Was Essener Hacker vom „Anonymous“-Cyberkrieg gegen den IS halten

Susanne Klose
Das Hacker-Kollektiv „Anonymous“ droht mit Cyber-Krieg gegen IS-Terroristen. Der Essener Chaos Computer Club bleibt skeptisch.
Das Hacker-Kollektiv „Anonymous“ droht mit Cyber-Krieg gegen IS-Terroristen. Der Essener Chaos Computer Club bleibt skeptisch.
Foto: imago/ZUMA Press
„Anonymous“ droht IS-Terroristen mit Cyber-Krieg – die Hacker-Szene um die Essener Abteilung des Chaos Computer Clubs „Chaospott“ bleibt kritisch

Essen. Der Krieg gegen den Islamischen Staat hat begonnen – zumindest online. Das erklärt der Mann mit der Guy-Fawkes-Maske in einem Youtube-Video, das mehr als 500.000 Menschen angeklickt haben. Hinter dieser digitalen Kriegserklärung steckt das Hacker-Kollektiv „Anonymous“. Doch wer hinter „Anonymous“ steckt, kann mit Sicherheit niemand sagen. Und das ist einer der Gründe, warum die lose organisierte Gruppe auch in Essener Hacker-Kreisen kritisch gesehen wird, weiß Robert Krautkrämer, Mitglied des „Chaospotts“, der Essener Abteilung des Chaos Computer Clubs.

„Anonymous ist ein Label, das sich jeder aufkleben kann“, erklärt der 24-Jährige. Es gebe keine Kontrolle darüber, wer im Namen des Hacker-Kollektivs Aktionen durchführe oder Erklärungen abgebe.

Anonymous versus IS

Eine erste Aktion der Maskenträger gegen den Islamischen Staat startete im Januar dieses Jahres. Laut eigenen Angaben habe das Kollektiv mehr als 26.000 Twitter-Accounts von mutmaßlichen IS-Mitgliedern gehackt. Auch wenn so der Informationsfluss bei der IS gestört werde – eine weitreichende Wirkung hätten solche Aktionen kaum. „Denn die Gewalt findet offline statt“, sagt Krautkrämer. „Ein paar gehackte Webseiten werden nichts ändern.“

Und auch die symbolische Dimension derartiger Anonymous-Aktionen ist für Krautkrämer fragwürdig. „Dass der IS böse ist, ist bekannt. Da ist kein Aufmerksamkeitsbedarf vorhanden.“ Auch wenn der 24-Jährige betont, dass er nicht für den deutschlandweiten Chaos Computer Club (CCC) sprechen könne, und es durchaus Sympathisanten unter den Essener Hackern für die Anonymous-Gruppen gibt, die Passwörter knacken und Webseiten lahmlegen, verstößt deren Vorgehen gegen eines der Grundprinzipien des CCC: öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Die Aktionen des Anonymous-Kollektivs widersprechen diesen Prinzipien. Und sind für „Chaospottler“ Sebastian kein richtiges Hacken. „Wir nehmen etwas Vorhandenes und modifizieren es so, dass etwas Neues entsteht.“ Das Abspielen simpler Programme, die per Daueranfragen Webseiten überlasten – ein typisches Vorgehen von „Anonymous“ – habe damit wenig gemein.