Warum Jürgen von der Lippe im Ruhrgebiet das Herz aufgeht

Jürgen von der Lippe kommt nach Essen.
Jürgen von der Lippe kommt nach Essen.
Foto: IKZ
Entertainer Jürgen von der Lippe tritt am Samstag in der Essener Dampfe auf. Für die Zuschauer hat er Kurzgeschichten, fiktive Texte und Glossen vorbereitet. Vorab spricht er im Interview über sein Publikum, über frühere Ferien in Ruhrgebiet samt Indianerspielen und der Jagd nach Stichlingen.

Essen-Borbeck.. Jürgen von der Lippe, bekannt aus Funk und Fernsehen, kommt am Samstag in die Dampfe (Einlass: 19 Uhr, Beginn 20 Uhr, Eintritt: 25 Euro). Wir sprachen vorab mit dem bärtigen Entertainer mit Hawaii-Hemd-Vorliebe.

Herr von der Lippe, was erwartet die Gäste in der Dampfe?

Eine Lesung. Es sind neue Texte für ein Buch, das 2015 auf den Markt kommt. Dazu es gibt es Kurzgeschichten, fiktive Texte und Glossen.

Welche Rolle spielen bei Ihren Texten Alltagsbeobachtungen?

Sie sind auf einen Einfall angewiesen, der Sie anspringt. Ich bin ja ein Zeitungsleser, reiße Artikel raus, bewahre sie auf. Irgendwann nehme ich die Artikel raus und hoffe aus den Musenkuss. Der kommt. Oder nicht. Dazu gibt es im Programm Dialoge zwischen Mann und Frau. Ich setze auf unerwartete Auflösungen, will testen und ausprobieren.

Entscheiden somit die Zuhörer, was ins Buch kommt?

Der Erstkontakt mit dem Publikum ist wichtig. Ich sehe, ob Geschichten funktionieren. Zuhörer müssen nicht laut lachen. Ich sehe es und spüre an meiner Befindlichkeit, ob eine Geschichte brauchbar ist.

Kommen Sie gerne nach Essen und ins Ruhrgebiet?

Meine Mutter kommt aus Bottrop. Da habe ich immer die Ferien verbracht, da geht mir heute noch das Herz auf. Hinter der Straße kam das Feld. Wir haben Indianer gespielt und mit Bindfäden Stichlinge aus dem Kanal gezogen. Und wieder reingeworfen. Dem Fisch wurde nicht mal ne Schuppe verbogen.

Was kennzeichnet das Publikum im Ruhrgebiet?

Schubladen funktionieren nicht. Früher gab es Unterschiede. Wenn ich in eine Stadthalle kam, habe ich ins Gästebuch geschaut. Da standen volkstümliches Theater, ein Zauberer, Chöre. Und kaum Comedy. Ich wusste: Hier dauert es länger, bis die Leute wissen, was geschossen wird.

Und heute?

Heute weiß jeder durchs Fernsehen, was komisch und Comedy ist. Das Publikum ist aber immer eine inhomogene Mischung. Es ist, wie ein Kollege gesagt hat, das Gewässer mit der Welle, auf der der Künstler surft. Mal ist der Künstler nicht in Form, mal gibt die Welle nicht mehr her. Das kann alles passieren. Es gibt Publikum, das von Anfang an abgeht wie ein Zäpfchen. Da muss ich bremsen, sonst wird es müde. Und es gibt die, die lange brauchen und dann nicht aus dem Saal wollen. So ist jeder Abend anders und speziell.

 
 

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