Wechsel des Essener Kämmerers zu Stadtwerken hat Geschmäckle

Frank Stenglein
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Essens Kämmerer kritisierte oft die Stadttöchter, und zwar auch wegen ihrer hoch dotierten Führungspositionen. Nun strebt Klieve selbst eine solche an.

Essen. Wenn in Anwesenheit von Leitern städtischer Töchterunternehmen der Name Lars Martin Klieve fiel, war die Reaktion in den letzten Jahren oft eindeutig: Ablehnung bis hin zum Hass. Der oft schneidig auftretende Stadtkämmerer legte schonungslos offen, wenn Stadttöchter den Sparvorgaben der Stadt nicht oder nur ungenügend folgen wollten, was nach seiner Ansicht nahezu flächendeckend der Fall war. Klieve ließ auch gern durchblicken, dass er manchen Stadttochter-Chef gemessen an der Leistung für überbezahlt hielt. Da war der Spott verständlicherweise groß, als vor Wochen durchzusickern begann, dass der Kämmerer nun selbst zu einer Stadttochter wechseln will.

Nun könnte man sagen, dass Klieve als Kämmerer eine Funktion hatte und diese mitsamt der dort gepflegten Attitüde nun eben ablegt, um eine andere zu übernehmen. So wie Gewerkschaftsfunktionäre plötzlich anders reden und handeln, wenn sie zum Beispiel Personaldirektor geworden sind.

Aber ganz so einfach ist es nicht. OB Thomas Kufen hatte das klare Ziel ausgegeben, die Stadttöchter-Herrlichkeit schrumpfen zu lassen, was auch heißen muss: Keine hochdotierten Positionen mehr für Mitglieder der Stadtspitze, die warum auch immer Wechselabsichten haben. Statt den zweiten Vorstandsposten bei den Stadtwerken mit Klieve zu besetzen, hätte man diesen ja vielleicht auch streichen können. Man darf sicher sein: Das wäre vor kurzem noch in Klieves Sinn gewesen.

OB und Kämmerer werden bald darzulegen haben, warum dieser Personal-Deal nicht das ist, was er in vergleichbaren Fällen oft war: ein Bombengeschäft für den glücklichen Job-Kandidaten.