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, dass man sich schon mitten in der Bunkeranlage befindet. Zwei 40 Zentimeter dicke dunkelgrüne Stahltore teilen das Parkhaus und konnten bei Alarm diesen Abschnitt abriegeln. Auch die Wasserpumpe in der hinteren Ecke zeugt von der einstigen Doppelfunktion der Tiefgarage.

Bunker am Berliner Platz wurde nie ertüchtigt

Die Bunkeranlage wurde 1988, also noch in der Spätphase des Kalten Krieges zusammen mit dem Neubau des damaligen Arbeitsamtes errichtet. „Was Sie hier sehen, ist bombensicher“, sagt Oliver Rahn. Bombenangriffe hätte man hier unten also problemlos überlebt. Vor allem aber sollte der Bunker vor Angriffen mit atomaren oder chemischen Waffen schützen.

Oliver Rahn stemmt eine dicke Stahltür auf. Dahinter liegt ein schlauchförmiger Raum mit mehreren Luftpumpen. Mit ihnen konnte man Luft von außen nach innen pumpen – zur Not auch per Hand falls das Diesel betriebene Notstromaggregat ausgefallen wäre. Im Nachbarraum sind noch die riesigen Filteranlagen zu sehen, die die angesaugte Luft vorher „reinwaschen“ sollten. Außerdem musste im Innern ein leichter Überdruck erzeugt werden, so dass Luft nicht unkontrolliert nach innen kriechen konnte.

Die Bunkertechnik wurde bis 1998 gewartet, dann liefen die Verträge aus. Seither ist die Anlage sich selbst überlassen, doch vieles soll noch funktionieren.

Platz für maximal 35 Menschen

Neben den beiden Technikräumen liegt die Tür zum inneren Bereich des Bunkers. Betongraue, vier Meter hohe Wände umklammern den Besucher. Das Thermometer zeigt 15 Grad Celsius. Kein Ort, an dem man sich gerne länger aufhalten wollen würde. Für maximal 35 Menschen soll hier Platz gewesen sein. Links führt eine weitere massive Stahltür in einen fünf bis sechs Quadratmeter kleinen Raum. „Hier stehen wir im Zentrum des Bunkers. Das ist die sicherste Stelle“, meint Oliver Rahn. Dieser Raum war nochmals mit einer Filteranlage gesichert.

Doch für wen war dieser Bunker überhaupt bestimmt? Für die Mitarbeiter der Arbeitsagentur wohl nicht. „In unseren Unterlagen taucht auffallend oft der Name Krupp auf“, sagt Oliver Rahn. Ein Bunker für die Krupp-Oberen? Oder doch nur für wichtige Dokumente aus der damals nahegelegenen Krupp-Zentrale an der Altendorfer Straße? Vieles muss Spekulation bleiben.

Genauso die Frage, warum der Bunker offenbar nie vollständig ertüchtigt wurde. Denn im Inneren befanden sich nie Nahrungsmittel, Feldbetten oder Toiletten. Ein spannendes Relikt Essener Geschichte aber ist er allemal.

 
 

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