Weltkriegsbombe in Essen-Rüttenscheid war um 17.37 Uhr entschärft

Pirkko Gohlke, Jennifer Schumacher, Philipp Wahl
In Essen-Rüttenscheid entdeckten von der Bezirksregierung beauftragte Experten am Mittwoch (24. Juni) vier Meter unter der Müller-Breslau-Straße eine Weltkriegsbombe. Um 17.37 Uhr war der Blindgänger entschärft.
In Essen-Rüttenscheid entdeckten von der Bezirksregierung beauftragte Experten am Mittwoch (24. Juni) vier Meter unter der Müller-Breslau-Straße eine Weltkriegsbombe. Um 17.37 Uhr war der Blindgänger entschärft.
Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Service
Vier Meter unter der Müller-Breslau-Straße hatte eine Spezialfirma am Mittwochmorgen eine Fliegerbombe gefunden. Von dem Sprenkörper in Rüttenscheid waren 5000 Anwohner betroffen. Um 17.08 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen, seit 17.37 Uhr ist der Blindgänger entschärft.

Essen. In Essen-Rüttenscheid musste am Mittwochnachmittag eine Weltkriegsbombe entschärft werden. Der Blindgänger, eine britische Fünf-Zentner-Bombe, lag etwa vier Meter unter der Müller-Breslau-Straße in Höhe der Hausnummer 42, also in der Nähe der Shell-Tankstelle dort. Nach der Evakuierung im Schnellverfahren konnte der Sprengmeister um 17.38 Uhr Entwarnung geben, so dass der Startschuss für den Essener Firmenlauf durch Rüttenscheid wie geplant um 19 Uhr fallen kann. Die Chronik des Großeinsatzes:

17.37 Uhr: Entwarnung! Peter Giesecke hat den Blindgänger an der Müller-Breslau-Straße unschädlich gemacht. Die Straßen in Rüttenscheid werden gleich wieder befahrbar sein, die 1000 Anwohner können in ihre Wohnungen zurück, 4000 weitere wieder ins Freie.

17.20 Uhr: Während Sprengmeister Giesecke der Bombe den Zünder herausdreht, werfen wir einen Blick zurück auf die Zeit, in der die Royal Air Force die Fliegerbombe auf Essen abwarf: Bis Kriegsende kamen bei den Angriffen in Essen 6384 Zivilisten ums Leben. Beim ersten Großangriff auf Essen am 5. März 1943 starben 461 Essener, 1593 wurden verletzt. Dank des Bunkerbaus in der Stadt war die Zahl der Opfer geringer als es der Zerstörungsgrad vermuten lassen würde: Von den 185.300 Vorkriegswohnungen wurden 64.000 komplett zerstört, 36.000 schwer beschädigt. Die Altstadt war zu 93 Prozent vernichtet.

17.12 Uhr: Feuerwerker Peter Giesecke hat schon längst aufgehört, die Bomben zu zählen, die er entschärft hat. Trotz all der vielen erfolgreichen Einsätze sitzt seine Ehefrau Heidrun nun wohl zuhause in Oberhausen-Alstaden und wartet auf den erlösenden Anruf ihres Mannes. Sie habe „immer panische Angst“, wenn er die gefährlichen Altlasten des Zweiten Weltkrieges unschädlich machen muss.

Sie wird Giesecke gleich direkt nach der Entschärfung anrufen.

17.08 Uhr: Sprengmeister Peter Giesecke darf jetzt mit der Entschärfung der Fliegerbombe beginnen.

16.55 Uhr: Noch nichts Neues vom Krisenstab. Die Evakuierung ist noch nicht abgeschlossen.

16.45 Uhr: Auch die Autobahn-Abfahrt Essen-Süd (29) ist seit 16 Uhr gesperrt. Auf der A52 staut sich der Verkehr vor dem Dreieck Essen-Ost zwar ohnehin wegen der Dauerbaustelle dort täglich. Heute brauchen die Auto- und Lkw-Fahrer dort aber wohl besonders gute Nerven: Im Moment ist der Stau zwischen dem Dreieck (30) und der Ausfahrt-Rüttenscheid (28) laut WDR vier Kilometer lang.

Im Gefahrenbereich leben 5000 Menschen

16.40 Uhr: In Evakuierungs- und Sicherheitszone leben 5000 Menschen. Die Evakuierung läuft nach Plan, sagt Stadtsprecher Martin Rätzke: "Wir sind optimistisch, dass es nicht mehr so lange dauert, bis die Entschärfung beginnen kann."

16.25 Uhr: "Nach meinem Wissen hat es bei der Evakuierung bislang keine Probleme gegeben", berichtet Stadtsprecher Martin Rätzke. Bevor die Einsatzleitung Truppführer Peter Giesecke grünes Licht geben darf, müssen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes einen zweiten Kontrollgang durch die Evakuierungszone (innerer Bereich) und durch die Sicherheitszone (äußerer Bereich) machen. Erst wenn dann keine Menschen mehr in ihren Wohnungen beziehungsweise auf der Straße sind, darf Giesecke mit der Entschärfung beginnen.

16.20 Uhr: Relativ gelassen beobachten Nico Bradatsch und sein Team von der Kampfmittelbergung die Szenerie an der Müller-Breslau-Straße. Die Arbeit des Trios um Bradatsch ist fast getan, am Vormittag waren sie auf die Fünf-Zentner-Bombe gestoßen. Die Auswertung von Luftbildern hatte den Verdacht nahe gelegt, dass in der Nähe der Mehrfamilienhäuser mit der Hausnummer 42 ein oder mehrere Blindgänger verborgen sind.

Da die Stadtwerke dort die Kanäle neu verlegen wollen, hatte die Düsseldorfer Bezirksregierung die Fachfirma Schollenberger aus Celle mit der gezielten Suche beauftragt – ein Standardverfahren. Seit einer Woche, berichtet Nico Bradatsch, forschen sie im Untergrund: „Den ersten Verdacht an der Straßenkreuzung konnten wir ausschließen. Vor den Häusern aber sind wir dann tatsächlich auf den britischen Blindgänger gestoßen.“ Dabei gehe das Team mit größer Vorsicht vor, bohre langsam Schritt für Schritt. „Nimm dir Zeit, nicht das Leben“, sei ihr oberstes Gebot, sagt der Kampfmittelbergungs-Experte.

16.15 Uhr:

16.10 Uhr: Ahlrich Tjarde (69) und seine Frau Gertrud leben seit drei Jahren an der Müller-Breslau-Straße 40, in direkter Nachbarschaft zum Blindgänger also. „Dass hier ein Verdacht besteht, darüber hatte uns der Hauseigentümer bereits in einem Schreiben informiert. Seit der Fund nun aber bestätigt ist, bin ich doch ziemlich nervös. Das ist kein schönes Gefühl, eine Bombe vor der Haustür liegen zu haben“, sagt Getrud Tjarde. Sie fahren zu ihren Kindern nach Heisingen, um die Zeit der Entschärfung zu überbrücken.

16 Uhr: Nun werden wie geplant auch die Zufahrten in die Sicherheitszone gesperrt, weshalb auch die Busse der Evag nun Umwege fahren müssen. Wenn jetzt alles glatt läuft bei der Evakuierung, kann Sprengmeister Peter Giesecke vielleicht schon vor 17 Uhr damit beginnen, der Bombe den Aufschlagzünder zu ziehen.

15.55 Uhr: Nochmal zur Erklärung: Die Anwohner im näheren Umfeld der Bombe (innerer Bereich, Evakuierungszone) müssen ihre Häuser verlassen. Wer in der Sicherheitszone (äußerer Bereich) wohnt, soll sich während der Entschärfung in geschlossenen Räumen aufhalten und Fenster und Türen geschlossen halten (äußerer Bereich). Die Anwohner werden über Lautsprecherdurchsagen sowie durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Feuerwehr und der Polizei vor Ort informiert.

15.45 Uhr: Die S-Bahn-Linie der S6 führt zwar durch den Gefahrenbereich, aber nicht unmittelbar durch die Evakuierungszone: Die S6 muss also gleich nicht pausieren.

Letzte Zufahrten in Sicherheitszone werden um 16 Uhr gesperrt

15.40 Uhr: In die Evakuierungszone (innerer Kreis) kommt kein Auto mehr. Die Baken stehen. Als nächstes werden Polizei und Ordnungsamt die Absperrungen an den äußeren Sperrstellen auf die Straßen stellen. Das soll pünktlich zum Unterrichtsende in den betroffenen Schulen passieren: also um 16 Uhr.

15.30 Uhr: Die Evakuierung der evangelischen Altenwohnungen an der Isenbergstraße hat begonnen. Vor allem für Gretel Hinderks wird dieser Tag unvergessen bleiben: Ausgerechnet an ihrem 88. Geburtstag, die Kaffeetafel war schon eingedeckt, wurde die Bombe in direkter Nachbarschaft gefunden. Mit einem Bus der Evag werden die Senioren in die Betreuungsstätte an der Weserstraße gebracht. "Wir sind da ja flexibel, Kaffee können wir auch dort trinken", sagte das Geburtstagskind.

15.15 Uhr: In diesem Bericht steht, warum noch immer so viele Bomben und andere Sprengkörper in Nordrhein-Westfalen unter der Erde liegen.

15.05 Uhr: Von der Bombenentschärfung sind laut Evag folgende Buslinien betroffen: 145, 146, 160, 161. Die Busse können an einigen Haltestellen nicht stoppen. Hier informiert die Evag über Details.

Kampfmittelbergung GmbH suchte Blindgänger seit einer Woche

15 Uhr: Der Blindgänger, der vier Meter unter der Müller-Breslau-Straße liegt, wurde heute nicht etwa zufällig von Bauarbeitern gefunden: Mitarbeiter einer Spezialfirma für Kampfmittelbeseitigung, die Schollenberger Kampfmittelbergung GmbH, hatten an der Straße im Auftrag der Bezirksregierung seit einer Woche nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Heute Morgen waren sie dann in Höhe der Hausnummer 42 fündig geworden. Seit voriger Woche untersuchen die Stadtwerke Essen den Boden unter der Müller-Breslau-Straße, um Kanalarbeiten vorzubereiten.

Grundlage für die Suche waren Luftbilder der Bezirksregierung Düsseldorf. Diese Aufnahmen machten die Alliierten während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, später wurde sie an den Kampfmittelbeseitigungsdienste übergeben. Insgesamt gibt es rund 330.000 solcher Luftbilder für NRW. Sie werden beispielsweise vor Bauvorhaben ausgewertet.

14.45 Uhr: Über 300 Einsatzkräfte bereiten zurzeit die Evakuierung und die Entschärfung der Bombe vor. Allein die Freiwillige Feuerwehr hat 51 Helfer zusammentrommeln können. Im Leitungstab in der Hauptwache der Feuerwehr koordinieren 25 Bedienstete und Mitarbeiter den Großeinsatz.

Straßen sollen ab 15 Uhr gesperrt werden

14.18 Uhr: Die Stadt hat mit der Evakuierung begonnen: Über Lautsprecherdurchsagen werden die Anwohner gebeten, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Stadt plant, ab 15 Uhr die Straßen zu sperren, erklärt Stadtsprecher Martin Rätzke.

14.03 Uhr: Noch steht nicht genau fest, wann die Evakuierung beginnt. Sobald es soweit ist, werden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die betroffenen Anwohner informieren – dazu gehen die Mitarbeiter von Haustür zu Haustür und es gibt Lautsprecherdurchsagen auf den Straßen.

13.25 Uhr: Wann die Bombe entschärft werden kann, hängt außerdem davon ab, wie schnell Ordnungsamt, Feuerwehr und Hilfsdienste ihre Mannschaften zusammentrommeln können und wie schnell die Absperrungen nach Rüttenscheid gebracht werden können. Die liefert die Gesellschaft für verkehrstechnische Anlagen (GVA), eine Firma aus Essen.

Blindgänger wird erst nach Schulende entschärft – nicht vor 16 Uhr

13.16 Uhr: Ob die Schüler diese Rücksichtnahme zu schätzen wissen? Die Bombe wird nicht vor 16 Uhr entschärft", erklärt Stadtsprecher Martin Rätzke. "Es wird gewartet, bis der Unterricht an den drei betroffenene Schulen beendet ist."

13.10 Uhr: Die Betreuungsstelle für Anwohner, die ihre Wohnungen in der Evakuierungszone verlassen müssen, wird im Gemeindezentrum an der Weserstraße, Ecke Elbestraße eingerichtet. In der Evakuierungszone sind 1000 Menschen gemeldet.

12.45 Uhr: An diesen Stellen werden laut Stadt die Zufahrten in die Gefahrenzone gesperrt:

12.20 Uhr: Die Zufahrten in die Evakuierungs- und in die Sicherheitszone werden wohl erst am frühen Nachmittag gesperrt werden (vorsichtige Schätzung der Redaktion: zwischen 14 und 15.30 Uhr). Darum rät Stadtsprecherin Nicole Mause Teilnehmern des 5. Essener Firmenlaufs, frühzeitig und "am besten mit dem ÖPNV anzureisen. Es wird schwierig werden, sein Auto am späten Nachmittag in Rüttenscheid zu parken."

Der Essener Firmenlauf führt nordwestlich der Bomben-Fundstelle von der Huyssenallee (in Höhe Philharmonie) zur Rüttenscheider Straße, über die Magdalenenstraße und Ursulastraße zur Trasse des Grugaradwegs, dann in den Grugapark. Die Strecke ist 5,1 Kilometer lang. Der Lauf endet auf der großen Wiese neben dem Grugabad. 8395 Läufer aus 322 Firmen sind gemeldet, der erste Start ist um 19 Uhr.

A52-Ausfahrt Essen-Süd wird gesperrt, 1000 Anwohner müssen Wohnung verlassen

12.15 Uhr: Stadtsprecherin Nicole Mause berichtet erste Details der Evakuierung:

  • Etwa 1000 Anwohner müssen ihre Wohnungen für die Bombenentschärfung verlassen. In der Evakuierungszone liegen zum Beispiel die Hochhäuser an der Sylviastraße.
  • Während der Evakuierung und der Bombenentschärfung wird auch die Ausfahrt "Essen-Süd" (29) gesperrt. "Die A 52 bleibt aber befahrbar", erklärt Stadtsprecherin Mause.
  • In der Evakuierungszone (250-Meter-Radius), die alle Anwohner verlassen müssen, liegen auch drei Schulen: die Bertha-von-Suttner-Ganztagsrealschule, das Maria-Wächtler-Gymnasium und das Helmholtz-Gymnasium Essen. Der Schulbetrieb ist nicht beeinträchtigt, weil die Evakuierung erst nach Schulschluss beginnen kann.
  • Auch eine Senioreneinrichtung mit bettlägerigen Bewohnern muss wie schon vorige Woche in Holsterhausen geräumt werden: Zu den evangelischen Altenwohnungen an der Isenbergstraße 81 zählen 30 seniorengerechte Wohnungen. Anders als zunächst hier gemeldet muss das DRK-Seniorenzentrum an der Henri-Dunant-Straße (182 Bewohner) nicht geräumt werden. Die Bewohner dürfen das Gebäude stattdessen später während des Einsatzes nicht mehr verlassen.
  • Auch das Schwimmzentrum Rüttenscheid liegt in der Evakuierungszone und wird geschlossen.

11.55 Uhr: Auch die Pressesprecherin der Stadt, Nicole Mause, verfolgt die Beratungen des Krisenstabes. Die aber aber noch gar nicht angefangen. Mause bittet um etwas Geduld: "Wir werden in Kürze die wichtigsten Eckdaten zum Einsatz bekanntgeben."

11.50 Uhr: Der Krisenstab mit Vertretern der Stadtverwaltung kommt zurzeit in der Hauptwache der Feuerwehr Essen an der Eisernen Hand zusammen. Wo die Runde die Evakuierung und den Großeinsatz plant, steht noch nicht fest. In dem vom Oberbürgermeister einberufenen Krisenstab kommen Vertreter folgender Behörden und Organisationen zusammen: Stadtverwaltung, Berufsfeuerwehr Essen, Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Johanniter Unfallhilfe (JUH), Malteser Hilfsdienst (MHD).

Erst vorige Woche waren in Essen-Holsterhausen etwa 10.000 Anwohner von der Evakuierung für eine Bombenentschärfung an der Holsterhauser Straße betroffen.

In Rüttenscheid war zuletzt am 14. April 2014 eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Kortumstraße entschärft worden. Auf der gleichen Baustelle war knapp drei Wochen zuvor schon eine Bombe gefunden worden. Für die Bombenentschärfungen mussten tausende Anwohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Weil die Alfredstraße gesperrt war, brach damals der Straßenverkehr in Essen-Rüttenscheid zusammen.