Widerstand gegen den A52-Bürgerentscheid aus Gladbeck

Foto: ddp
Obwohl sich Gladbeck im Bürgerentscheid gegen den A 52-Ausbau ausgesprochen hat, gehen die Planungen für den Abschnitt im Essener Norden weiter. So will sich Bottrop nicht mit den durch den Gladbecker Bürgerentscheid gekippten Ausbau des A2-Kreuzes und der B224 bis zum A 42-Kreuz Essen-Nord abfinden.

Essen.. Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz: Hätten die Verkehrsministerien in Düsseldorf und Berlin das Schicksal der A 52 nicht an die A 2 bei Gladbeck geknüpft, die Welt in Bottrop und Essen wäre für die Befürworter der umstrittenen Transitstrecke durchs Revier eine bessere. Doch dann kam das „Wunder von Gladbeck“, wie es das Netzwerk der Bürgerinitiativen immer noch staunend in ihren Pressemitteilungen nennt: Die Gladbecker stimmten in einem Ratsbürgerentscheid Ende März mit deutlicher Mehrheit gegen die Tunnellösung für den A 52-Ausbau quer durch ihre Stadt.

Damit kippten gleichzeitig auch der geplante Ausbau des A 2-Kreuzes und der Bundesstraße 224 bis zum A 42-Kreuz Essen-Nord: Berlin will nur für eine komplette Autobahn zahlen. Damit allerdings will sich vor allem die Bottroper Stadtspitze nicht abfinden. Und so wird hinter den Kulissen schon fleißig das Feld bereitet gegen das „Wunder“, um der A 52, die bei Karnap auf Essener Stadtgebiet trifft, einen „eigenständigen Verkehrswert“ zuzusprechen – und damit die Fördertöpfe für das 3,65 Kilometer kurze Teilstück anzuzapfen.

Landtagswahlen abwarten

Wären nicht die Landtagswahlen – das Thema würde wohl längst wieder auf dem Tisch liegen. So aber hat NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger seinen Parteifreund und Bottroper OB Bernd Tischler gebeten, besser Ruhe zu wahren. Die Bottroper begnügen sich deshalb damit, in Berlin vorzufühlen: Dort lautet die offiziell gültige Version, dass man sich durchaus Mittel für das 60-Millionen-Teilstück im Norden Essens vorstellen könne, wenn denn wenigstens mit dem Planfeststellungsverfahren für das A 2-Kreuz begonnen werde.

Das aber, sagen sie im Bottroper Rathaus zähneknirschend, sei ja nun mal mit dem vermaledeiten „Nein“ der Gladbecker zum Tunnel ebenfalls versenkt worden: „Wir sehen nicht ein, warum wir in Haftung genommen werden für den Gladbecker Entscheid“, heißt es in der „Innovation City“. Das A 52-Teilstück sei ein überlebenswichtiger Bypass für Bottrop: „2018 schließt das Bergwerk, dann fallen hier 3000 bis 4000 Arbeitsplätze weg.

"Wir brauchen neues Gewerbe"

Wir brauchen neues Gewerbe und das können wir nur mit einer guten Autobahnanbindung nach Bottrop holen“, sagt beispielsweise Stadtsprecher Andreas Pläsken. Mit der A 52 käme endlich ein vernünftiger Lärmschutz für Welheim, ebenso eine verkehrliche Entlastung für die Innenstadt. Für Oberbürgermeister Tischler steht deshalb fest: „Ich werde nichts unversucht lassen, in Gesprächen mit den zuständigen Ministerien zu erkunden, ob es eine Ausbau-Alternative für Bottrop geben kann.“

Klar ist dabei aus Essener Sicht: Ist die A 2 erst einmal mit der A 42 verbunden, wäre dies Wasser auf die Mühlen der A 52-Befürworter. Der stärkere Verkehrsdruck auf die Gladbecker Straße, so das Kalkül, würde letztendlich zum Handeln zwingen – ob mit oder ohne Tunnel in Altenessen. Rund 64.000 Fahrzeuge wären ohne Ausbau kaum zu verkraften.

Den Herbst abwarten

Das hoffen insgeheim auch die Autobahn-Planer bei Straßen.NRW. Jedenfalls war das Stillhalten nach dem Bürgerentscheid nur von kurzer Dauer: „Wir sind aktuell dabei, die rund 2000 Widersprüche gegen die A 52-Planung für den Bottrop/Essener Abschnitt zu beantworten“, heißt es in der Gelsenkirchener Zentrale. Bei der zuständigen Bezirksregierung in Münster rechnen die Bauexperten damit, dass „in zwei Monaten“ alles beschieden sei, die Stellungnahme von Straßen.NRW vorliege, „und dann könnten wir eigentlich zum Erörterungstermin einladen“, so ein Sprecher in Münster.

Zuvor will die Bezirksregierung aber „Rücksprache“ mit dem Ministerium halten, bei einer Zustimmung sei ein Termin noch in diesem Jahr möglich. Und dann? Doch bauen? „Warten wir mal den Herbst ab“, heißt es mehrstimmig aus Bottrop, Münster, Gelsenkirchen und Düsseldorf. Viel hänge eben davon ab, ob Berlin das Teilstück weiterhin als Torso betrachtet. Bliebe nur diese dumme Sache mit dem A 2-Kreuz auf Gladbecker Stadtgebiet: Eine Kreuzung mit Ampeln als Übergang zur Autobahn?

Trumpf der Bürgerinitiativen

Es ist der Trumpf der Bürgerinitiativen, die auf den Bürgerentscheid in Gladbeck pochen: „Die A 52 muss jetzt aus dem Bundesverkehrswegeplan genommen werden. Das entspricht dem Planungsstopp bei Dissens, den die amtierende Landesregierung vereinbart hat.“

Ob das auch für die neue Landesregierung gilt, wird ebenfalls der Herbst zeigen. „Die 60 Millionen wären besser investiert in einen 20-Minuten-Takt zwischen Gladbeck West und Essen Hauptbahnhof“, lautet einer ihrer vielen Vorschläge. Darunter findet sich übrigens auch die Idee, die U 11 von Essen kommend über die bisherige Endhaltestelle Gelsenkirchen-Horst hinaus nach Gladbeck zu führen.

Das allerdings, sagen alle Nahverkehrsexperten, wäre dann wohl das zweite Wunder von Gladbeck.

 
 

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