Wie die Stadt Essen von der Star Wars Celebration profitiert

Absolutes Muss für jeden Fan: Ein eigenes Laserschwert. Die ultimative Waffe aus dem Star Wars-Universum war an diesem Wochenende allgegenwärtig.
Absolutes Muss für jeden Fan: Ein eigenes Laserschwert. Die ultimative Waffe aus dem Star Wars-Universum war an diesem Wochenende allgegenwärtig.
Foto: WAZ FotoPool
Auch außerhalb der Messe verwandeln die Star Wars-Fans die Stadt Essen in eine internationale Kuriositäten-Meile: Da fahren Imperatoren U-Bahn und schlürfen finstere Kopfgeldjäger „Jedi Juice“-Cocktails auf der Rü. Dabei hat die europaweite Celebration nicht nur Fans vom anderen Stern glücklich gemacht.

Essen. Genüsslich verspeist der „Möter“ (halb Mensch, halb Köter) aus der Star Wars-Persi­flage „Spaceballs“ gemeinsam mit zwei Jedi-Rittern einen Döner auf der Rüttenscheider Straße. Unter der flauschigen Hundemütze steckt Alex aus der Ukraine, der gemeinsam mit Tochter Zoia zu „dem Ereignis des Jahres“ nach Essen gereist ist.

Es sind skurrile Szenen, die sich am Wochenende auch außerhalb der „Star Wars Celebration“ in der Messe auf Essener Straßen abspielen. Da bekämpft ein asiatischer Junge im Wassergarten einen angsteinflößenden Kopfgeldjäger mit seinem Laserschwert, fahren Prinzessinnen und Imperatoren ganz gewöhnlich mit der U-Bahn und trinken imperialistische Truppen Cocktails wie „Yoda Soda“ oder „Jedi Juice“ in ausgewählten galaktischen Kneipen entlang der „Rü“.

„Ich habe mich heute ein bisschen wie im Urlaub gefühlt. Super warmes Wetter und überall fremde Sprachen“, jauchzt die tief dekolletierte Empfangsdame im Club Frida am Rüttenscheider Stern. Auf Besuch aus fremden Galaxien wartet sie Samstag um Mitternacht noch vergeblich; „Star Wars-Fans sind nicht unbedingt Club-Gänger“, vermutet sie. Dass die Anhänger der Science-Fiction-Saga ein ganz irdisches, kühles Blondes aber nicht verachten, zeigt sich gut einen Kilometer weiter vor dem Irish Pub. Jason Dement aus Mississippi lässt sich in seinem selbst geschneiderten Kopfgeldjäger-Kostüm – inklusive eines Schutzschildes aus einer Teflonpfanne – breit lächelnd von „gewöhnlichen“ Nachtschwärmern ablichten. „Die ganze Celebration hier ist super organisiert. Sogar die U-Bahn hat sich darauf eingestellt, es ist sehr leicht, durch die Stadt zu kommen“, lobt der 30-Jährige mit breitem, amerikanischen Akzent.

Galaktisches Familientreffen

Einen Tisch weiter schwärmen David, Sean, Patrick und Dan von der „familiären Atmosphäre überall“. Sie stammen aus Colorado, New York, Virginia, sind seit vier Jahren für die US-Army in Stuttgart stationiert. Star Wars halte das Kind in ihnen wach, erzählen die Mitt-Dreißiger. Auch ihre Kinder wüchsen zurzeit zu kleinen „Lukes und Leias“ heran, das Phänomen „Star Wars“ verbinde eben alle Generationen und Gesellschaftsschichten.

Das hatte sich schon einen Tag zuvor beim Public Viewing im Grugapark gezeigt. Auf einer riesigen LCD-Leinwand flimmerte „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ über die Tummelwiese. Mehr als 1000 Fans hatten es sich auf Picknick-Decken gemütlich gemacht, während im Hintergrund langsam die Sonne in den Baumkronen verschwand. Manche Momente könnte eben nicht einmal George Lucas besser ins Drehbuch schreiben.

Gutes Geschäft für Gastronomie und Hotels

Dem heimischen Hotel- und Gastronomiegewerbe hat die Star Wars-Celebration ein gutes Geschäft in der sonst eher mauen Sommerzeit beschert. So vermeldete Eva Sunderbrink, Geschäftsführerin der Essen Marketing GmbH bereits am Freitag ausgebuchtes Hotels: „Nahezu alle Zimmer sind am Wochenende belegt. Das betrifft große Vier-Sterne-Häuser ebenso wie kleinere Pensionen.“

Auch die Gastronomie hatte sich auf den internationalen Besuch vorbereitet. Zur vom Veranstalter offiziell angekündigten Kneipen-Tour am Samstag boten Bars wie das PlanB und der Irish Pub eigens kreierte Speise- und Getränkekarten an, das Personal trug T-Shirts im Star Wars-Look. „Wir hatten sehr viel internationales Publikum zu Gast. Vor allem viele Amerikaner und Iren waren an diesem Wochenende bei uns“, sagte Kellnerin Nara vom Irish Pub. Sie lobte das „sehr entspannte Publikum“ für dessen Offenheit: „Hier kommen alle Fans sofort ins Gespräch.“

Im Plan B lief unterdessen Episode VI zum gefühlt hundertsten Mal auf zahlreichen Bildschirmen rauf und runter, während die Fans eine „Padawan-Pizza“ oder einen „Ham Solo“ bestellen konnten.

Auch die Evag war vorbereitet, hatte englischsprachige Werbung in der U11 angebracht: „Die Evag-Rebellen kämpfen für einen guten öffentlichen Nahverkehr.“

Kommentar: Offenheit vom anderen Stern

Touristisch galt Essen bis zum Kulturhaupstadt-Jahr eher als vom Kohlenstaub-Image geschwärzte Diaspora. Das vergangene Wochenende hat einmal mehr gezeigt, dass die Stadt in der Außendarstellung auf einem guten Weg zu mehr Welt-Offenheit ist. Witzige Ideen wie die Darth-Vader-Stadtrundfahrt und das Public Viewing im Grugapark, augenzwinkernde Evag-Werbung in den U-Bahnen, kooperierende Gastronomie-Betriebe und nicht zuletzt viele Essener, die den Besuchern aus aller Welt einen herzlichen Empfang in ihrer Stadt bereiteten: Wer am Wochenende rund um die Messe unterwegs war, dem wurde nicht nur wegen der sommerlichen Hitze in vielen Situationen warm ums Herz.

Es bleibt zu hoffen, dass Essen Marketing GmbH, Hotels und Gastronomie an dieser Linie festhalten und auch bei künftigen Großveranstaltungen mit internationalem Publikum an einem Strang ziehen. Schließlich hängt der Erhalt eines Messestandortes nicht allein von Investitionen ab.

 
 

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