Wenn Helfen zur Farce wird

Sarah Heppekausen
Sven Seeburg, Jannik Nowak, Bettina Schmidt (v.l.) in einer Szene aus Ingrid Lausunds Stück „Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner“.
Sven Seeburg, Jannik Nowak, Bettina Schmidt (v.l.) in einer Szene aus Ingrid Lausunds Stück „Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner“.
Im Essener Grillo-Theater hat Sonntag Inge Lausunds stück „Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner“ Premiere. Bereits im Vorfeld gab es Beschwerden über den provozierenden Titel des Stücks.

Essen.  Thomas Ladwig ging es bislang wie manchen Figuren seiner Inszenierung. Das Elend der Welt ist bekannt, Entwicklungshilfe gut und wichtig. „Aber letztendlich macht man doch nichts.“ Der 30-jährige Essener bringt Ingrid Lausunds Komödie „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ im Grillo auf die große Bühne. Im Stück diskutieren fünf selbsternannte Menschenretter über Political Correctness, die „gute Sache“ und die glaubwürdigste Version einer erfolgreichen Spendengala.

Ladwig ist kein Redenschwinger. Wenn er von seiner Arbeit erzählt, sprudeln zwar Sätze aus ihm heraus. Aber das sind keine wohlformulierten Aussagen. Das sind Abrisse seiner Gedankenwelt, die er wahrscheinlich lieber für sich behalten hätte. Sätze, die er im nächsten Moment angeblich schon wieder vergessen hat. Auch als Regisseur vertraut er nicht allein auf das Wort.

Seine Inszenierung von Tilman Rammstedts Roman „Der Kaiser von China“ in der Casa – die 2009 noch unter Intendant Anselm Weber zur Aufführung kam – ergänzte den Text mit etlichen intelligenten Einfällen. Und Lausunds „Benefiz“ bekomme Handlung, erklärt er.

Die Autorin hat ihr Stück bereits mehrfach selbst inszeniert. Da sitzen die fünf Spendenaufrufer dann hinter Konferenztischen und studieren die richtige Betonung des Wortes „Hungerkatastrophe“ ein, proben den rührenden Tränenausbruch und verwickeln sich nach und nach in Eitelkeiten, Übereifer und Befindlichkeiten. Ladwig will auf der Bühne mehr dramatische Entwicklung, bringt die Figuren miteinander in Beziehung. Für mehr Spannung fügt er Fremdtexte, Gesang und Slapstick-Elemente ein. „Es bleibt moralisch“, verspricht er. Aber er wolle die Zuschauer nicht mit einem schlechten Gefühl nach Hause schicken.

Die Bühne von Jürgen Höth bleibe ein undefinierter Raum, eine Wabenlandschaft mit verschiedenen Ebenen und den vielen Möglichkeiten einer Mehrzweckhalle. Da kann eine glamouröse Spendengala gefeiert werden oder auch der allmähliche Untergang des Vorzeigebürgertums. Er wird reichlich verspottet in Lausunds Komödie, der Gutmensch. Regisseur Thomas Ladwig will eine Mischung aus Unterhaltung und böser Satire inszenieren. „Ich glaube, dass die Reaktionen sehr geteilt sein werden. Bei diesem Thema geht der Humor auseinander.“

Empörung über den Stücktitel gab es schon im Vorfeld

Erste Empörungen hat es im Vorfeld schon gegeben. Eine Essenerin habe sich bereits über den Titel beschwert. Dramaturgin Judith Heese kann das kaum verstehen. „Der Titel verspricht doch ganz klar einen humorvollen Abend.“ Der erste Gedanke, den die Autorin beschäftigt habe, sei der über den Wert des Menschen. Auch das spiegelt der Titel, eben Moral und Satire. Thomas Ladwig kommt der kleine Protest jedoch ganz recht. Den wünscht er sich auch für seine Inszenierung: „Hoffentlich wird sich jemand empören“.

Regisseur stammt aus Essen

Der gebürtige Essener Thomas Ladwig studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in Leipzig. 2008 kehrte er wieder zurück ins Ruhrgebiet. Unter der Intendanz von Anselm Weber arbeitete er als Regieassistent und inszenierte „Ein Volksfeind“ und die Uraufführung „Der Kaiser von China“. Seit einem Jahr arbeitet der 30-Jährige als freier Regisseur. Im Grillo zeigte er unter anderem in der vergangenen Spielzeit den Doppelabend „Solo“.

Die Premiere von „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ beginnt am Sonntag, 6. November um 19 Uhr im Grillo-Theater.

Bereits am heutigen Freitag findet um 19 Uhr eine öffentliche Probe statt. Info & Karten unter: Tel.: 0201 / 81 22 200.