Werksschwimmbad auf Zollverein in Essen - Mallorca vor der Haustür

Julia Rathcke
Sie pfeift hier die Badegäste zurecht: Die 18-jährige Schwimmmeisterin Katrin Sommer.
Sie pfeift hier die Badegäste zurecht: Die 18-jährige Schwimmmeisterin Katrin Sommer.
Foto: WAZ FotoPool
Katrin Sommer hat den wohl „coolsten“ Ferienjob in ganz Essen: Sie ist Bademeisterin im Werksschwimmbad auf Zollverein. Was daran - neben der wohl einzigartigen Kulisse - so besonders ist, und wieso sie manchmal mehr Türsteherin als Schwimmmeisterin sein muss.

Essen. „Mallorca auf Zollverein“ steht auf dem Plakat, das am Eingang des Weltkulturerbes den Besuchern das hauseigene Werksschwimmbad anpreist. Gut, Sandstrand und Palmen sind an dieser Stelle zu viel versprochen und auch der zwölf mal fünf Meter große Pool ist „nur“ aus zwei Überseecontainern zusammengeschweißt – dafür ist die Erholung vor der Haustür umsonst. Und arbeiten, wo andere urlauben, das zu tun kann Katrin Sommer hier von sich behaupten. Die 18-Jährige ist Bademeisterin im Werksschwimmbad Zollverein, der Anfertigung zweier Künstler aus Frankfurt.

Bademeister „dringend gesucht“

„Kannst du mal kurz auf meine fünf Euro aufpassen?“, sagt ein achtjähriger Badegast und zupft an ihrem Ärmel. Es gehört zwar nicht direkt zu ihren Aufgaben, aber Sommer nickt freundlich. „Nach zwei Tagen brauchte ich hier kein Namenschild mehr zu tragen“, lacht die 18-Jährige, „seitdem kennt mich hier jeder“. Dass Sommer diese Saison hauptsächlich wegen ihres Nachnamens voller Hoffnung ins Team von fünf Bademeistern aufgenommen wurde, ist übrigens nur Mutmaßung.

Tatsächlich hatte sie die Stelle schon bei der „Extraschicht“ auf Zollverein entdeckt. Eine E-Mail mit dem Betreff „Bademeister dringend gesucht“ erreichte sie aber auch über ihren Schwimmverein „Essen 06“. Dort trainiert sie sich selbst und andere seit zehn Jahren.

„Am liebsten wäre ich jeden Tag im Schwimmbad“, erklärt Sommer, während zwei Senioren mit Badekappen ihre Bahnen ziehen und einige Vierjährige mit Mama ihre Schwimmflügel testen. Zumindest beruflich sind’s seit Saisonstart am 7. Juli zwei bis vier Tage die Woche, die sie je fünf Stunden am Beckenrand verbringt – für 9,20 Euro Stundenlohn nicht der schlechteste Ferienjob für die Schülerin.

Überarbeiten musste sie sich bisher nicht: „Hier ist nichts Aufregendes passiert, ich hab’ es mir schlimmer vorgestellt“, sagt die Stoppenbergerin. Von Baywatch-Szenen und Rettungs-Aktionen also keine Spur, vielmehr müsse sie manchmal Türsteherin spielen und betrunkene Jugendliche rausschmeißen. Sie hat schließlich Hausrecht. Das besagt übrigens auch, dass höchstens 50 Personen zugleich den Poolspaß genießen dürfen – dann macht sie den Laden erstmal dicht.

Holländer mit Badehose im Gepäck 

Aber das ist nicht allzu oft der Fall, nicht nur mangels Sonnenschein und blauen Himmels. Denn auch wenn das Werksschwimmbad als Highlight in fast jedem Reiseführer des Ruhrgebiets steht – zu den Einheimischen scheint das noch immer nicht durchgedrungen: „Bevor ich den Job hatte, kannte ich es selbst nicht“, gibt die Schülerin zu.

Dafür wissen die Landesnachbarn offenbar umso besser Bescheid: „Neben Kindern aus der Nachbarschaft sind es oft Holländer, die hier schwimmen kommen,“ so Sommer. Für den Besuch der Industriekultur ist die Badehose stets mit dabei.

Für den Rest der Ferien bleibt zu hoffen, dass Bademeisterin Sommer abgesehen von sporadischen Seepferdchenkontrollen nicht zum Einsatz kommen muss. Und dass das Wetter noch einige Tage Mallorca-Temperaturen bereithält.

130.000 unbeheizte Liter

Vor der ehemaligen Ofenbatterie 9 der Kokerei auf Zollverein, in der noch bis 1993 Kohle zu Koks veredelt wurde, haben die Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic 2001 das Werksschwimmbad aus zwei Überseecontainern und einem Holzgestell gebaut. Das Becken ist 12 mal 5 Meter lang, 2,40 Meter tief und mit 130.000 Litern unbeheiztem Wasser gefüllt. Nur in den Sommerferien ist es bis 21. August täglich (wetterabhängig) von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt ist frei.