Weniger Feinstaub, aber trotzdem dicke Luft in Essen

Deutlich weniger Feinstaub an der Gladbecker Straße: 2005 wurde  der zulässige Tageswert an 62 Tagen überschritten, zehn Jahre später war das noch 20 Mal der Fall – und damit im erlaubten Rahmen, den die EU vorgibt.
Deutlich weniger Feinstaub an der Gladbecker Straße: 2005 wurde der zulässige Tageswert an 62 Tagen überschritten, zehn Jahre später war das noch 20 Mal der Fall – und damit im erlaubten Rahmen, den die EU vorgibt.
Foto: WAZ Fotopool
  • Zu hohe Stickoxid-Werte an fünf Messstellen
  • Umweltdezernentin will nicht noch mehr Straßen sperren lassen
  • Autohersteller sollen für bessere Abgaswerte sorgen

Essen. Die krebserregende Feinstaub-Belastung ist in Essen weiter zurückgegangen. Auch 2015 wurden hier keine Grenzwerte überschritten. Das geht aus dem jüngsten Bericht des NRW-Umweltministeriums hervor.

Die Essener Umweltdezernentin Simone Raskob führt diesen Erfolg auf die vor Jahren vergrößerte und verschärfte Umweltzone zurück, in der nur Autos mit grüner Plakette fahren dürfen.

Stickoxid-Belastung weiterhin hoch

Aber angesichts der nach wie vor hohen Verschmutzung durch atemwegbelastende Stickoxide, die in Essen an besonders verkehrsstarken Straßen über das erlaubte Maß hinaus geht, fordern der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und die Deutsche Umwelthilfe noch schärfere Regeln. Simone Raskob bleibt da etwas skeptisch: „Wir können nicht einfach noch mehr Straßen sperren und mehr Umleitungen einrichten.“

Umweltschützer drängen darauf, dass nur noch Autos mit „Blauer Plakette“ (also Dieselfahrzeuge, die die strenge Abgasnorm Euro 6 erfüllen) in der Umweltzone fahren dürfen. Die „Blaue Plakette“ soll noch dieses Jahr kommen, erklärte vor wenigen Wochen die Umweltministerkonferenz.

Die Essener Beigeordnete Raskob dämpft aber zu große Erwartungen. „Wir sind bei diesem Thema sehr zurückhaltend und warten erstmal ab, bis die rechtlichen Grundlagen vorliegen.“ Für sie kommt ein Essener Alleingang nicht in Frage. „Wir können als Stadt nicht isoliert vorpreschen. Wenn, dann muss das auf Landesebene geregelt werden und in Einklang mit unseren Nachbarstädten geschehen.“

Keine Kehrtwende

Die bisherigen, jahrelangen Bemühungen um einen Rückgang der Stickoxid-Belastung haben zwar zu Verbesserungen, aber noch nicht zu einer wirklichen Kehrtwende geführt. Im Vorjahr wurde an fünf von neun Messstellen in Essen der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten.

In Frohnhausen waren es gar 50 Mikrogramm ( - 2 gegenüber 2014), auf der Alfredstraße 49 (-5,) auf der Krayer Straße 45 (-1), auf der Gladbecker Straße 43 (-2) und auf der Brückstraße 42 (-2). Vom Messpunkt mit den bisher höchsten Werten an der A 40 in Frillendorf (2014: 56 Mikrogramm) liegen keine Ergebnisse vor.

Eingehalten wurden im Vorjahr die Grenzwerte in Vogelheim (27), In der Baumschule (29), in Schuir (33) und auf der Steeler Straße (36).

Entwarnung beim Feinstaub

Hauptverursacher für die hohen Stickoxid-Konzentrationen sind die Abgase der Dieselfahrzeuge. In Essen fährt rund jedes zweite Auto mit Diesel. „Hier muss man an die Verursacherquelle, also an die Motoren ran, um das Problem zu lösen“, betont Dezernentin Raskob.

Entwarnung gibt es hingegen beim Feinstaub. Beispiel Gladbecker Straße: Dort wurde 2005 noch der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm an 62 Tagen überschritten, zehn Jahre später geschah das nur noch an 20 Tagen (erlaubt sind 35 Überschreitungstage pro Jahr).

Der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm für Feinstaub (PM10) wird überall teils deutlich unterschritten: Auf der Gladbecker Straße waren es im Vorjahr 25 Mikrogramm (-1), in Vogelheim 22 (unverändert) und auf der Steeler Straße 21 Mikrogramm (-2).

 
 

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