Wie die Welt Weihnachten feiert

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Essen.  Der Akademiker-Nachwuchs an der Hochschule setzt sich aus 133 verschiedenen Nationen zusammen. Eine Studentin von den Philippinen und ein junger Mann aus Ghana berichten, wie sie das Weihnachtsfest aus ihrer Heimat kennen.

Wie die Welt Weihnachten feiert, lässt sich an der Uni Duisburg-Essen im „Tutoren Service Center“ (TSC) in Erfahrung bringen, denn dort arbeiten Studenten aus aller Herren Länder. Der Akademiker-Nachwuchs an der Hochschule setzt sich aus 133 verschiedenen Nationen zusammen – somit finden sich wohl fast ebenso viele Auffassungen über die Bedeutung des Weihnachtsfests und genauso viele Arten, dieses zu feiern.

TSC-Mitarbeiterin Erlinda Amarga (33) beispielsweise kommt von den Philippinen, ein Land, dessen Geschichte stark von den früheren spanischen Kolonialherren geprägt wurde. Dies spiegelt sich auch in der Religionsstatistik: über 80 Prozent der Einwohner sind Katholiken. Dementsprechend hoch ist der Stellenwert des Weihnachtsfests.

„Auf den Philippinen sagen wir, unser Weihnachten ist das längste und lustigste Fest der Welt“, berichtet Erlinda. Los geht es nämlich schon am 16. Dezember. Von da an stehe bis Weihnachten an jedem Morgen um vier Uhr der Kirchgang auf dem Programm.

„An Heiligabend wird immer von morgens bis abends gekocht“, sagt Erlinda. Eine schweißtreibende Aufgabe – bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius. Höhepunkt auf der Weihnachts-Speisekarte sei ein komplettes Schwein, das über offenem Feuer an einem Spieß gegrillt werde. Um die Zubereitung kümmern sich ausschließlich die Männer; die Frauen sorgen für die übrigen Festtags-Leckereien: Nudeln – Spaghetti gelten als Spezialität – aber auch philippinische Frühlingsrollen, Kuchen und verschiedene Süßspeisen.

„Unsere Haustür ist an Heiligabend nie verschlossen“

Gegessen wird auf den Philippinen an Heiligabend erst nach Mitternacht. „Um Punkt zwölf gehen alle vor die Tür. Es gibt ein großes Feuerwerk, und wir wünschen uns gegenseitig frohe Weihnachten“, erzählt Erlinda. Gefeiert wird bis zum Morgengrauen, auch die Kinder bekommen erst mitten in der Nacht ihre Geschenke. „Bei meinem ersten Weihnachtsfest in Deutschland war ich völlig überrascht, als plötzlich alle so früh ins Bett wollten.“ In ihrer Heimat sei es üblich, mit mehreren Familien gemeinsam zu feiern. „Unsere Haustür ist an Heiligabend nie verschlossen. Auch Nachbarn und Freunde können jederzeit zu Besuch kommen.“

Beim Weihnachtsfest im westafrikanischen Ghana hingegen spiele der 24. Dezember eine eher untergeordnete Rolle. „Die jungen Leute gehen an diesem Tag gemeinsam zum Feiern in die Disco“, berichtet Maschinenbaustudent Frank Tagoe (26). „Weihnachten beginnt für uns erst so richtig am 25. Dezember – und der ist ein reiner Familientag.“

Früh morgens schon würden die Mütter mit dem Zubereiten der Speisen beginnen. Auf den Tisch kommen am Abend Hähnchen, Ziege, „Fufu“, ein fester Brei aus Maniok oder Yams. Als besondere Spezialität gilt „Wakye“, ein traditionelles Reis- und Bohnengericht mit gekochtem Fleisch und extrem scharfer Chilisoße.

Fallen die Weihnachtstage wie in diesem Jahr auf ein Wochenende, gäbe es in Ghana übrigens eine Besonderheit, die höchst wahrscheinlich auch in Deutschland zu einer Steigerung der Weihnachtsfreude beitragen würde. „Gefeiert wird bei uns am Wochenende, doch die Feiertage werden, damit sie nicht verfallen, direkt im Anschluss nachgeholt“, sagt Frank.