Essen

Bottroper Apotheker Peter Stadtmann zu 12 Jahren Haft verurteilt: Aus Habgier panschte er Krebsmedikamente

Der Bottroper Apotheker Peter Stadtmann vor dem Landgericht Essen: Er muss für zwölf Jahre ins Gefängnis.
Der Bottroper Apotheker Peter Stadtmann vor dem Landgericht Essen: Er muss für zwölf Jahre ins Gefängnis.
Foto: dpa

Essen. Der Bottroper Apotheker Peter Stadtmann hat jahrelang lebenswichtige Krebsmedikamente gepanscht. Das Landgericht Essen hat den Mann am Freitag jetzt zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Der Mann hatte aus reiner Habgier gehandelt, davon ist das Gericht überzeugt. Stadtmann hat demnach in großem Stil gegen das Arzneimittelrecht verstoßen und Krankenkassen betrogen.

Bottroper Apotheker Peter Stadtmann: Lebenslanges Berufsverbot

Das Gericht verhängte außerdem ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Mann, der ausgerechnet am Tag der Urteilsverkündung seinen 48. Geburtstag hat.

Um seinen Gewinn zu maximieren, hatte der Apotheker seinen todkranken Kunden falsch dosierte Medikamente verkauft.

Bottroper Apotheker Peter Stadtmann äußert sich nicht

Im Urteil ist von mehr als 14.000 Medikamenten die Rede, die in ihrer Qualität nicht unerheblich gemindert waren.

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Der Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Verteidiger hatten Freispruch beantragt.

Staatsanwaltschaft forderte dreizehneinhalb Jahre

Die Staatsanwaltschaft hatte dreizehneinhalb Jahre Haft gefordert. Sie war überzeugt, dass Peter Stadtmann jahrelang lebenswichtige Krebsmedikamente gestreckt hatte, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren.

Der 48-Jährige habe sich auf Kosten von Menschen bereichert, die um ihr Leben bangten, hatte Staatsanwalt Rudolf Jakubowski in seinem Plädoyer argumentiert. "Und das zur Fortsetzung seines luxuriösen Lebensstils - zum Beispiel zum Bau einer Villa mit Wasserrutsche."

Opfer kritisieren: Fragen blieben offen

Die Verteidiger des Apothekers zweifelten die Indizienkette insgesamt an und fordern einen Freispruch. Der Angeklagte selbst hat sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Opfer und Hinterbliebene kritisierten, dass wichtige Fragen in dem Verfahren am Landgericht Essen offengeblieben seien. Vor allem konnte nicht geklärt werden, wie viele Patienten unterdosierte Medikamente bekommen haben. Anfänglich war die Staatsanwaltschaft von mehr als 1000 betroffenen Patienten ausgegangen.

Der mutmaßliche Medikamentenskandal war von zwei Mitarbeitern des Apothekers aufgedeckt worden. Für ihre Enthüllungen waren sie Ende 2017 mit dem Deutschen Whistleblower-Preis ausgezeichnet worden. (dpa/pen)

 
 

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