Was mit der Hauptschule an der Bärendelle in Essen geschehen soll, ist unklar

Bezirksbürgermeister Klaus Persch und Hausmeister Georg Dörr (2. u. 3. v.l.) begutachten die moderne Heizungsanlage. Sie ist noch fast neu.
Bezirksbürgermeister Klaus Persch und Hausmeister Georg Dörr (2. u. 3. v.l.) begutachten die moderne Heizungsanlage. Sie ist noch fast neu.
Foto: WAZ FotoPool
Ungeliebte Häuser der Stadt: Die ehemalige Frohnhauser Hauptschule an der Bärendelle steht seit etwas über einem Jahr leer und verwittert mehr und mehr. Neue Nutzungen sind bislang an fehlendem Geld gescheitert.

Essen. Sie ist eine alte Dame, mittlerweile 102 Jahre alt, vor nicht allzu langer Zeit wurde ihr noch ein neuer „Herzschrittmacher“ verpasst, doch auf dem Heiratsmarkt sehen ihre Chancen eher nicht so gut aus: Die denkmalgeschützte ehemalige Frohnhauser Hauptschule an der Bärendelle gehört zu den großen Brocken unter den Immobilien der Stadt, die leer stehen, und deren Zukunft ziemlich unklar ist.

Drei Millionen Euro Investition seit 2005

Bänke und Stühle stehen im Klassenraum bereit, doch zum Schulanfang am kommenden Mittwoch werden sich hier keine „Halbstarken“ herumlümmeln. „Das war nicht immer so“, erzählt Ulrike Muthmann, während sie sich durch die dunklen Flure tastet. Als Mitarbeiterin der Immobilienwirtschaft, Abteilung „Allgemeines Grundvermögen“, ist sie mittlerweile für die monumental wirkende Anlage mit den drei Flügeln zuständig. Zum Ende des Schuljahres 2010/11 ging die alte Dame – gemeint ist hier natürlich die aus Stein – nach 100 Dienstjahren in Pension.

Gebaut wurde sie als Volksschule vom Architekten Albert Erbe, auf dessen Schreibtisch auch das Museum für Völkerkunde in Hamburg in Form gebracht wurde. Ihre Blüte erlebte sie als weithin begehrtes Wirtschaftsgymnasium, zu dem die Schüler auch von weither kamen. Und als reife Dame wurde sie zur Hauptschule Bärendelle.

Bis in Essen mehr und mehr Standorte dieser Schulart auf der Streichliste landeten. 1994 war die Dame an der Bärendelle 15 noch unter Denkmalschutz gestellt worden, das sprach für sie. Außerdem hatte man seit 2005 investiert und das nicht nur für ein „Facelift“ mit neuen Farben: Mit einer modernen Heizungsanlage bekam sie praktisch ein neues Herz eingepflanzt. „Seit 2005 sind rund drei Millionen Euro ausgegeben worden“, sagt Ulrike Muthmann. Doch während der Sanierungen kam der Schock: Die Schäden waren viel größer als befürchtet. „Das fiel im Rahmen einer Brandschutzbegehung auf“, so Ulrike Muthmann. 4,5 Millionen Euro ermittelte man im Dezember 2006 als zusätzlichen Investitionsbedarf, das „Allernötigste“ ist wohl „schon“ mit 3,5 Millionen Euro zu machen. Die Entscheidung war gefallen.

Die Dame wurde außer Dienst gestellt

So wurde die alte Dame außer Dienst gestellt und trägt seitdem zwei Gesichter. Auf der, zwar in die Jahre gekommenen aber noch recht gut erhaltenen, Frontseite erinnern nur die verbarrikadierten Fenster daran, dass hier nicht mehr Schulschwänzer hergebracht, sondern unliebsame Besucher ferngehalten werden sollen. Die Schulhofseite hinten aber bietet mit eingeworfenen Fenstern und Müll ein Bild der Verwahrlosung. Ähnliches fällt auf beim Rundgang durch das weitläufige Haus mit 26 Unterrichts- und 14 Fachräumen: Fast frisch getünchte Wände stehen in starkem Kontrast zu Schulräumen, durch deren offene Decke man das Parkett des darüber liegenden Klassenzimmers sehen kann. Die „Bärendelle“ fristet ein „Wachkoma“. „Wasser und Strom sind angeschlossen, es wird geheizt – sonst könnte man schnell nichts mehr mit dem Gebäude anfangen“, weiß Ulrike Muthmann.

Denn für Pensionärinnen aus Stein gibt es kein Gnadenbrot. Irgendwann ist die Stadt es auch leid, die immensen Instandhaltungskosten zu stemmen. „Das ist doch eine sechsstellige Summe im Jahr“, sagt Bezirksbürgermeister Klaus Persch (SPD), der zusammen mit seinen Kollegen aus der Bezirksvertretung III ein Auge auf die Immobilie geworfen hat. Bezirksverwaltungsstelle, Stadtteilbibliothek, Ärztehaus, einige Räume für die Volkshochschule und Ateliers könnten hier doch untergebracht werden. So bekäme der Stadtteil so etwas wie einen neuen Mittelpunkt. Und für die altgediente Dame in städtischen Diensten wäre das doch eine Alternative auf dem Heiratsmarkt – wenn die Mitgift nur nicht so hoch wäre.

 
 

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