Warum eine türkische Privatschule in Essen nicht willkommen ist

In der ehemaligen Boecker-Verwaltung in Vogelheim soll der Schulbetrieb stattfinden. Ob das genehmigt wird, ist aber derzeit fraglich.
In der ehemaligen Boecker-Verwaltung in Vogelheim soll der Schulbetrieb stattfinden. Ob das genehmigt wird, ist aber derzeit fraglich.
Foto: WAZ FotoPool
Die Stadt Essen und türkische Migrations-Expertenm warnen vor einem Privat-Gymnasium, das der Duisburger "Rhein-Ruhr-Bildungsverein" im Essener Stadtteil Vogelheim errichten will. Der Verein steht der umstrittenen „Gülen“-Bewegung nahe. Kritik kommt auch vom türkischen Elternverband Ruhr.

Essen. Das türkische Privat-Gymnasium, das in einem alten Verwaltungsgebäude in Vogelheim geplant ist, erntet noch vor einer möglichen Eröffnung scharfe Kritik. In bemerkenswerter Deutlichkeit erklärt Essens Schuldezernent Peter Renzel: „Wir benötigen kein neues, privates Gymnasium.“ Er halte die Einrichtung „nicht für integrationsfördernd.“

Wie berichtet, interessiert sich der Duisburger „Rhein-Ruhr-Bildungsverein“ für die ehemalige Boecker-Verwaltung in Vogelheim. Dort sollen möglichst ab Herbst 2014 bis zu 300 Schüler unterrichtet werden. Dem städtischen Bauordnungsamt liegt eine Anfrage des Haus-Eigentümers vor. Ob an der Hülsenbruchstraße ein Schulbetrieb jedoch überhaupt denkbar ist, steht in den Sternen: „Wir halten eine Schule an diesem Ort für planungsrechtlich nicht genehmigungsfähig“, sagt Detlef Robrecht, der Leiter der städtischen Bauaufsicht. Das Gebäude ist umgeben von Autohändlern und Schrottplätzen.

Bildungsverein steht umstrittenen Gülen-Bewegung nahe

Der „Rhein-Ruhr-Bildungsverein“ steht der umstrittenen Gülen-Bewegung nahe. „Wir kennen und schätzen Gülens Lehren, sind aber eigenständig“, hieß es bereits 2011. Die Gülen-Bewegung trägt den Namen des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Kritiker sehen in ihm einen verkappten Fundamentalisten. Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat die Gülen-Bewegung zuletzt ins Visier genommen, in NRW ist eine Beobachtung derzeit nicht geplant.

Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien erklärt, dass die Gülen-Bewegung noch nie offiziell mit der Verfassung in Konflikt geraten sei, jedoch im Ruf steht, ihre Mitglieder in Schulen und Gemeinden zu indoktrinieren. Vor allem außerhalb des Stundenplans fänden Veranstaltungen für Schüler und Eltern statt, die für die Gedanken Gülens sensibilisierten.

Ali Sak vom türkischen Elternverband Ruhr (300 Mitglieder, Hauptsitz in Altendorf) nennt die Gülen-Bewegung „eine Art Sekte“. Der „Rhein-Ruhr-Bildungsverein“ plant nach Angaben der Schulaufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Düsseldorf, die Errichtung seines „Eventus-Gymnasiums“ bereits seit dem Frühjahr 2011. In vielen Städten ist er schon gescheitert. In Essen versucht er es seit dem Herbst 2013.

 
 

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