Essen

Warum es so schwer ist, eine Hebamme in Essen zu bekommen

Auch in Essen sollte man sich frühzeitig um eine Hebamme bemühen.
Auch in Essen sollte man sich frühzeitig um eine Hebamme bemühen.
Foto: imago

Essen. Im Herbst sollte man die Kinderplanung lieber sein lassen. Das liegt aber nicht an der sommerlichen Hitze, die Hochschwangere dann erwartet, sondern daran, dass es weniger Hebammen gibt.

Sechs Hebammen betreuen im Team

Geburtshelferinnen sind sowieso schon seit Jahren rar. Doch gerade in den Sommerferien seien viele selbstständige Hebammen im Urlaub, sagt Hebamme Charlotte Joussen. Die Betreuung sei in dieser Zeit dadurch noch schwieriger.

Die 26-jährige hat jedoch immer eine Urlaubsvertretung. Denn sie ist eine von sechs Hebammen, die zusammen im „Geburtshaus Essen“ arbeiten. Die Schwangeren, die hier betreut werden, müssen sich keine Sorgen um ihre Versorgung machen.

„Wir arbeiten ja immer nur im Team. Das heißt, wenn jemand frei hat, springt eine der anderen Hebamme ein“, so Joussen. Eine lückenlose Betreuung für die werdende Mutter - auch dann noch, wenn eine der Mitarbeiterinnen mal in den Urlaub fahren sollte.

Rund 120 Geburten im Jahr

Der schwierige Part ist jedoch überhaupt einen Platz zu bekommen. Denn im einzigen Geburtshaus in Essen und der direkten Umgebung werden rund 120 Geburten im Jahr begleitet. „Mann muss sich wirklich früh melden. Wir haben werdende Mamis, die rufen hier schon in der fünften Schwangerschaftswoche an.“

Frauen, die ihr Kind in dem Geburtshaus bekommen und nicht nur eine Nachsorge wollen, würden jedoch bevorzugt, erklärt Joussen. „Frauen, die nur eine Nachsorge brauchen, nehmen wir sehr selten an.“

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Es suchten jedoch sehr viele Frauen - die sich für eine Klinikgeburt entschieden haben - eine Hebamme zur Nachversorgung. „Wir müssen in der Regel mehrere Absagen pro Tag geben.“

Zwanzig Absagen von Hebammen

Denn oft hört die Betreuung am Ausgang der Kliniken auf. Viele Mütter hätten aber gerne einen professionellen Ansprechpartner, der ihnen gerade in den ersten Wochen helfend zur Seite steht, erklärt Joussen.

Hebammen sind jedoch Mangelware: „Es gibt Frauen, die rufen hier in der zwölften Woche an und erzählen, dass ihnen schon rund zwanzig Hebammen abgesagt haben.“

Auch wenn selbstständige Hebammen heiß begehrt sind - die Arbeitsbedingungen sind es nicht. Hohe Versicherungsbeiträge, lange Arbeitszeiten, nicht unbedingt das große Geld. Joussen: „Als alleinige Hebamme kann man es kaum stemmen. Gefühlt ist die Nachfrage höher geworden.“

Anfrage für Geburtshaus-Geburten steigt

Deswegen sei es klug und auch besser machbar, so wie Joussen, im Team zu arbeiten. Man könne sich die Arbeitszeiten besser aufteilen und gegenseitig unterstützen.

Doch auch hier gibt es eine Warteliste für Geburtshaus-Geburten. Weil die Nachfrage steigt, wird das Team ab März auf sieben Frauen aufgestockt.

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