Wenn das Wohnzimmer zur Galerie wird

Foto: WAZ FotoPool

Man muss noch nicht einmal die Klingel betätigen; die Haustüren stehen weit offen und schon hat der Besucher Zugang zu privaten Wohnzimmern, darf sich umschauen und bekommt dazu sogar noch Kaffee und Kuchen angeboten. Doch bei der Aktion „Kunst im Wohnraum“ geht es natürlich nicht darum, sich Blicke in anderer Leute Privatsphäre zu verschaffen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Werke der Künstler, die in den privaten Räumen ausgestellt sind. Das Prinzip ist einfach: Jeder kann mitmachen, muss sich selbst einen Künstler aussuchen, den er zu sich einlädt und eben bereit sein, fremde Menschen in seine Wohnung zu lassen. Neu ist die Idee im Moltkeviertel nicht, die Aktion geht mittlerweile in die fünfte Runde. In den fünf Wohnungen, die an diesem Tag zu Galerien werden, geht es zu wie im Taubenschlag.

„Das Ganze ist wesentlich persönlicher als in Galerien auszustellen“, findet Künstlerin Sandra Setzkorn, die ihre Werke bei Familie Brussig/Goedicke an der Ruhrallee präsentiert. Fischgrät-Parkett und Stuckleisten bilden den Rahmen für Setzkorns Leinwände, die direkt anders wirken, wie die Künstlerin findet. Die Familie gehörte in den vergangenen Jahren zu den Besuchern, „dann wollten wir selbst mal einladen“, begründet Martin Brussig die Teilnahme. Die Gäste schauen sich um, kommen sowohl mit der Familie als auch mit der Künstlerin ins Gespräch und gehen anschließend eine Etage höher, zu Familie Stachelhaus, die sich den Objektkünstler Jáchym Fleig ins Haus geholt hat.

Nur einen Häuserblock weiter findet sich der nächste Ausstellungsort: am Moltkeplatz bei Familie Lambrecht-Wagenitz. Zwischen vielen persönlichen Bildern von Lisa Lambrecht-Wagenitz und Volker Wagenitz hat Künstlerin Gerda Schlembach noch Lücken an den Wänden gefunden, in denen sie ihre Fotografien platziert. „So bekommt man einen Eindruck davon, wie zeitgenössische Kunst im eigenen Wohnumfeld aussehen könnte“, nennt Schlembach einen Vorteil der Aktion und: „Ein spannender Kontrast, wenn die Kunst auf persönliche Dinge trifft.“

 
 

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