Wie bei der Evag 180 Streckenposten schwere Unfälle verhindern

Peter Großmann, Elektriker bei der Evag-Signaltechnik und „nebenbei“ einer der 180 ausgebildeten Streckenposten. Sie sorgen dafür, dass während der Schicht keiner am Gleis in Gefahr gerät.
Peter Großmann, Elektriker bei der Evag-Signaltechnik und „nebenbei“ einer der 180 ausgebildeten Streckenposten. Sie sorgen dafür, dass während der Schicht keiner am Gleis in Gefahr gerät.
Foto: Funke Foto Services
180 Streckenposten der Essener Verkehrsgesellschaft verhindern schwere Unfälle während der Arbeiten am Gleis. Wichtiges Warnmittel ist ihr Signalhorn.

Essen.. Dieser Mann bläst mit aller Kraft ins Horn. Nicht weil bald Weihnachten ist. Er ist im Dienst – und muss seine Kollegen am Gleis warnen, sobald er eine Bahn erblickt. Peter Großmann kann richtig laut werden, wenn die Mitarbeiter sich in Sicherheit bringen sollen. Auf 120 Dezibel kommt er. Da schreckt jeder auf. Und das ist gut so. Solange solche Leute wie Peter Großmann aufpassen und jederzeit in der Lage sind, Alarm zu blasen, ist das Schienennetz für die Arbeiter der Verkehrsgesellschaft Evag sicher. Die Erfolgsbilanz der Essener Streckenposten ist diese: In ihrer Nähe kam es seit Jahrzehnten zu keinem tödlichen Arbeitsunfall.

Nur wenige Sekunden Unachtsamkeit können Leben kosten. Eines der schwersten Unglücke an einem Straßenbahn-Gleis ereignete sich vor 13 Jahren in Düsseldorf. An einem Mai-Morgen auf der Karl-Geusen-Straße sah der Posten die U 75 und der Fahrer die Arbeiter nicht, die an einer Weiche hantierten. Der Posten und die beiden Arbeiter wurden beim Zusammenstoß mit der Bahn tödlich verletzt.

Um schwere Arbeitsunfälle am Gleis zu verhindern, gibt es nur einen Weg. „Man muss sich strikt an die Regeln halten“, sagt Michael Leusch, bei der Evag zuständig für die Signaltechnik und damit für ein 50-köpfiges Team, das vor Ort die Anlagen wartet und insgesamt über fünf Signalhörner verfügt.

Richtige Einschätzung der Entfernung enorm wichtig

Bei der Evag sind 180 Mitarbeiter dafür ausgebildet worden, eine Gleisstrecke als Streckenposten absichern zu können. Sobald mehr als drei Männer am Gleis hantieren, die Stelle unübersichtlich ist, nebliges Wetter herrscht, oder der Baulärm zu stark ablenkt, wird zum Horn gegriffen.

Rein blasen kann jeder. „Ich bin nicht musikalisch. Aber ich musste das nur zwei Mal probieren und wusste, wie das geht“, berichtet Peter Großmann, Elektriker bei der Evag und Sicherungsposten. Für diesen Job hat er alles dabei: ein eigenes Mundstück für das Horn, eine Trillerpfeife, Warnweste, Schutzschuhe, ein Handy und eine weiß-rote Anhalte-Flagge, um Autofahrer zu stoppen, die allerdings nicht immer das Haltesignal beachten. „Manche Autofahrer sind unberechenbar“, erzählt Großmann aus Erfahrung. Und mitunter fährt ein ratloser Autofahrer nicht weiter, obwohl er es kann. Weil ein Evag-Mitarbeiter ihn zwar anhalten darf, aber eben auch nicht mehr. Die Evag hat keine Befugnisse, den Individualverkehr zu lenken.

Wichtig für einen Streckenposten ist die richtige Einschätzung der Entfernung. Er kann beispielsweise ein Gleis nur dann in zehn Sekunden rechtzeitig räumen lassen, wenn er eine 30 km/h schnelle Bahn ab einer Distanz von 202 Metern erkennt. In einer Evag-Dienstanweisung sind Zeiten und Entfernungen genau festgehalten. Ebenso die Tonlage für das Horn, die je nach Situation differiert. Und wie hört sich die Warnstufe Rot an? Ganz einfach: „Dann puste ich immer hintereinander“, so Großmann. Bis die Gefahr vorbei ist.

 
 

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