Essen

„Was muss noch passieren?“ - so redet der Richter beim Essener Libanesen-Prozess der libanesischen Community ins Gewissen

Felix Laurenz
Mahmoud M. (2. v. li.) wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Mahmoud M. (2. v. li.) wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Foto: Felix Laurenz
  • Harte Urteile beim Libanesen-Prozess in Essen
  • Richter redet der deutsch-libanesischen Community ins Gewissen
  • Der Mord sei „ein weiteres Kapitel in der langen und leidvollen Geschichte der syrisch-libanesischen" Gemeinschaft.

Essen. Knallharte Urteile im Essener Libanesen-Prozess. Für den Mord an Mohammed E. bekam Todesschütze Mahmoud M. lebenslänglich. Auch die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. M. hat also keine Chance, auf eine Haftentlassung nach 15 Jahren. Auch die beiden Mittäter bekamen harte Strafen.

Klare Worte fand Richter Volker Uhlenbrock auch für andauernde Clan-Fehden innerhalb der der libanesischen Community.

Sogar der erfahrene Richter ist schockiert

Der erfahrene Richter, immerhin seit etwa zwei Jahrzehnten im Dienst, war von der Kaltblütigkeit des Falls sichtlich schockiert. Während der Urteilsverkündung kämpfte er mit seinen Gefühlen. Zwischenzeitlich brach Uhlenbrock das Plädoyer sogar für etwa eine Minute ab.

Der Mord sei „ein weiteres Kapitel in der langen und leidvollen Geschichte der syrisch-libanesischen" Gemeinschaft, sagte er.

„Keine Einsicht und Bereitschaft“

Familienstreitigkeiten seien „leider immer wieder“ der Grund für Verbrechen. „Vernunft kehrt leider nicht ein“, sagte Uhlenbrock. Er kritisierte auch, dass die deutsche Justiz von vielen nicht akzeptiert werde.

„Es gibt keine Einsicht und Bereitschaft, Verbrechen anzuzeigen und Gerichtsurteile zu akzeptieren.“

Uhlenbrock spricht vom „Weg der Selbstjustiz“

Dieser „Weg der Selbstjustiz“ führe nur zu weiterem Hass, so Uhlenbrock. Er bringe auch die Familien selbst nicht weiter.

„Seit Jahrzehnten gibt es nur Verlierer.“ Mit dem ermordeten Mohammed E. habe es einen „völlig unschuldigen, unbeteiligten und friedvollen jungen Mann getroffen.“ Wegen des Hasses von Mahmoud M. sei „ein Leben ausgelöscht“ worden.

Richter appelliert an Vernunft der libanesischen Community

Ein Verhalten wie das von M. habe er „noch nie erlebt.“ Den Mord an Mohammed E. nannte er „eine öffentliche Exekution.“

Letztlich seien aber auch Mahmoud M. und seine Mittäter Verlierer: „Die Hauptangeklagten werden das Gefängnis erst wieder als alte Männer verlassen.“

Uhlenbrock sprach im Gerichtssaal auch mahnende Worte an die etwa 70 deutsch-libanesischen Zuhörer: „Was muss noch passieren, dass diese Szene endlich zur Besinnung kommt?“

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