Essen

Wie der Essener AfD-Politiker Guido Reil es in die New York Times geschafft hat

Guido Reil bei einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2017 in Gelsenkirchen.
Guido Reil bei einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2017 in Gelsenkirchen.
Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Fotoservices
  • Die AfD gilt als großer Gewinner der Bundestagswahl 2017
  • Die New York Times sucht Gründe für den Erfolg der Partei
  • Im Fokus: Der Essener Guido Reil

Essen. Er war das Gesicht der Arbeiterklasse auf den AfD-Wahlplakaten bei der Bundestagswahl 2017. Ein Bergmann, der für die AfD in der SPD-Hochburg Nordrhein-Westfalen kämpft: Guido Reil.

Zuvor hatte der Essener den Sozialdemokraten nach langen Jahren den Rücken gekehrt hat. Deshalb hat Guido Reil jetzt Besuch von der legendären US-Zeitung New York Times bekommen.

Was steckt dahinter?

Die Bundestagswahl war eine schallende Ohrfeige für die regierende Große Koalition. Während die Union um Kanzlerin Merkel 8,6 Prozent an Stimmen verlor, stürzte die SPD auf ein historisches Tief von nur knapp über 20 Prozent.

Großer Gewinner war die AfD, die mit einem zweistelligen Ergebnis als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzog. Während sich die Koalitionsbildung von Union und SPD wie ein Kaugummi hinzieht, versuchen nationale und internationale Medien den Niedergang der Sozialdemokraten und den gleichzeitigen Aufstieg der AfD zu verstehen.

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New York Times besucht das „Herz der Arbeiterklasse“

Im Ausland wird der Rechtsruck in Deutschland mit großer Sorge betrachtet. Neben den neuen Bundesländern sind es vor allem die Menschen im Ruhrgebiet, die ihre Stimme der AfD gaben.

Genau deswegen kamen nun eigens Journalisten der New York Times über den großen Teich dahin, wo das Arbeiterherz der Republik noch schlagen soll: nach Bottrop. Dort, wo mit Prosper Haniel die letzte Zeche des Potts noch Kohle fördert.

Guido Reil als Symbolfigur

Mittelpunkt der Berichterstattung über den Aufschwung der rechten Partei ist der Essener Guido Reil. Warum? Der AfD-Politiker ist als Bergmann ein Symbol für die Menschen, die sich durch den Strukturwandel und die Flüchtlingspolitik nicht mehr durch die SPD repräsentiert sehen.

Die Times zeichnet das Ruhrgebiet als Verliererregion, wo sich mit der Schließung der Zechen auch die soziale und kulturelle Szene verabschiedet hätten.

Aus solchen Gründen trat Reil nach eigenen Aussagen aus der SPD aus und verzeichnete bei der Bundestagswahl einen großen Erfolg. In seinem Heimatstadtteil Essen-Karnap holte Reil für die AfD fast 24 Prozent und in Essen 15 Prozent der Stimmen.

Verlierer bei den Gewinnern

Trotz des guten Ergebnisses bei der Bundestagswahl erhielt Guido Reil kein Bundestagsmandat, weil er auf der AfD-Landesliste nur auf Platz 26 geführt wurde.

Damit galt der Essener als innerparteilicher Verlierer der Wahl. Immerhin rückte er im Dezember als Beisitzer in den Bundesvorstand der AfD auf. Für Reil gilt seine Partei als sozial, liberal, konservativ und geradeaus.

Die Times hingegen titelt im Zusammenhang mit der AfD: „The New Siren Call of the Far Right“, also „Der neue Lockruf von Rechtsaußen“. Guido Reil scheint damit einverstanden. Auf seiner Facebook-Seite kommentiert er den Artikel mit den Worten: „Die New York Times berichtet über die AfD. Objektive (sic!), komisch ne.“

Andere widersprechen der Headline der großen US-Zeitung und damit auch Guido Reil. So schreibt Ingo M.: „Far right? Naja...Mitte halt.“

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